Gehört und Gesehen: Haldern Pop 2015

Ach Haldern! Du Festivalperle am Niederrhein, auf die ich mich quasi mit der Heimfahrt schon wieder beginne zu freuen. DSC02723webWeil ich weiß: Hier kann ich gute Musik hören; hier finde ich jedes Jahr mindestens einen neuen Act, der mich überrascht und mitreißt; hier ist die Atmosphäre einfach schön; hier bin ich unter guten Freunden, denn hier habe ich die beste Zeltgemeinschaft, die ich mir vorstellen kann; hier fühle ich mich für ein langes Wochenende zuhause; hier entdeckt man immer wieder neue Dinge (manchmal nur Kleinigkeiten), die das Herz erfreuen (in diesem Jahr die freundliche Bernhardinerdame Frieda). Auch im elften Jahr am Stück war es wieder ein zauberhaftes Wochenende. Okay, die Wasserflut von oben ab dem frühen Samstagabend hätte wegbleiben dürfen. Aber selbst damit war es ein Fest. Und endlich habe ich es einmal, nein sogar gleich zweimal, in den See geschafft!

Ach ja, Musik habe ich ja auch gesehen und gehört. Zwar etwas weniger als gedacht, aber dennoch. Der Einfachheit halber gibt es also in chronologischer Reihenfolge einen Eindruck der erlebten Konzerte:

  • AnnenMayKantereit, Byzanzstage, Donnerstag: Habe ich wider Erwarten komplett gesehen, in der Warteschlange für das Spiegelzelt stehend. Tolle Stimme, gefällige Musik mit charmanten Anleihen und ausbaufähige Texte. Klingt wie ein netter Abend in der Küche einer Studenten-WG.
  • Ibeyi, Spiegeltent, Donnerstag: Zweites Konzert, erstes Highlight. Bekomme beim Schreiben direkt schon wieder eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, was die beiden Zwillinge (genau das heißt „Ibeyi“ auf Yoruba) mit ihren gewaltigen Stimmen und außergewöhnlicher Instrumentierung auf die Bühne bringen. Ganz, ganz großartig! Beispiel gefällig? Gerne! DSC02683web
  • Benjamin Booker, Spiegeltent, Donnerstag: Direkt im Anschluss noch ein großartiger Gig. Booker und Band spielen ein sehr flottes, tanzbares und druckvolles Set. Der Mann hat einfach tolle Songs, eine super Stimme und großartige Musiker.
  • Bilderbuch, Byzanzstage, Freitag: Lässt mich etwas ratlos zurück. Tolle Show, sicher, aber musikalisch hat mich das nicht gepackt. Man sollte nicht zu sehr auf die Show und die Ansagen setzen, und ist der Dialekt auch noch so schön. Aber immerhin habe ich da eines meiner Lieblingsbilder in diesem Jahr gemacht: DSC02694web
  • Die Sonne, Spiegeltent, Freitag: Eigentlich waren wir wegen der DMA’s im Zelt und haben Die Sonne eher zufällig mitbekommen. Nette Gitarrenpopsongs mit deutschen Texten (von und mit dem Sänger von Wolke) – tut nicht weh, bleibt aber auch nicht hängen.
  • DMA’s, Spiegeltent, Freitag: Huch, die Neunziger sind wieder da! Oder? Zumindest spielen die Australier astreine Britpophymnen like it’s 1996. Schöne Songs, eine kleine Portion Swagger auch dabei – nur die Klamottenwahl, die sollte dringend noch einmal überdacht werden. DSC02708web
  • Kate Tempest, Mainstage, Freitag: Eher zufällig bin ich nach dem DMA’s vor der Bühne gelandet, das Konzert lief auch schon. Aber das, was ich gesehen habe, hat mich total begeistert (siehe auch den vorherigen Eintrag). Sehr beeindruckende Skills hat die Frau. Ich glaube, ich habe im Studium Hausarbeiten geschrieben, die weniger Wörter enthielten als so mancher Rap von ihr!
  • Olli Schulz, Mainstage, Freitag: Ist es noch Konzert oder schon StandUp-Programm? Die Wahrheit liegt wie meistens irgendwo in der Mitte, und wichtig ist doch: Ich fühle mich gut unterhalten. Neue Stories zwischen den Songs, und er spielt mit seiner tollen Band „Die Ankunft der Marsianer“. Und zwischendurch tragen wir noch einen jungen Mann aus der Menge, der sich nicht mehr selber auf den Beinen halten kann; wenngleich das wohl mehr am Alkohol als an Olli Schulz liegt.
  • Viet Cong, Spiegeltent, Freitag: Dichter, atmosphärischer Gitarrensound mit treibendem Rhythmus. Post-Punk nennt man das möglicherweise. Egal wie es heißt: Ich fand es sehr gut, ohne komplett in Begeisterung auszubrechen. Muss ja auch nicht immer sein.
  • Tora, Spiegeltent, Freitag: Sorry, das mag unhöflich klingen: Das war ein zu erduldender Zwischenschritt zwischen Viet Cong und Bernd Begemann. Gar nicht mein Ding, aber ich habe mich gefreut, dass im Zelt eine Sitzgruppe zum Erholungsdösen frei war.
  • Bernd Begemann und Die Befreiung, Spiegeltent, Freitag: Spätestens für diesen Mann wurde der Begriff „Rampensau“ erfunden. Obwohl ich ihn schon öfter gesehen habe, war das Durchhalten bis weit nach 2 Uhr völlig richtig. Eine gute Dreiviertelstunde Hits, Wahnsinn und Schweiß. Grandios! DSC02743web
  • The Districts, Mainstage, Samstag: Fantastisches Album, das vorweg. Live auch toll umgesetzt, aber irgendwie hat das bei mir nicht völlig gezündet. Vielleicht eine Spur zu viel. Zu viel Pose, zu viel in die Länge gezogene Songs, zu viel gewollt. Trotzdem gut, aber mit dem dumpfen Gefühl, dass es noch besser hätte sein können.
  • Iceage, Spiegeltent, Samstag: Nochmal sorry: Hauptsächlich gesehen, um für Courtney Barnett im Zelt zu sein. Nicht schlecht, hat mich aber auch nicht mitgenommen. Wenn dann noch der Sänger so wirkt, als wäre er überall lieber als gerade auf der Bühne, hilft das auch nicht zwingend weiter.
  • Courtney Barnett, Spiegeltent, Samstag: YES! Ich hatte gleich mehrere Befürchtungen: Könnte sie die immensen Erwartungen aufgrund der fantastischen Platten erfüllen? Würde ich sie – aufgrund des Hypes und vor allem des Regens, der die Leute ins Spiegeltent treibt – überhaupt sehen können? Alles umsonst. Besser als befürchtet kommen wir ins Zelt, und das Konzert: Überragend! Sympathisch, druckvoller Sound, großartige Liveinterpretationen der Songs. Das erhoffte Highlight und ein wahnsinnig guter (persönlicher) Abschluss des Festivals. Da ist sie noch einmal, die Haldern-Euphorie!

Was mir jetzt beim Schreiben auffällt: Ich habe am Samstag nur drei Konzerte gesehen. Das dürfte ein Negativrekord sein. Geschuldet war das zum einen dem erwähnten Regen, der mir die Motivation geraubt hat, zu Father John Misty, The Slow Show und The War On Drugs zu gehen – sehr schade. Zum anderen einer extrem kurzen und unruhigen Nacht von Freitag auf Samstag, woran nicht Bernd Begemann Schuld hatte, sondern ein sehr lauter und unschöner Vorfall unmittelbar neben unserem Camp. So brauchte ich dann am Samstagnachmittag eine Pause – man ist ja keine 20 mehr. Und als ich gerade wieder los wollte, kam der Regen… Fotos habe ich auch nicht viele gemacht. Keine Zeit, keine Lust, besseres zu tun. Zum Beispiel Spaß haben mit schöner Musik, schönen Menschen, schönem Festival. Und jetzt ist wieder Vorfreude auf nächstes Jahr!

 

Advertisements

4 Gedanken zu „Gehört und Gesehen: Haldern Pop 2015

  1. kayak

    vielen dank für die festgehaltenen erinnerungen!
    ps: nicht nur teilhaber an deinem freischwimmer gewesen zu sein war mir eine seeehr große freunde – #ibeyi

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s