Die Alltag und Kultur Awards: Bücher 2017

Mit einem Ranking für Bücher tue ich mich immer schwer. Denn das „Themenspektrum“ der gelesenen Bücher ist ziemlich groß, wodurch sich die einzelnen Werke kaum vergleichen lassen. 2017 waren zwar hauptsächlich Romane unter meinen gelesenen Büchern, aber auch einige (Auto-)Biographien und im weiteren Sinne Sachbücher.

Einen klaren Favoriten kann ich dennoch nennen. Über die Anziehungskraft und Qualität von Hanya Yanagihara’s Roman „A little life“ habe ich bereits im Frühjahr (?) ausführlich und begeistert berichtet, und daran hat sich auch im Rückblick nichts geändert. Tatsächlich spukt mir die Geschichte immer noch ab und zu im Kopf herum. Klar, es ist ein vielerlei Hinsicht gewaltiges Buch, weshalb man es vielleicht nicht öfter mal zur Hand nimmt – aber schon lange hat mich kein Buch mehr so nachhaltig beeindruckt.

Ganz anders und sehr schön ist Tobi Katzes neues Buch „Immer schön die Ballons halten“. Nun gut, man nenne mich befangen – schließlich kenne ich Tobi persönlich. Und gerade dann hofft man ja umso mehr, dass das neue Buch wieder toll wird. Das hat er auf jeden Fall geschafft! Es ist nachdenklich, lustig, traurig und ich konnte einige  Situationen, in die die Hauptdarstellerin gerät, sehr gut nachempfinden. Und nicht zuletzt ist Tobi der einzige mir bekannte Schriftsteller, der das wunderbare Wort „Schlonz“ verwendet. Allein schon dafür lohnt sich die Lektüre des Buchs!

Darüber hinaus habe ich „Grant & I“ vom von mir sehr geschätzten Robert Forster sehr gerne gelesen. Er beschreibt in dieser Autobiographie den Weg der großartigen Go-Betweens, die irgendwie immer kurz vorm Durchbruch standen, diesen aber nie wirklich erleben durften, und das Zusammenleben mit seinem Freund und Bandkollegen Grant McLennan. Das alles ist toll und sehr warmherzig geschrieben – angesichts der Songs von Forster eigentlich auch kein Wunder.

Eine etwas andere Art „Musikerbiographie“ ist „Meet me in the bathroom“ von Lizzy Goodman. Anhand von Zeitzeugen-Zitaten rekonstruiert sie die Jahre 2000-2011 (ungefähr) der New Yorker Musikszene – der Schwerpunkt liegt dabei auf den Strokes, die alles mehr oder weniger ins Rollen brachten. Eine sehr kurzweilige Herangehensweise an ein (für New-York- und besonders Musikfans) spannendes Thema. Apropos Musik: Da ist auch „I was britpopped“ von Jenny Natasha und Tom Boniface-Webb sehr empfehlenswert. Eine Art Enzyklopädie des Britpop, also genau das richtige für mich!

Ein großes Lesevergnügen ist „Saturday Night Biber“ von Anja Rützel, deren Texte ich ja sowieso gerne lese. Rützel ließ sich zur Biber-Beraterin ausbilden, berichtet von ihrer Freundschaft zum Ameisenbär Ernst-Einar oder erklärt, warum Schabi Alonso und der Schab von Persien ideale Haustiere sind. Nicht-alltägliche Tiergeschichten, nach denen man sich sowohl klüger als auch bestens unterhalten fühlt!

Sehr gut gefallen hat mir auch das viel gelobte „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante. Da werde ich bald mal in die Fortsetzung einsteigen. Eine spannende und auch ziemlich traurige Geschichte, gerade weil sie keine Fiktion ist, war auch das Buch „Football Leaks“ von Rafael Buschmann und Michael Wulzinger über die Machenschaften rund um das Geschäft Fußball.

Toll war auch wieder einmal T.C. Boyle, selbst wenn „The Terranauts“ nicht sein bestes Buch ist. Ähnlich ging es mir auch mit „The Handmaid’s Tale“ von Margaret Atwood; hat mir gut gefallen, aber die MaddAddam Trilogie fand ich noch besser. In Reihenfolge des Lesens kommen abschließend noch weitere Bücher, die ich 2017 mit Genuss gelesen habe. Don Winslow: „The Power of the Dog“, „The Cartel“; Robert Seethaler: „Die weiteren Aussichten“; Bill Bryson: „The Road to Little Dribbling“; Ronald Reng: „Mroskos Talente“; Jonathan Safran Foer: „Here I Am“; Axel Hacke: „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“. Erfreulicherweise kann ich mich an kein Buch erinnern, dass mir überhaupt nicht gefallen hat. Das spricht für eine gute Vorauswahl!

Als letztes Buch habe ich 2017 eines des aktuellen Literaturnobelpreisträgers Kazuo Ishiguro angefangen und lese (natürlich) immer noch daran. Bis jetzt kann ich über „The Remains of the Day“ noch nicht allzu viel sagen, außer: Ich kann nach einigen Seiten ganz gut einschlafen… Mal sehen, was da noch kommt.

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2 Gedanken zu „Die Alltag und Kultur Awards: Bücher 2017

  1. Nummer Neun

    Ah sehr schön – bei dir hole ich mir ja immer gerne Lese-Tipps, so habe ich 2017 auch Robert Seethaler entdeckt. Meet Me In The Bathroom klingt spannend – und wenn Saturday Night Bieber auch eine Musiker-Biographie gewesen wäre, hätte ich sehr gelacht 🙂

    Antwort
    1. alltagundkultur Autor

      😂 wäre auf jeden Fall ein super Titel! Auch wenn ich es dann wahrscheinlich eher nicht gelesen hätte…
      Bei Seethaler hatte ich das „Pech“, seine für mich besten Bücher zuerst gelesen zu haben. Die Begeisterung stagniert bei mir ein bisschen – wenn auch auf hohem Niveau.
      Meet me… ist echt interessant, und man bekommt sofort Lust, wieder mehr Strokes, Interpol, Yeah Yeah Yeahs usw zu hören. Quasi ein doppelter Gewinn. 😉

      Antwort

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