Nicht gehört und gesehen

Inspiriert von Nummerneun und seinem Eintrag über kurzfristig abgesagte Konzerte habe ich mich daran erinnert, dass es auch schon einige Konzerte gab, die ich versäumt habe – was aber in diesen Fällen (ausnahmsweise) nicht die Schuld der jeweiligen Künstler war, sondern meine eigene.

Wobei man natürlich teilweise nur bedingt von Schuld sprechen kann. Bei Krankheiten oder Verletzungen ist man ja in den seltensten Fällen der Entscheidungsträger. Auf Anhieb fallen mir da folgende ein: Young Rebel Set, Augustines, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen (die letzten beiden sogar innerhalb einer Woche), Buster Shuffle. Es gab bestimmt noch mehr.

Katzenjammer hab ich mal versäumt, weil ich an dem Abend einen beruflichen Termin hatte. Ging eben nicht anders. Viel schmerzhafter war aber die Geschichte mit den Libertines. Die spielten seinerzeit in Köln und es war erstaunlicherweise bis zuletzt möglich, an Karten zu kommen. Aber da schon so viele Konzerte auf der Tour ausgefallen waren, abgebrochen wurden oder sonstwas kurioses passierte, zögerte ich und zögerte ich. Selbst am Abend des Konzerts hätte man noch reinkommen können, wie ich später hörte. Und gut ist es wohl auch gewesen. Tja. Fand aber ohne mich statt. Und kurz danach waren sie dann Geschichte. Dumm gelaufen.

Am kuriosesten – man könnte auch das Wort dämlich ins Spiel bringen – war das verpasste Konzert der holländischen Band Gem in Osnabrück. Das muss im Winter 2006/2007 gewesen sein, jedenfalls lag (für Osnabrück nicht gerade typisch) viel Schnee. Ich besorgte relativ spontan für mich und eine Freundin Karten im Ticketshop „für das Konzert von Gem morgen im Bastard Club“, die mir die freundliche Dame auch ganz selbstverständlich aushändigte. Am nächsten Tag verabredeten wir uns dann am Bastard Club und kämpften uns mit dem Fahrrad durch die Schneemassen (wirklich nicht übertrieben!). Als ich mit dem Rad um die Ecke bog, wurde ich stutzig: Keine Menschenseele zu sehen. Nun hatte ich nicht erwartet, dass das eine Massenveranstaltung werden würde, aber dass nicht einmal jemand Einlasskontrolle machte, fand ich seltsam. Ich ging trotzdem rein und traf dort auf die Freundin, die mich genauso ungläubig empfing. Nichts war aufgebaut, das Mischpult abgedeckt wie zum Winterschlaf. Wir rätselten kurz – dann sah ich das Plakat. Wir waren einen Tag zu spät. Das Konzert hatte am Vorabend stattgefunden, an dem Tag also, an dem ich die Karten gekauft hatte („für das Konzert morgen“). Ich hatte mich schlicht und ergreifend im Datum geirrt und wäre am liebsten im Erdboden – oder im Schnee – versunken. Schöner Reinfall! Trotzdem war es ein richtig guter Abend: Wir gingen kurzerhand in die Kneipe, und spätestens beim zweiten (von vielen) Bieren konnte ich auch wieder über meine eigene Blödheit lachen.

Hoffen wir also einmal, dass mir nicht noch mehr Konzerte auf diese Weise durch die Lappen gehen. Eine Scharte werde ich übrigens im Herbst auswetzen: Heute haben wir Karten für die Libertines gekauft, die im Oktober in Düsseldorf spielen werden. Für stolze 42 Euro in der Mitsubishi Electric Halle. Naja, sie haben ja immerhin zugegeben, dass Geld ein entscheidender Antrieb für die Reunion war. Hoffentlich merkt man es dem Konzert nicht an. Ich bin gespannt, aber auch ein bisschen skeptisch.

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