Unterwegs: Berliner Olympiastadion

Im Rahmen eines beruflichen Kurztrips hat es mich in dieser Woche ins Berliner Olympiastation verschlagen. Das Schöne an der Veranstaltung dort: Man bekommt einen kostenlosen Einblick in das Stadion (und den dazugehörigen VIP-, oder wie das ja mittlerweile heißt, Hospitaliy-Bereich) sowie, in diesem Fall, auch noch eine Stadionführung.

Jetzt ist das Stadion ja kein normales Stadion wie die modernen Arenen, in denen in der Bundesliga sonst größtenteils gespielt wird. Erstens ist es ein Stadion, in dem auch Leichtathletik-Events stattfinden. Zweitens, und darauf will ich eigentlich hinaus: Es wurde von den Nazis gebaut. Das sieht man, und das wird einem auch immer wieder aufs Neue bewusst. Auch wenn die Olympiabewerbung Berlins übrigens schon dreißig Jahre vorher vonstatten gegangen ist, wie ich bei der Führung erfahren habe. Eigentlich sollten die Spiele dort nämlich schon 1916 stattfinden. Ging natürlich nicht wegen des 1. Weltkriegs. Daraufhin bewarb man sich in den 1920er Jahren noch einmal und erhielt noch vor der Machtergreifung Hitlers den Zuschlag. Und eigentlich sollte das schon bestehende „Deutsche Stadion“ umgebaut werden, aber das Nazi-Regime hat dann innerhalb von ca. 2,5 Jahren das Olympiastadion mitsamt seinem umliegenden Sportpark aus dem Boden gestampft. DSC07297DSC07298Und daher habe ich bei jedem Blick auf das an sich ja wirklich imposante Stadion und Gelände ein „Ja, aber…“ im Hinterkopf. Natürlich sieht das Stadion heute, besonders innen, ganz anders aus, aber es ist eben auch noch viel vom „alten“ übrig bzw. wurde, was aus historischer Sicht ja auch richtig ist, nachempfunden. Und wenn man versucht, die dahinter stehende Ideologie außer Acht zu lassen – was natürlich schwerfällt – ist es architektonisch gesehen schon ziemlich beeindruckend. 

Gut finde ich, dass beispielsweise Jesse Owens im und am Stadion eine wichtige Rolle spielt. Eine Straße am Stadion heißt Jesse Owens Allee, unsere Veranstaltung fand in der Jesse Owens Lounge statt (sehr hübsch übrigens!), und auf der Steintafel mit den Siegern der 36er Spiele ist er natürlich auch prominent vertreten. DSC07304IMG_0427Es war auf jeden Fall interessant und beeindruckend, das Stadion zu besichtigen. Besonders mit dem Hintergrund der aktuell wieder aufgekommenen Diskussion darüber, in wie weit Olympia politisch bzw. unpolitisch sei. (Wobei, wer letzteres glaubt, sollte sich meiner Meinung nach dringend hinsichtlich geistiger Frische untersuchen lassen!) Und bei aller Bedrückung, die seine Vergangenheit ausstrahlt, finde ich es gut, dass nicht künstlich versucht wird, diese zu übertünchen, sondern dass, z.B. bei der Stadionführung, vielmehr darauf hingewiesen wird und erklärt wird, wie man versucht hat, sie mit dem modernen Stadionaus- und umbau in Einklang zu bringen. Man kann das Stadiongelände übrigens auch ganz regulär besichtigen, mit oder ohne Führung. Es ist vom Zentrum Berlins super zu erreichen und meiner Meinung nach durchaus einen Besuch wert.DSC07328

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2 Gedanken zu „Unterwegs: Berliner Olympiastadion

  1. Nummer Neun

    So ging es mir immer in Nürnberb. Wenn man dort zu Rock im Park unterwegs, kommt man auch an den riesigen Betonwüsten der Nazis vorbei, dem Reichsparteitagsgelände. Und das ist schon bedrückend und im Gegensatz zum Olympiastadion nicht mal schön.

    Antwort
  2. Pingback: Die Premieren des Jahres 2014 | alltag und kultur

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