Bye Bye Spaceboy!

Künstler sind auch nur Menschen, egal wie berühmt sie sind. Und Menschen sterben, egal wie berühmt sie als Künstler sind.

Im besten Fall berühren Künstler unser Herz und ändern auf diese Weise vielleicht auch unser Leben – in kleinerem oder größerem Rahmen. Die meisten Menschen werden ungefähr eine Handvoll Künstler nennen können, auf die das zutrifft.

In meinem Fall war, nein ist, David Bowie ein solcher Künstler. Dabei hatten wir eigentlich einen schlechten Start. Als Kind und Jugendlicher nahm ich Bowie über die paar Songs wahr, die mehr oder weniger regelmäßig im Radio gespielt wurden – Anfang und Mitte der 90er-Jahre war das nicht unbedingt die beste Zeit, um ihn kennenzulernen. So tat ich ihn sträflicherweise als einen unter vielen ab und ließ Bowie Bowie sein.

Ändern sollte sich das erst in meinem Auslandssemester in England. Reisen bildet eben, und „schuld“ war mein Mitbewohner, der mich mit einem Album bekannt machte, das meine Meinung für immer verändern würde: The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars. Wie hatte ich so blind sein können? Warum hatte mir das vorher niemand erzählt? Innerhalb kürzester Zeit (und mit Anfang 20 zum Glück noch nicht zu spät) holte ich nach, was ich verpasst hatte und David Bowie war einer der wenigen Musiker, deren Musik ich nicht „nur“ gut fand, sondern die etwas bedeutete und mit der mich etwas verband. Allein schon in der WG in Birmingham, in der sich gleich mehrere „Bowie-Bekloppte“ aus halb Europa versammelt hatten und biertrinkend Ziggy Stardust und weiteren Meisterwerken lauschten. Was haben wir gelacht, als zwei aus dieser Runde im Campus-Radiosender saßen und sich, unter ausgedachten Namen in der Sendung eines befreundeten Moderators, mit Gitarre und Stimme an einem Ziggy-Stardust-Cover versuchten. Irgendwann ging ihnen der Text aus und sie improvisierten einfach weiter. Aber es war eben keine Verscheißerung, sondern eine naive Ehrerweisung, es kam von Herzen. Und war gerade deshalb so urkomisch.

Dieses Band zwischen Bowie und mir wurde nur wenige Monate nach meiner Rückkehr endgültig zu einem dicken, unzertrennlichen Tau – ich war Zeuge von David Bowies letztem Live-Auftritt. 2004 war das, beim Hurricane Festival. Seit nunmehr elfeinhalb Jahren bekomme ich jedes Mal Gänsehaut und wässrige Augen, wenn ich an dieses Konzert zurückdenke. Es ist schwer zu sagen, ob es das beste Konzert war, das ich je erlebt habe, aber es ist definitiv ganz vorne mit dabei. Und die Tatsache, dass es sein letztes war, hebt das Erlebnis natürlich noch weiter an, quasi zum Mythos. Beim Rolling Stone kann man aktuell noch einmal die Setlist des Abends (unfassbar viele Hits) nachlesen und einige Videos anschauen.

In den nächsten Jahren wurde es also, zunächst gesundheitsbedingt, stiller um den großen Mann des Pop. In der Öffentlichkeit tauchte er nur noch selten auf, von neuer Musik oder gar Konzerten war nicht auszugehen. Bis dann 2013 plötzlich ein neues Album da war. Noch einmal keimte da die Hoffnung auf, diesen einzigartigen Mann noch einmal live erleben zu können. Denn während ich bei vielen Acts angesichts immer weiter steigender Ticketpreise des Öfteren dankend abwinke – für Bowie hätte ich bedenkenlos investiert.

Ein Konzert ist es dann tatsächlich mangels Tour nie wieder geworden. Aber ich hatte das große Glück, 2014 in Berlin die großartige Ausstellung über sein Leben und Schaffen sehen zu können. Viel näher konnte man ihm als Normalsterblicher nicht kommen, was ja auch irgendwie gut so ist. Der Mann war eben nicht zu fassen, was diese Ausstellung noch einmal auf beeindruckende Weise zeigte.

Das Ausstellungsposter ziert seit diesem Ausflug unsere Wohnzimmerwand. Präsent ist Bowie in diesem Haushalt ohnehin, nicht zuletzt durch zahlreiche Tonträger. Und das wird er auch weiterhin bleiben. Denn wie schreibt Arno Frank auf Spiegel Online in seinem Nachruf so schön: „Dass David Bowie gestorben sein soll, ist wirklich ein geschmackloses Gerücht. Tatsächlich hat er sich auf den Weg zurück zu seinem Heimatplaneten gemacht. Er hat wohl einfach angefangen, sich hier unten zu langweilen.“
Das klingt doch tröstlich. Und bis zu seiner Rückkehr erinnern wir uns einfach an Momente wie diese:

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