Lesen, hören, schauen (inkl. Song des Monats: Juni)

Was Schönes auf die Ohren und auf die Augen. Und manchmal auch für beides.

Lesen (und lesen lassen)

Moritz Rinke – Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel

Ein Sprössling einer Worpsweder Kunstfamilie führt in Berlin erfolglos eine Galerie. Kuriose Umstände zwingen ihn zu einer Rückkehr in den Ort seiner Kindheit, wo er sich um den Erhalt des Familienhauses zu kümmern hat, was im Moor zu versinken droht. Dabei stößt er nach und nach auf immer neue Ungereimtheiten in der Familiengeschichte und verzweifelt an ihnen, den Umständen und der Gesellschaft.

Dieses Buch war für mich ein Zufallsfund – was für ein Glück. Der Autor stammt tatsächlich aus Worpswede und verknüpft reale Personen und Ereignisse der Künstlerkolonie mit dem fiktionalen Handlungsstrang. Dabei ist das Buch gleichzeitig oft absurd komisch, traurig und nachdenklich, was zu einem großen Teil an den handelnden (Haupt)Personen liegt. Immer wieder spielen dabei auch die Beklemmungen eine Rolle, die der Ort bei seinen Bewohnern aufgrund seiner speziellen Geschichte und Tradition auslöst. (Ich „musste“ als Kind bzw. junger Jugendlicher mal mit meinen Eltern einen Urlaubstag in Worpswede verbringen und fand es seinerzeit ganz furchtbar, habe also etwas Verständnis dafür 😉 ) Trotzdem – oder gerade deshalb – kann ich das Buch wirklich empfehlen.

John Williams – Butcher’s Crossing

Nach dem überraschenden Erfolg von „Stoner“ – Jahrzehnte, nachdem das Buch veröffentlicht wurde – wurde nun auch dieses Buch neu aufgelegt. Es erzählt eine vollkommen andere Geschichte, nämlich, ganz grob gesagt, von Büffeljägern im Amerika des 19. Jahrhunderts (?), verfügt aber wie „Stoner“ über eine ganz entscheidende Stärke: die unglaublich schöne Schriftsprache Williams‘. Wie kaum ein zweiter schafft er es, vermeintlich belanglose oder nebensächliche Dinge so zu beschreiben, dass man das Buch (bzw. den Reader) gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Man wird gefesselt, auch wenn (scheinbar) gar nicht viel passiert. (Anmerkung: Ich habe das Buch in der englischen Originalfassung gelesen und weiß daher nicht, ob das auch in der deutschen Übersetzung so rüberkommt. Ich hoffe es!) Und bevor jetzt jemand denken könnte, in dem Buch passiere nichts: Dem ist natürlich nicht so! Die Story ist ebenfalls klasse!

William E. Bowman – Die Besteigung des Rum Doodle (Hörbuch, gelesen von Jürgen von der Lippe)

Noch so ein Zufallskauf. Wobei, über das Buch hatte ich schon einiges (gutes) gehört und gelesen, aber wie das dann so ist: aus den Augen/Ohren, aus dem Sinn. Als ich dann in meiner Lieblingsbuchhandlung über das günstige Hörbuch stolperte, zögerte ich nicht und habe es nicht bereut. Eine unglaublich skurrile Geschichte rund um die Besteigung des höchsten, gefährlichsten Gipfels der Welt, voller schrulliger Charaktere und fantastisch trockenem Humor. Das Ganze mit einer lakonischen Ernsthaftigkeit von Jürgen von der Lippe vorgelesen, dass es eine einzige Freude ist. Ich möchte nicht wissen, wie oft er manche Stellen lesen musste, um das so seriös hinzukriegen. Ein wirkliches Vergnügen!

 

Schauen

Schorsch Aigner

Schorsch Aigner ist Franz Beckenbauer. Olli Dittrich ist Schorsch Aigner. Und Schorsch Aigner ist grandios. Dittrich hat ja schon früher spitzenmäßige Beckenbauerparodien abgeliefert, aber das ist sein Meisterstück und geht weit über eine „simple“ Parodie hinaus. Wie da reale Szenen, echte Bilder und Wegbegleiter vom Kaiser mit ins Boot geholt werden, um daraus diese Story zu stricken, das ist einfach Weltklasse.

Ich hatte das Glück, die Sendung zufällig im WDR zu sehen. Davor lief sie in der ARD auch schon, und in der Mediathek der ARD ist sie glücklicherweise auch noch zu finden. Es ist ein echtes Schmankerl!

 

Hören

Und dann war da auf einmal noch das hier (Video inkl. schöner Anekdoten zu Beginn):

Mir nichts dir nichts hauen die Stereophonics eine Hymne raus, die sich gewaschen hat. Klar der Song des Monats, wenn nicht noch mehr. In Sachen Catchyness dürfte da jedenfalls nur schwer ranzukommen sein! Ich kann kaum noch aufhören, das zu hören.

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