Die Dinos der Fußgängerzone

Man hört zurzeit ja immer wieder mal mehr oder weniger schlechte Nachrichten über Karstadt, seine zahlreichen, von Schließungen bedrohten Kaufhausstandorte und finanziellen Schwierigkeiten. Unter anderem kann man bei den Krautreportern diesen interessanten Text darüber lesen, dass der Bürgermeister von Iserlohn jetzt auch als Kaufhausbesitzer fungiert.

Da das Hertie-Kaufhaus in meiner Heimatstadt schon sehr früh in meiner Kindheit geschlossen wurde, war „Kaufhaus“ für mich immer irgendwie mit „Großstadt“ verbunden. Sieht man mal vom Kaufhaus „Konze“ in Dortmund-Lütgendortmund ab, an das ich mich vor allem wegen der zahlreichen von Omma gesponserten Modellautos erinnere, die ich von dort nach Hause trug.

Das Großstadt-Feeling kam aber ohnehin erst später, als ich alleine von Castrop-Rauxel nach Dortmund „in die Stadt“ fahren durfte. Selbstverständlich führte der Weg dann immer auch zu Karstadt – immerhin damals mit gleich drei Häusern in Dortmund vertreten: Stammhaus, Sporthaus, Technikhaus. Wobei das Stammhaus damals am wenigsten interessant war. Sport und Technik, das war es! Die neuesten Sneakers (wir nannten sie Turnschuhe) und T-Shirts angucken, die die NBA-Stars in der Bravo Sport (!) trugen, durch die Regale mit PC-Spielen und CDs stöbern. Manchmal natürlich auch was davon kaufen. Hallo, große bunte Welt!

Womöglich gehöre ich zur letzten Generation, die solche Kaufhäuser, in denen es im Grunde fast alles gibt (in den meisten Städten war das alles ja in einem Haus versammelt), noch als selbstverständlichen Teil der urbanen Fußgängerzonen empfunden haben, für die es als Kind vielleicht sogar aufregend war, in ein Kaufhaus zu gehen. Denn wenn ich heute zu Karstadt gehe, und das mache ich tatsächlich aus unerfindlichen Gründen noch ab und zu, senke ich den Altersschnitt.

Wenn ich mir dann allerdings das Angebot ansehe, wundert mich das wenig: Viele Sachen, besonders im Bereich Textilien, sehen ein bisschen so aus, als würden die Hersteller sie in ihren eigenen Läden – den „Flagshipstores“ – gar nicht erst verkaufen wollen. Von den Eigenmarken will ich lieber gar nicht erst reden. Wobei: Neulich Vor ein paar Monaten habe ich tatsächlich mal wieder was von einer Karstadt-Eigenmarke gekauft. Einen Schal. Nach drei- bis viermaligem Tragen sah der so aus, als hätte ich ihn schon fünf Jahre in intensiver Benutzung. Ein Bild mit Symbolcharakter?

Keine Ahnung, aber jedenfalls scheint das klassische Kaufhaus wirklich vom Aussterben bedroht zu sein. Selbst wenn einige es noch 20 Jahre oder länger schaffen zu überleben, die meisten werden wohl aus dem Stadtbild verschwinden. Und aus Käufersicht ist das nachzuvollziehen. Warum dort kaufen wenn es im Geschäft des jeweiligen Herstellers attraktivere und u.U. auch vielseitigere Angebote gibt? Zumal die aus dem Boden schießenden Innenstadt-Malls diese ja oft auch noch unter einem großen Dach vereinen. Wenn den Managern von Karstadt, Kaufhof und Co. also nicht bald ein grandioser Plan zur Modernisierung einfällt (wonach es ja nicht unbedingt aussieht), wird es ihren Häusern wohl tatsächlich so gehen wie seinerzeit den Dinosauriern: Sie werden von der Bildfläche verschwinden.

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