Gehört und gesehen: Locas In Love, Sissikingkong, Dortmund

Eine der liebsten Bands in einer der schönsten Locations – da konnte ja nix schiefgehen, oder? Ging es auch nicht, soviel vorweg.

(Noch) Ein Pluspunkt des Sissikingkong: Man kann vor dem Konzert noch ganz entspannt etwas Leckeres essen. Haben wir gemacht, und frisch gestärkt ging es dann die Treppe runter zum Konzert. Als Vorband hatten die Locas Gold mitgebracht – kein sehr suchmaschinenoptimierter Bandname, und bestimmt auch kein exklusiver. Warum das von Belang ist? Weil ich mir vorstellen kann, dass im Anschluss einige Leute mehr über diese Band erfahren wollten. Als die vier Damen auf die Bühne kamen, ertappte man sich unwillkürlich bei dem Gedanken an Riot-Grrrl-Musik bzw. artverwandtes. Weit gefehlt! Keine Gitarren, nur Bass, Drums und mehrstimmiger Gesang. Und dennoch – oder gerade deswegen – war es ein sehr abwechslungsreiches Konzert, inklusive kleiner Tanzeinlagen der beiden Backgroundsängerinnen. Wobei Background auch nicht richtig stimmt. Ach, schwer zu beschreiben, aber definitiv ein außergewöhnliches Set und eine gute Wahl für einen Support.

Gekommen waren wir aber natürlich für die Locas In Love, diese Kölner Band, die schon so viele großartiges Songs gemacht hat und immer noch, weiß der Teufel warum, relativ unbekannt ist. Vielleicht auch, weil sie keinen Bock haben, sich an die Regeln des „Marktes“ zu halten und lieber das machen, was sie für gut und richtig halten. Und wenn das auch heißt, an einem Album mal drei Jahre lang herumzuschrauben, bis es veröffentlicht wird.

Zum Glück! Denn das finden nicht nur sie gut, sondern auch eine treue, gar nicht mal so kleine Fangemeinde, die auch an diesem Samstagabend im Sissikingkong wieder von großen Songs beglückt wurde, die Band zu Recht feiert und zu zwei Zugaben animierte. Einen Großteil der Setlist bildeten die Songs vom neuen Album „Use Your Illusion 3 & 4“, einem Doppelalbum, bei dem die zweite Platte ausschließlich aus Instrumentalstücken besteht, die nach Kölner Straßenbahnhaltestellen benannt sind. Live überwog allerdings die erste, „konventionelle“ Platte deutlich. Ich kannte die Tracks vorher ausnahmsweise nicht – irgendwie hatte ich den Release des Albums ein bisschen verschlafen, und wenige Tage vorher wollte ich auch nicht mehr reinhören, sondern die neuen Songs live auf mich wirken lassen.

Gar kein so schlechtes Konzept, muss ich sagen. Ich war (wieder einmal) begeistert, auch und gerade von den mir bis dahin unbekannten Stücken. „Da ist ein Licht“,“Neue Sachen“ (eine Art „Fortsetzung“ des Tracks „Sachen“ vom 2007er Album Saurus, alleine das ist ja schon großes Kino) und ganz besonders „Teenager“ haben mich sofort begeistert und mitgenommen. Ich schrieb es ja kürzlich schon: Locas In Love schreiben Songs, in die man einziehen möchte. Songs voller Wärme, Haltung und Größe, voller Witz und Klugheit. Und wenn das eben nur ein paar Hundert Leute (pro Konzertort) verstehen, dann ist das einerseits sehr schade, weil es mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Andererseits ist das aber auch genau gut so. Lieber ein paar weniger, die es ernst meinen, als Tausende, die drei Wochen später schon wieder die nächste Kuh durchs Dorf treiben.

(Und natürlich habe ich vor Ort die Platte gekauft, ist doch klar!)

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