Popmusik wörtlich: „Lass uns gehen“ von Revolverheld

Lange habe ich geschwiegen. Mich still, oder auch manchmal nicht so still, in mich hinein geärgert, wenn ich dank Radio dem Lied mal wieder nicht ausweichen konnte und gedacht, wie können die damit durchkommen. Nicht nur durchkommen, wahrscheinlich sogar gutes Geld verdienen. Die müssen doch, wenn sie nicht auf Tour oder im Studio sind, den ganzen Tag lachen, oder?

Es geht um „Lass uns gehen“ von Revolverheld. Ich musste tatsächlich nachsehen, wie das Lied heißt, obwohl ich es trotz meines überschaubaren Radiokonsums schon viel zu oft hören musste und es mir fast körperliche Schmerzen bereitet. Es könnte hier natürlich auch prinzipiell um die Liedtexte von Revolverheld gehen – ich meine, jemanden der singt „ich würde meine Lieblingsplatten sofort für dich verbrennen“ kann ich ohnehin nur noch sehr begrenzt ernst nehmen. Aber das ist eine andere Baustelle.

Konkret geht also um „Lass uns gehen“. Sanfte Klänge, ein schlagerhafter Rhythmus (wie passend!), und der Sänger versucht dazu, die Hörer mitzunehmen, sie abzuholen. Kumpelt sich an sie ran, wie so ein Typ, der einem in der Kneipe sofort den Arm um die Schulter legt, obwohl man ihn womöglich erst seit wenigen Sekunden „kennt“, und Dinge sagt im Duktus von „Findeste nicht auch…“, „Ist doch so, oder?“ und „Sei doch mal ehrlich…“. Genau so geht das Lied los, und so geht es auch weiter. Bah!

Das allein ist schon schlimm genug – aber es kommt noch schlimmer. Natürlich im Refrain: Da heißt es: „Hinter Hamburg, Berlin oder Köln hört der Regen auf, Straßen zu füllen…“ und so weiter… Hinter Hamburg, Berlin ODER Köln. Wie jetzt, oder!? Nicht einmal auf eine Stadt, womöglich die, in der er lebt, kann er sich festlegen? Lieber möglichst viele in der „Zielgruppe“ abholen, was? Eine ganz besonders fiese Form des wurstigen Heranwanzens, wie so eine bräsig-seichte Fernsehwerbung. Schön versuchen, ca. sechs Millionen Leute anzusprechen. Wobei in meinem Kopf der typische Revolverheld-Fan am lautesten mitsingt, während er sich durch den überschaubaren Verkehr von Itzehoe, Coesfeld oder Kitzingen (nichts gegen euch, liebe Einwohner dieser Städte!) „quält“. Wobei: Als Revolverheld-Fan (ich möchte mir allerdings nicht einmal vorstellen, Revolverheld-Fan zu sein!) würde ich ja die Zeile „Hinter Hamburg, Berlin oder Köln hören die Menschen auf, Fragen zu stellen“ durchaus als Beleidigung auffassen. Die Bauern interessiert es doch eh nicht…

„Lass uns gehen“, singt er also, der Johannes Strate (auch das habe ich mittlerweile gegoogelt), und ich sage: Ja dann hau doch ab! Bitte! Hau ab aus der Stadt, welche auch immer es denn ist, und bleib da, wo es dich hin verschlägt. Hau ab aus dem Radio! Hör auf, ständig rum zu heulen und dich anzubiedern oder schreib wenigstens halbwegs hörbare Texte. In der äußeren Mongolei soll es traumhaft sein, habe ich gehört.

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