Wenn man keine Ahnung hat…

Vor einigen Wochen habe ich ja an dieser Stelle die Vorzüge meines noch relativ neuen eBook-Readers gepriesen. Was mich ja im Übrigen nicht davon abhält, auch „richtige“ Bücher weiterhin zu lesen. Hat ja schließlich beides seine Vor- und Nachteile und schließt sich nicht im Geringsten aus.

Was mich ohne Umschweife zu einem der dümmsten Texte führt, die ich seit langem gelesen habe. Ein Mitarbeiter der Arno Schmidt Stiftung ledert auf der Seite „Logbuch Suhrkamp“, die zum gleichnamigen Verlag gehört, dermaßen über eBooks, die dazugehörigen Reader sowie über die Nutzer dieser ab, dass man vor lauter ungläubigem Staunen und einsetzender Wut seinen Kopf eigentlich permanent auf die Tischkante oder, noch besser, in den Monitor schlagen will. Mal ganz davon abgesehen, dass es ziemlich schlechter Stil ist, derartig über bestimmt auch einen Gutteil der Suhrkamp-Leser – herzuziehen, ist vieles in dem Text einfach derartig ahnungslos, sachlich falsch und anmaßend, dass man es eigentlich für Satire halten möchte. Und das auf einer Seite, die offenbar an die offizielle Verlags-Website angedockt ist. Über seinem Eintrag steht zwar mittlerweile (scheinbar eilig nachgereicht), dass es sich um seine persönliche Meinung handelt. Nur: Einen Gefallen tut er dem Verlag damit bestimmt nicht. Denn in den vielen negativen Reaktionen auf diesen Blog-Eintrag, die schon im Netz zu lesen waren, fällt natürlich immer der Name Suhrkamp. Als ob die noch mehr negative Presse gebrauchen könnten. Und außerdem sollte jemand, der das literarische eines anerkannt großen Autoren verwaltet, sich doch freuen und darum bemühen, dass dieses Werk unter die Leser gebracht wird – egal in welcher Form.

Letztendlich bleibt wieder einmal die Erkenntnis, die Dieter Nuhr vor etlichen Jahren schon so schön formuliert hat: Nur weil man eine Meinung hat, muss es nicht zwingend sein, dass man sie kundtut. Und schon gar nicht auf eine solche unfassbar unverschämte und anmaßende Weise. Was dem Text und dem Autor für mich übrigens endgültig jedwede Glaubwürdigkeit nimmt – als wenn es dessen noch bedurft hätte: Die deutsche Rechtschreibung ist mangelhaft (obwohl das vielleicht auch eine Protesthaltung ist: Vielleicht ist er genau so gegen die „neue“ Rechtschreibung wie gegen die neue Technologie der eBooks) – und dieser Rant gegen digitale Texte ist ausgerechnet im bösen Internet erschienen, das natürlich gleich noch mit verteufelt wird. Da kann ich mich ja gleich in der Firmenzentrale von McDonalds über den Nährwert beschweren, während ich einen BigMac in der Hand habe!

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