Gehört und gesehen: Beady Eye, Live Music Hall

Samstagnachmittag, kurz nach 15 Uhr vor der Live Music Hall in Köln: Lässig nehmen wir, Coco Lores, Miss James und ich, den Parkplatz direkt vor dem Eingang der Halle ein. Aber nicht, um, wie es ungefähr zwei Handvoll Leute tatsächlich machen, bis zum Konzert von Beady Eye vor dem Eingang rumzulungern und schief Oasislieder zu gröhlen. Im Vorübergehen schnappe ich auf „ich steh hier schon seit 12 Uhr“. Hoffentlich haben sie wenigstens die Band beim Ankommen getroffen. Denn um in die erste Reihe zu kommen, wäre diese Mühe wahrlich nicht nötig gewesen. Das hätte man auch um 19.30 Uhr noch relativ problemlos schaffen können.

Nein, wir nutzen das Konzert in Köln, um uns nachmittags mit dort wohnenden Freunden zu treffen. Wenn man schonmal da ist… Das machen wir im Cafe Goldmund in Ehrenfeld – das ich hiermit ausdrücklich weiter empfehle. Sehr schöne Atmosphäre – man fühlt sich fast, als würde man in einer Bibliothek essen und trinken – und leckeres Essen. Das war schon mal ein schöner Start und ein schöner Nachmittag.

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Beady Eye im aktuellen Bundesligasticker-Look

Dann machen wir uns also auf zur Live Music Hall und sind erstaunt, dass wir nicht mal in der Schlange stehen müssen, um reinzukommen. Drinnen ist es auch erst mäßig gefüllt. Meinem Eindruck nach ändert sich das auch nicht mehr großartig, was beim einzigen Deutschlandkonzert dann doch zumindest ein wenig verwunderlich ist. Statt einer Vorband gibt es, wie häufig in den letzten Jahren, ein ausgezeichnetes DJ-Set. Das natürlich über den auf Karte und Website angekündigten Konzertstart hinausgeht. Und auch über den auf dem Plakat angekündigten Start. Weit darüber hinaus. Zum Glück ist die Musik wirklich hervorragend. Irgendwann kommt Liam Gallagher dann einfach so raus, schüttelt ein paar Hände, setzt sich an den Bühnenrand, macht ein paar Faxen. Erstaunlich gut gelaunt scheint er zu sein, das ist ja schon einmal was. Aber in den letzten Jahren gibt er sich ja ohnehin deutlich nahbarer, ich erinnere mich, wie er vor ein paar Jahren in München sogar eine Zuschauerin auf die Bühe holte. Hätte man sich ja früher nie vorstellen können. Ohne viel Tamtam kommt kurz darauf auch die Band auf die Bühne – fürs Tamtam ist ja eh Liam alleine zuständig. Als neues „Spielzeug“ auf der Bühne hat er ständig eine Art Schnuffeltuch in der Hand. Der Schellenkranz stand ihm früher allerding besser.

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Beim Bad in der Menge bzw. den Kameras vor dem Konzert gerade noch zu erkennen: Liam G., Rockstar

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Das Konzert ist – kurz. Arg kurz. Eine gute Stunde, in der auch Wonderwall (naja) und Cigarettes & Alcohol (grandios) zum besten gegeben werden. Das Publikum nimmt beides euphorisch auf und die Kamera- und Handydisplaydichte nimmt fast schon obskure Züge an. Die Zugabe besteht lediglich aus dem Stones-Kracher Gimme Shelter. Das ist ganz schön wenig, immerhin steht mit zwei Alben ja mittlerweile ausreichend Material zur Verfügung. Aber irgendwie hat man an dem Abend öfter das Gefühl, die Herren hätten es eilig. Den Sound finde ich, zumindest in Teilen, ebenfalls nicht sehr gelungen. Warum man zum Beispiel Andy und Gem Mikros hinstellt, wenn ihre Stimmen ohnehin nicht zu hören sind, bleibt mir ein Rätsel. Und wir hatten eigentlich recht gute Plätze. Irgendwie war das ganze Konzert leider ein bisschen mau. Klar, Liam hats noch immer drauf, auch wenn nicht unbedingt immer mehr stimmlich. Bühnenpräsenz ist aber immer noch in Massen vorhanden. Dass aber nach jedem Lied „Liam, Liam“ Sprechchöre durchs Publikum schallen, kann nicht mal mehr ihn beeindrucken oder überhaupt zu einer Reaktion darauf hinreißen. Mich nervt es auch. Überhaupt finde ich, man sollte mehr Andy Bell feiern. Der spielt (wieder mal) ein grandioses Set an der Gitarre, sieht dabei übercool aus und verzieht nicht einmal die Miene. So geht das!

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Zwei der lässigsten Typen des Business bei der Arbeit

Insgesamt fällt mein Konzertfazit eher verhalten aus. Es war nicht schlecht, aber da habe ich auch schon deutlich besseres von den Herren Beady Eye gesehen. „Nicht schlecht“sollte generell als Konzertfazit nicht allzu oft vorkommen. Hätte ich eine weitere Anreise als eine gute Stunde gehabt, hätte ich mich eventuell sogar geärgert (dabei fällt mir auf: Anreise- und Konzertdauer waren ziemlich gleich. Auch kein Pluspunkt fürs Konzert…). Wäre schön, wenn es beim nächsten Mal wieder etwas weniger fluchtartig wirken würde. Und noch ein paar mehr eigene Songs würden auch nicht schaden – davon gibt es schließlich jede Menge gute, Oasis-Songs und gute Liam-Laune in allen Ehren. Dann lieber schlechter gelaunt und mit Wut im Bauch ein besseres Konzert. Klappt aber bestimmt, da bin ich zuversichtlich.

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