An der Börse mit Oasis, Ian Dury und Co.

Samstagnachmittag, keine dringenden Termine: Der ideale Zeitpunkt, um bei einer Plattenbörse auf Schatzsuche zu gehen. Wie praktisch, dass am vergangenen Samstag im FZW genau so eine fast vor der Haustür stattfand.

So ganz grundsätzlich trifft man dabei ja auf jede Menge kurioser Menschen, vorwiegend Männer – und zwar auf beiden Seiten der improvisierten Ladentheke! Denn viele der Plattenhändler ähneln nicht nur optisch ihrer Kundschaft, sondern auch in ihrer Sammelleidenschaft. Originaldialog zweier Männer, die in erster Linie zum Verkaufen da waren und sich über eine LP unterhielten, die einer der beiden gerade erstanden hatte: „Und wieviel haste für die Platte jetzt bezahlt?“ – „xy Euro“ (den Preis hab ich nicht verstanden) – „Dann haste ja mehr ausgegeben, als du bisher eingenommen hast“ (lacht) – „Ja, aber hey, die musste ich einfach haben. Und bevor die weg ist…“

Und so steht man dann neben zwischen Hipstern, Familienvätern, auch einigen Frauen und schnaufenden mittelalten bis alten Männern in speckigen Lederjacken und stöbert durch die zahllosen Kisten, erfreut sich am leicht modrigen Geruch der zum Teil schon beträchtlich alten Platten und hofft, das eine oder andere Schnäppchen zu machen. Oder besser gesagt, ein persönliches Highlight zu entdecken, denn Schnäppchen ist natürlich ein Trugschluss, bei einer solchen Veranstaltung hat schon alles seinen angemessenen Preis.

Und siehe da: Ich wurde fündig. Und wie! Ich muss an dieser Stelle meine Leidenschaft und -fähigkeit für die Geschicke der Gebrüder Gallagher wohl nicht noch einmal von Grund auf erklären, oder? Und mal ehrlich, für nur 15 Euro (FÜNFZEHN!!!!!!1elf) hätte doch wohl jeder halbwegs anständige Oasisfan die Platte schon alleine wegen des Covers gekauft, oder?!

Ya beauty!

Ya beauty!

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Noch schöner ist natürlich: Sie ist in sehr gutem Zustand und rotiert beim Schreiben dieser Zeilen, angemessen laut aufgedreht, auf dem heimischen Plattenspieler. Famos!

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Hinten drauf gibt es noch die interessante Geschichte der Entstehung: Es handelt sich genau um die Tracks, anhand derer die Band von Alan McGee entdeckt und gesigned wurde. So waren sie auf dem Demo, so haben sie sie bei diesem legendären Gig im King Tut’s Wah Wah Hut gespielt. Und mal ehrlich: Selbst mit den Nummern, die es später nicht mal mehr auf ein Album geschafft haben, selbst mit dem schräpigen Demosound und der unausgegorenen Produktion hätte sogar ich, der so musikalisch ist wie eine Gefriertruhe, die Band damals unter Vertrag genommen. Man hört einfach schon: Das ist groß, und das wird noch viel größer.

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Natürlich haben alle Songs schon vorher auf diversen Medien Einzug in diesen Haushalt gefunden. Aber dieses Schmuckstück musste einfach mit zu mir nach Hause. Gerade für, ich sage es gerne noch einmal, für nur 15 Euro!!! Gibt also doch Schnäppchen bei der Plattenbörse. Liegt ja immer auch im Auge des Betrachters…

Außerdem noch erbeutet, neben einem leichten temporären Haltungsschaden wegen des ständigen vornübergebeugten Wühlens in den Plattenkisten:

  • Eine Art Best-Of-Compilation der Small Faces
  • „Aladdin Sane“ von David Bowie
  • „Do It Yourself“ von Ian Dury & The Blockheads
  • Die Single „Simple Sincerity“ von Ben Kwellers erster Band Radish.

Alle vier übrigens für wenig Bares, und alle bisher gespielten Platten laufen einwandfrei. Eine feine Ausbeute für einen Samstagnachmittag; man sollte öfter auf Plattenbörsen gehen.

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