Gehört und gesehen: Die Märzmusik auf einen Blick

Der Livemusikmonat war klein, aber fein: Nachdem uns Liam Gallagher krankheitsbedingt auf Juli vertrösten musste, war das einzige Konzert des Monats das von Drens im Rekorder in Dortmund. Drens kennt ihr nicht? Dann ändert das mal, Ladies and Gentlemen! Drens kommen aus Dortmund und Köln, machen feine Musik und sind (noch) ziemlich unbekannt. Also reinhören und hingehen, dann könnt ihr sagen, ihr habt sie gesehen, als sie noch kaum jemand kannte. Es lohnt sich!

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Neu auf Platte: „Boarding House Reach“ von Jack White. Der hat sein Konzept der analogen Musik kurzerhand über den Haufen geschmissen und sampelt, stilbricht und experimentiert sich munter durch ein ganzes Album. Das ist mitunter etwas überfrachtet und anstrengend, aber der Mann ist einfach ein Großer. Irgendwie ist das also trotz gefühlten drei Millionen Stilrichtungen und Ideen ein großartiges Album, wenn auch eins, das man nicht unbedingt jeden Tag rauf und runter hört. Aber gute Musik muss ja auch nicht immer einfach sein, nicht wahr?

Eine ganz andere Kiste sind Acht Eimer Hühnerherzen. Bandnamen gelesen, in den Bandnamen verliebt, reingehört, großartig gefunden. Wie nennt man das, Akustikpunk? Ist ja auch völlig egal.  Nachdem ich das Album mehrmals über Spotify gehört hatte, war klar: Ich will die Platte! Also gesagt, getan. Die Begeisterung hält immer noch an, auch weil das irgendwie anders ist. Anders gut.

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Gelesen: Quartalsbericht Literatur

Das erste Drittel des Jahres ist schon wieder (fast) vorbei – Zeit, auf die gelesenen Bücher zu blicken.

Den Anfang hat dieses Jahr der amtierende Träger des Nobelpreises für Literatur, Kazuo Ishiguro gemacht. Und zwar gleich doppelt: Nach „The remains of the day“ habe ich direkt „Never let me go“ hinterher gelesen. Und ich muss sagen, ich hatte mit beiden so meine Schwierigkeiten. Auf der einen Seite ist das sprachlich (im englischen Original) wunderschön, das Lesen an sich macht viel Freude. Von der Handlung kann ich das leider nur bedingt behaupten. Es passiert, zumindest lange Zeit, wenig bis nichts; dann führt Ishiguro den Leser seitenlang zu einem scheinbar größeren Ereignis hin, das sich dann aber doch als eher kleines Detail entpuppt. „Never let me go“ nimmt allerdings immerhin zum Ende hin ein wenig Fahrt auf, was ich von „The remains of the day“ leider nicht behaupten kann. Das Fazit fällt also eher gemischt aus.

Wesentlich positiver fällt das für „Die Geschichte eines neuen Namens“ von Elena Ferrante aus. Der zweite Teil der Geschichte um die Freundschaft zwischen Elena und Lila ist genauso fesselnd wie der erste – hier sind wir Zeugen ihres Lebens im Übergang von Jugendlichen zu jungen Erwachsenen. Seit der Hochzeit von Lila zum Schluss des ersten Bands driften die Lebenswege (und alles, was dazu gehört) der beiden jungen Frauen immer weiter auseinander, aber ganz los kommen beide trotz allem nicht voneinander. Und um sie herum passieren natürlich allerhand große und kleine Dramen, die irgendwie immer vor allem mit Lila zu tun haben. Wie schon Buch 1 habe ich auch diesen Teil wieder ziemlich verschlungen – und ich habe mir vorgenommen, nicht wieder etwa ein Jahr bis zum nächsten Band verstreichen zu lassen.

Ein großartiges Buch ist auch „ Tyll“ von Daniel Kehlmann. Dessen „Die Vermessung der Welt“ habe ich geliebt, und auch „Ich und Kaminski“ fand ich richtig gut. „Tyll“ versetzt nun die legendäre Figur Till Eulenspiegel – hier Tyll Ulenspiegel – in die Zeit des 30-jährigen Kriegs. Wie schon bei der „Vermessung“ verwebt Kehlmann geschickt reale Ereignisse und Fiktion, historische Begebenheiten mit erfundenen Personen. In Episoden spinnen sich dem Anschein nach viele verschiedene Figuren und Handlungsstränge, die aber immer wieder an einer zentralen Figur zusammenlaufen: Tyll ist immer irgendwie im Mittelpunkt und das verbindende Element. „Tyll“ ist eine große Erzählung, manchmal zum Schreien komisch, die aber auch eindrücklich die Grausamkeit der damaligen (Kriegs-)Zeit beschreibt. Und oft kann man tatsächlich auch Parallelen zur heutigen Gesellschaft ziehen. Und gleich noch ein Bonus: Kehlmanns Sprache. Wohl wenige aktuelle Autoren schreiben so wunderbar. Ich hatte an vielen Stellen das dringende Bedürfnis, ganze Passagen abzufotografieren. Manchmal habe ich es auch gemacht… (Verfechter der deutschen Sprache müssen jetzt stark sein)

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„Das ist der Algorithmus, wo man mit muss!“ In der Zukunft spielt „QualityLand“ von Marc-Uwe Kling. Nach unzähligen wunderbaren Känguru-Geschichten ist das jetzt ein ebenso lakonisch verfasster Roman darüber, wie unsere Gesellschaft in einer gar nicht mal allzu fernen Zukunft aussehen könnte. Das ist, wie schon die Geschichten um das Känguru, im Vordergrund oft witzig – wenn man aber drüber nachdenkt, steckt oft mehr dahinter, und das Lachen bleibt einem das eine oder andere Mal im Halse stecken.

Und übrigens: Der Online-Shop von Marc-Uwe Kling, in dem es natürlich auch „QualityLand“ zu kaufen gibt, ist jeden Euro wert, den man da ausgeben kann. Warum? Steht auf der Seite!

Selbst gemacht: (Klein-)Möbel

Huch, ein richtiges Trendthema hier im Blog. DIY- und Upcycling-Möbel sind ja im Moment der ganz heiße Scheiß, da wollte ich auch mal mit dabei sein.

Na gut, ein bisschen aus der „Not“ heraus ist das ganze schon entstanden. Angefangen hat es mit unserem Entschluss, einen neuen Kühl- und Gefrierschrank zu kaufen. Wir hatten bis dahin zwei Einzelgeräte, die wir von den Vorbesitzern übernommen hatten und die unter der Küchenarbeitsplatte standen. Problem 1: Die Geräte hatten schon etliche Jahre auf dem Buckel. Problem 2: Der Kühlschrank stand direkt neben dem Backofen, der Gefrierschrank ziemlich nah an der Heizung. Beides nicht gerade ideal für den Stromverbrauch.

Also wurde es Zeit für ein neues, modernes und kombiniertes Gerät, das allerdings logischerweise an einem anderen Platz stehen muss. Daher war ein kleinerer Umbau nötig: Die Arbeitsplatte, unter der die bisherigen Geräte standen, wurde halbiert, damit auch weiterhin der Küchentisch und zwei Stühle Platz finden konnten. Da die Platte vorher bis zur Wand bzw. zum Fenster ging und mit einer Silikonfuge sowie natürlich durch die Geräte gestützt wurde, braucht der verbliebene Teil natürlich eine neue Stütze. Das erledigt jetzt ein Regal mit zwei Böden, das quasi einen seitlichen Abschluss für die Platte bildet. Schnell und einfach gebaut mit vier Massivholzbrettern und einer Handvoll Winkel und Schrauben. Das Material hat keine 25 Euro gekostet (Schrauben und einen Großteil der Winkel hatte ich schon), günstiger als alle fertigen Alternativen war es also auch noch.

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Der abgesägte Rest der Arbeitsplatte kam zunächst mal in den Keller. Allerdings stellten wir recht schnell fest, dass der bisherige Küchentisch jetzt ein bisschen überdimensioniert ist. Kleinere Tische findet man aber wiederum nur sehr spärlich, und die sind dann auch optisch selten ansprechend. Also das Stück „lose“ Arbeitsplatte noch einmal genauer unter die Lupe genommen: Sieht eigentlich noch ganz gut aus. Im Baumarkt die schäbigen Kanten abschneiden lassen, übrig blieb immer noch ein ca. 70×45 cm großes Stück. Die ideale Größe für einen neuen Küchentisch! Im besagten Baumarkt besorgte ich vier Möbelfüße, die sich mit jeweils vier Schrauben leicht an der Platte befestigen ließen und die sogar höhenverstellbar sind. Kostenpunkt pro Stück knapp zehn Euro.

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Die Kanten der Platte schleifen wir noch ein bisschen ab, anschließend wird die Platte lasiert – und fertig! Selbst gebaut, Reste verwertet und einen schicken neuen Tisch geschaffen.

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Gehört und gesehen: Die Februarmusik auf einen Blick

Kurzer Monat, kurzer Musikrückblick. Und eigentlich ging es auch erst auf der Zielgeraden so richtig los. Anfang des Monats hatten wir noch relativ kurzfristig Karten für Slowdive in Köln gekauft. Eigentlich haben wir ja seit einigen Jahren die Abmachung, nicht mehr unter der Woche für Konzerte durch halb NRW zu fahren. Außer, es ist etwas Großes. Nach dem letztjährigen Album und dem Konzert beim Way Back When Festival waren wir uns aber einig: Slowdive ist was Großes. Also am eisigen Montagabend auf nach Köln, ins schöne Gloria. Der Pluspunkt: So wenig Verkehr war auf dem Weg nach Köln zu dieser Uhrzeit vielleicht noch nie. Hing möglicherweise mit dem Winterwetter zusammen, das aber auf die Straßen zum Glück keine Auswirkung hatte.

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Das Konzert war, fast schon wie erwartet, wunderschön. Viel toller Sound, viel Gänsehaut, auch wenn Rachel Goswell und Neal Halstead erkältungsbedingt stimmlich etwas angeschlagen waren. Es hat der Atmosphäre keinen Abbruch getan. In diesem grandiosen Sound kann man sich einfach aufs wunderbarste verlieren. Wer Slowdive live erwischen kann, sollte das tun. Es ist großartig.

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In Sachen Platten noch ein kurzer Rückblick auf den Januar: Ich schrieb, das Tocotronic-Album bräuchte noch ein paar Durchgänge bis zu einer richtigen Beurteilung. Nun, die hat es in den letzten Wochen bekommen. Und ich sage: sehr gut! Bis auf zwei, drei Songs durchgängig klasse, und bei den Bonustracks, die es mit dem mp3-Download zur Platte gab, sind noch ein paar richtige Perlen dabei.

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Zwei neue Platten gab es ebenfalls, auch beide erst zum Monatsende. Eine davon stammt auch schon aus dem vergangenen Jahr, ist damals aber komplett an mir vorbeigezogen: Daniele Luppi und Parquet Courts mit „Milano“. Ich saß freitagsabends auf dem Sofa und hörte mich bei Spotify durch Neuerscheinungen, und irgendwann landete ich bei Parquet Courts und sah dieses Album aus 2017, bei dem auf vier Tracks auch noch Karen O singt. Von Daniele Luppi hatte ich zugegebenermaßen noch nie zuvor gehört. Ich hörte rein und war sofort verliebt. Was für ein unglaublich lässiges Album über die Stadt Mailand in den 1980er Jahren.  Das hat auf jeden Fall das Potenzial, bei mir in Dauerrotation zu laufen.

Album Nr. 2 stammt von Isolation Berlin und trägt den Titel „Vergifte dich“. Ich mag ja dieses melancholische und fatalistische an den Texten von Sänger Tobias Bamborschke. Und musikalisch mag ich Isolation Berlin auch. Nach zwei, drei Durchgängen gefällt mir dieses Album musikalisch vielleicht sogar besser als der Vorgänger.

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Ein kleiner Ausblick auf den März, den wir ja schon haben: Mindestens eine neue Platte wird es geben, und zwar das Album von Jack White. Und mal sehen, was mir sonst noch so über den Weg läuft. The Wave Pictures und The Vaccines bringen ja beispielsweise auch was neues raus.

Von den zwei geplanten Konzerten im März hätte eigentlich eines schon am 4.03. stattfinden sollen. Aber Mr. Liam Gallagher hatte ein Auftrittsverbot von seinem Arzt (seine Konzertabsagen waren auch schon mal rock’n’rolliger…). Mal schauen, wann das nachgeholt wird… Etwas gemütlicher (Liam hätte im Kölner Palladium gespielt) wird es am 17. mit Drens im Rekorder in Dortmund werden.

Köstliche Safari und erfolgreiche Flucht

Fünf Restaurants, fünf Gänge, ein Menü am Samstagabend – das ist das Konzept der Gourmet Safari in Castrop-Rauxel, die in diesem Jahr bereits zum fünften Mal stattfand. Zum zweiten Mal waren auch wir mit von der Partie (das erste Mal vor zwei Jahren). Der Safari-Teil beschränkt sich zugegebenermaßen auf einen gemütlichen Spaziergang von einem Restaurant zum nächsten, aber es soll ja auch schön klingen.

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Los ging es im Restaurant Goldschmieding, und zwar mit einem Aperitif und dem „Schorsch vom Hummer“ (siehe Menükarte). Wir haben immer noch nicht herausgefunden, warum es „Schorsch“ heißt (wer helfen kann, bitte vortreten!), aber es handelte sich um so etwas wie ein Hummerwürstchen und war sehr schmackhaft:

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Nächster Gang: die Cremesuppe vom Feldsalat in der Kulisse:

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Der dritte Gang führte ins 1910 und bestand aus Kabeljau auf Gemüse-Muschelfond.

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Gang Nummer vier im Parkbad Süd: Praline von der Ochsenbacke mit Kräuter-Kartoffel-Brandade.

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Und das Finale im Café Residenz: Passionsfruchtsorbet und Malibucrème.

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Jeder Gang für sich war köstlich und zusammen hat das ein tolles Menü ergeben. Dazwischen gab es ja auch immer ein bisschen Bewegung in der kalten Winterluft, so dass man nicht nur satt auf einem Stuhl herumsaß. Ein tolles Konzept, das eine schöne Empfehlung für die teilnehmenden Restaurants ist und gutes Essen zu einem fairen Preis bietet.

Am darauf folgenden Sonntag wartete eine ganz andere Herausforderung auf uns: Mit einigen Freunden besuchten wir einen Escape Room. Im Locked in Bochum mussten wir das Rätsel um „Vier Morde, eine Chance“ lösen, um innerhalb einer Stunde den Schlüssel zu finden, mit dem wird den Raum wieder verlassen durften. Es galt, viele kleine Rätsel und Aufgaben so zusammenzuführen, dass am Ende die Lösung stand und ein fünfter Mord verhindert werden konnte.

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Schachfiguren in bestimmten Zügen zu arrangieren war eine Aufgabe, die zu einem Teil der Lösung führte. 

Da wir zu sechst waren, konnten wir uns diese Aufgaben gut einteilen und kombinierten uns Schritt für Schritt ans Ziel – allerdings auch unter Mithilfe des Locked-Teams. Unsere Spielleiterin hatte uns vorher eröffnet, dass es noch niemand geschafft habe, das Spiel ohne Hilfe zu lösen. Und wir wären ohne ihre Tipps auch aufgeschmissen gewesen, zumindest wären wir mit der Stunde mit Sicherheit nicht ausgekommen. So hatten wir noch 6:32 Minuten Zeit auf der Uhr, als wir den Schlüssel gefunden haben. Auch mit Tipps also eine gute Leistung, die wirklich Spaß gemacht hat. Das war hoffentlich nicht das letzte Mal in einem Escape Room.

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Komma weg da!

„Finanzbeamte zu überzeugen, macht Spaß.“

„So plump aufzuhören, ist ziemlich dumm.“

„Die Meisterschaft zu gewinnen, war großartig.“

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Bitte diese Sätze einmal laut vorlesen. Natürlich inklusive der kurzen Pause, die das Komma an der jeweiligen Stelle impliziert. Klingt komisch, oder? Ja, klingt komisch, weil die Kommasetzung zumindest fragwürdig ist. Allem Anschein nach ist das aber gerade schwer in Mode, denn solche und ähnliche Sätze lese ich nahezu täglich. Aber nicht nur bei solchen Sätzen geht der Trend momentan offenbar zu mehr Kommata, die niemand braucht. Es scheint, als hätten die Leute zu viele Kommata übrig (zumindest die meisten; einige scheinen auch gar keine zu haben…)

Der Duden gewährt zwar bei diesen Satzkonstruktionen einen „gewissen Freiraum“ – aber mal ganz ehrlich, man lässt doch lieber ein unnötiges Komma weg als eins zu viel zu setzen, oder? „Finanzbeamte zu überzeugen“ könnte man im ersten Satz einfach durch „Spielen“ ersetzen, die Satzkonstruktion bliebe unverändert – und da würde doch wohl niemand ein Komma setzen, oder? Na also!

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„Doch dort geht es ganz anders zu, als erwartet.“

Eine noch schlimmere „Modeerscheinung“: Vor jedes, aber auch wirklich jedes „als“ wird ein Komma geprügelt. Und das ist tatsächlich grammatikalisch falsch, wie der Duden sogar schönerweise u.a. mit exakt dieser Konstruktion erläutert:

1. Wenn diese Konjunktionen nur Wörter oder Wortgruppen (ohne Verb) einleiten, setzt man kein Komma <§ 74 E3>.

  • Die Wunde heilte besser als erwartet.
  • Wir haben mehr Stühle als nötig.
  • Die neuen Geräte gingen weg wie warme Semmeln.
  • Wie schon bei den ersten Verhandlungen konnte auch diesmal keine Einigung erzielt werden.“

Aber nichtsdestotrotz begegnet einem diese Art von Kommasetzung öfter, als es einem lieb sein könnte. Ha! HIER darf das Komma stehen, nein, es muss es sogar.

„Fun“ Fact: Bis auf den Satz von der Meisterschaft (den habe ich bei Spox gefunden) stammen alle Zitate von Spiegel Online. Ich will SpOn damit in keinster Weise ans Bein pinkeln, sondern vielmehr zeigen: Wenn bei einem solchen Medium solche Schreibweise und/oder Fehler zur Regel werden, ist das bei „kleineren“ Medien oft – nicht immer! – noch eklatanter. Von Briefen, E-Mails oder sogar sozialen Netzwerken will ich gar nicht erst anfangen…

Gehört und gesehen: Die Januarmusik auf einen Blick

Musikalisch ging das Jahr 2018 sehr ordentlich los. Gleich zum Start gab es das Debutalbum von Shame, die ich vor ziemlich genau einem Jahr bei den Cardinal Sessions in Köln kennen gelernt habe. Ein großartiges Album, dringlich, laut und mitreißend. Da beansprucht schon früh jemand einen Platz in den Jahrescharts!

Das erste Konzert des Jahres fand im „Konzertwohnzimmer“ statt: Razz spielten im FZW-Club ein schönes Set. Am Nachmittag zuvor (es war ein Sonntag) waren wir bereits bei einer Lesung von Linus Volkmann im Labsal – das war also ein richtig guter Kultursonntag.

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Für die zweite neue Platte in der Sammlung sind Tocotronic verantwortlich. Die Vorabauskopplungen zu „Die Unendlichkeit“ waren sehr vielversprechend (vor allem „Hey du“ und „Electric Guitar“), da musste das Album her. Es ist: schwierig, das schon zu beurteilen. Tocotronic-Alben vermögen mich nicht mehr so mitzureißen wie früher, wachsen aber oft nach mehrmaligem Anhören. Das angesprochene „Hey du“ oder auch „Electric Guitar“ („Teenage Riot im Reihenhaus“, wie gut ist bitte diese Zeile allein schon!) sind grandios, bei vielen anderen braucht es vielleicht noch etwas. Aber wenn schon das Feuilleton ellenlange Aufsätze über das Album schreibt, warum sollte es sich einem dann auch einfach erschließen?

Einfacher erschließt sich einem da schon ein Kettcar-Konzert, auch wenn Markus Wiebusch mit einem Grinsen festgestellt hat, dass sie ja jetzt von einigen Medien als „Polit-Punkband“ wahrgenommen würden. Punk ist sicher weit hergeholt, trotz aller Bandwurzeln; politisch stimmt spätestens seit dem letzten Album. Und auch wenn die letzten Alben mich nicht wirklich durchgängig überzeugen konnten: Live sind Kettcar einfach eine Bank, egal ob alte oder neue Songs. Das ist einfach immer gut. Auch die Vorband an dem Abend, Fortuna Ehrenfeld, wusste zu überzeugen.

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Immer besser wird in meinen Augen sogar Gisbert zu Knyphausen samt Band. Der hat den Januar-Konzert-Hattrick im FZW für uns abgeschlossen, und zwar auf grandiose Weise. Der Mann ist mit einer erstklassigen Band unterwegs, die seine wunderbaren Songs so toll umsetzt, dass ich manchmal gar nicht wusste, worüber ich mich mehr freuen sollte – über die Spielfreude der Band oder den Song an sich. Ganz ganz großes Kino, das vom Publikum zu Recht mit einer zweiten Zugabe in eine (zumindest wirkte es so) ungeplante Verlängerung gebracht wurde.

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Ausblick: In einer Übersprungshandlung (naja, quasi fast ohne nachzudenken…) haben meine liebste Konzertbegleitung und ich Ende Januar (Tages-)Tickets für den Rock-Werchter-Sonntag gekauft. Samt Hotelübernachtung in Leuven (man ist ja keine 20 mehr…). Nick Cave & The Bad Seeds, Arctic Monkeys, David Byrne, Eels – an einem Tag! Das war also eigentlich ein No-Brainer. Und da kommen ja noch KünstlerInnen dazu… Außerdem geplant, Ticketkauf erfolgt in Kürze: Love A in Köln. Es hört nie auf – zum Glück!