Drei Bücher: Zweimal top, einmal Flop

Der Tolino hat neben vielen anderen den Vorteil, dass ich wieder wesentlich mehr lese. Und da dachte ich mir, teilste doch mal die Eindrücke einiger Bücher aus den letzten Monaten mit deiner Leserschaft. Ich freu mich schließlich auch immer, wenn mir Bücher empfohlen werden (oder mir jemand von einem Buch abrät). Nachfolgend also zwei absolute Leseempfehlungen sowie eine ehrliche Meinung über eines der schwächsten Bücher, das ich seit längerem gelesen habe.

 John Williams – Stoner: Ein faszinierendes Buch über das Leben eines Bauernsohns, der Anfang des 20. Jahrhunderts an die Uni geht, anschließend dort Dozent wird und unglücklich verheiratet ist. Das ist eigentlich die ganze Geschichte. Was daran faszinierend sein soll? Nun, es ist einfach wunderschön geschrieben. Das wirklich nicht einfach Leben des Protagonisten wird, ohne dabei rührselig oder Mitleid heischend zu werden, in all seinen Facetten erzählt, seine täglichen und alltäglichen Kämpfe, aber eben auch die freudigen Momente werden eindrücklich beschrieben, ohne Übertreibung, aber immer präzise. Ein in sich gekehrtes, leises Meisterwerk, wenn man so will. Das Buch wurde übrigens schon 1965 veröffentlicht, ohne damals großes Aufsehen zu erregen und erst kürzlich „wiederentdeckt“. Eine tolle Story hinter einer tollen Story sozusagen.

Robin Sloan – Mr Penumbra’s 24 Hour Bookstore: eBook trifft alte staubige Wälzer, junger Webdesigner trifft kauzigen Buchhändler, digital trifft analog, Google trifft geschriebenen Code, junge Nerds treffen alte Nerds. All das verpackt in einer ebenso witzigen wie fantastischen Story, ein bisschen Verschwörungstheorie, Detektivarbeit und eine kleine Prise Nerd-Romantik dazu, und heraus kommt ein wunderbares Kleinod von einem Buch, mit dem sowohl Nerds als auch Nicht-Nerds etwas anfangen können.

Tim Sohr – Woanders is auch scheiße: Titel: Bei Frank Goosen geklaut. Ganze Sätze und zumindest die Ideen für einzelne Personen und Handlungsstränge: Bei Bang Boom Bang geklaut. Drumherum: Billige Klischees in einfachstem Schwarz-Weiß-Denken, zum Teil grotesk überzeichnete Personen und Ereignisse, eine lose zusammenhängende Story und fast durchweg unsympathische Charaktere. Ich frage mich wirklich ganz ernsthaft, warum das Buch sowohl im Musikexpress als auch in 11Freunde so positiv bewertet wurde. Bei Amazon sind noch mehr überschwängliche Reaktionen aufgelistet. Kann ich nicht nachvollziehen. Für mich ist dieses Buch die RTL2 Reality Doku unter den Büchern, die im Ruhrgebiet spielen. Ich habe oft mit dem Gedanken gespielt, vorzeitig aufzuhören, weil ich mich zum Teil ungläubig geärgert habe, dass ich für dieses E-book 9 Euro hingelegt habe. Zu Ende gelesen habe ich es dann doch, aber besser ist es dadurch leider nicht geworden. Es sei dem Autor gegönnt, dass er damit ein paar schnelle Euro (denn lange kann das Schreiben des Buchs nicht gedauert haben) macht – verstehen kann ich es nicht. Meine bescheidene Meinung: Bei Literatur aus dem und über das Ruhrgebiet lieber an Leute wie Frank Goosen halten, damit fährt man sehr viel besser!

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