Geradeaus schreiben

Heute habe ich einen Text von einem angehenden Kaufmann für Marketingkommunikation –wenn er die Prüfungen besteht, ist die Ausbildung in ca. einem halben Jahr abgeschlossen –Korrektur gelesen. Knapp 250 Wörter, ca. 1700 Zeichen. Eine halbe Seite in Word. Ein lockerer Bericht über ein Seminar, dass die Azubis gemacht haben, bestimmt für eine spezielle Internetseite unserer Azubis. Gute Sache. Nur: Auf dieser halben Seite habe ich über 25 Korrektur-Anmerkungen und Ergänzungen bzw. Streichungen machen müssen. Wenn man das mal statistisch betrachtet, ergibt das mehr als einen Fehler pro zehn Wörter. Was aber eine irreführende Betrachtung ist, da auch einige komplette Sätze einer grundlegenden Änderung bedurften. Ich glaube, es gab einen Satz, den man unkommentiert stehen lassen konnte. Und ich habe mich eigentlich nur auf die Sachen konzentriert, die für die Richtigkeit und das Verständnis des Texts zwingend sein mussten.

Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich erstens schon erwartet habe, dass der Text nicht sonderlich gut ist. Das liegt erstens daran, dass der Schreiber selbst sagt, dass das Schreiben nicht gerade seine Stärke ist und zweitens, dass es nicht der erste seiner Texte war, den ich redigiert habe. Trotzdem: Das sind einfach viel zu viele Fehler. Und das sind ja auch nicht alles Flüchtigkeitsfehler, Vertipper oder so etwas, sondern da läuft grundlegend einiges falsch. Zum Beispiel waren Adjektive vor dem Substantiv immer groß geschrieben. Immer! Und mit Dativ, Genitiv und Akkusativ geht es auch munter durcheinander, dass es eine wahre Qual ist. Ich frage mich ernsthaft, wie man mit einer solchen Rechtschreibung einen durchaus qualifizierten Schulabschluss erlangen kann. Und auch in der Berufsschule scheint das nicht großartig ins Gewicht zu fallen. Nun bin ich vielleicht in Sachen Sprache extrem pingelig, aber für mich ist das ein Unding! Der Mann muss doch später E-Mails, Briefe und vielleicht auch mal kurze Texte verfassen – aber bei der Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkommunikation (Hallo?!) scheint es nicht so wichtig zu sein, ob man mehr als zwei Sätze geradeaus schreiben kann…

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3 Gedanken zu „Geradeaus schreiben

  1. airsign

    Rechtschreibung fließt nach der Grundschule, soweit ich weiß, in keine Deutsch-Note mehr ein, da man Leute mit LRS nicht benachteiligen will. Was mich da noch mehr überrascht: Hat er das niemandem zum Korrekturlesen gegeben?

    Antwort
  2. alltagundkultur Autor

    Jetzt echt? Auch auf Genasium nich? 😛
    Interessante Logik, vor allem wenn man Konzept „Lesen durch Schreiben“ bedenkt, das ja durchaus sehr populär ist…
    Doch, mir hat er es ja deswegen gegeben. Zum Glück! Die Texte liest immer erst jemand gegen – das wär ja noch schöner. 😉

    Antwort
  3. airsign

    Das Konzept Lesen durch Schreiben zu erörtern würde jetzt zu weit führen, es ist auch nicht an der schlechten RS vieler Schüler Schuld, aber hier noch eine interessante Geschichte von einer Begebenheit auf der Realschule:
    Ich war dort zugegen, weil einige meiner Schüler auf die Realschule gewechselt waren und es so üblich ist, dass wir ehemaligen Lehrer zur ersten Stufenkonferenz eingeladen werden. Nun ging es um einen Schüler, der mündlich in Deutsch (auch Englisch) gut war, aber eindeutig eine Rechtschreibschwäche hatte. Nun. Die Deutsch- und Englischlehrerin meinte dann, dass er in Deutsch 2 stehen würde, denn RS spiele ja keine Rolle. In Englisch hingegen würde er 4 stehen, da er ja nicht ein Wort fehlerfrei schreiben könne (das war noch zu Zeiten, als die Kinder nur in Klasse 3 und 4 Englisch hatten und Schreiben keine Rolle spielte), auch wenn er sich viel und ordentlich mündlich einbringen würde, aber die Vokabeltests (sic!)…. Da sieht man mal wie verquert viele Lehrer auf den weiterführenden Schulen denken. Ich habe mir verkniffen zu sagen, dass in England auch viel mehr Kinder LRS hätten als z.B. in Finnland (wo die Wörter genauso geschrieben werden, wie man sie hört. Ausnahmslos.). Seufz!

    Antwort

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