Archiv der Kategorie: Alltag und Kultur Awards

Die Alltag und Kultur Awards: Bücher 2017

Mit einem Ranking für Bücher tue ich mich immer schwer. Denn das „Themenspektrum“ der gelesenen Bücher ist ziemlich groß, wodurch sich die einzelnen Werke kaum vergleichen lassen. 2017 waren zwar hauptsächlich Romane unter meinen gelesenen Büchern, aber auch einige (Auto-)Biographien und im weiteren Sinne Sachbücher.

Einen klaren Favoriten kann ich dennoch nennen. Über die Anziehungskraft und Qualität von Hanya Yanagihara’s Roman „A little life“ habe ich bereits im Frühjahr (?) ausführlich und begeistert berichtet, und daran hat sich auch im Rückblick nichts geändert. Tatsächlich spukt mir die Geschichte immer noch ab und zu im Kopf herum. Klar, es ist ein vielerlei Hinsicht gewaltiges Buch, weshalb man es vielleicht nicht öfter mal zur Hand nimmt – aber schon lange hat mich kein Buch mehr so nachhaltig beeindruckt.

Ganz anders und sehr schön ist Tobi Katzes neues Buch „Immer schön die Ballons halten“. Nun gut, man nenne mich befangen – schließlich kenne ich Tobi persönlich. Und gerade dann hofft man ja umso mehr, dass das neue Buch wieder toll wird. Das hat er auf jeden Fall geschafft! Es ist nachdenklich, lustig, traurig und ich konnte einige  Situationen, in die die Hauptdarstellerin gerät, sehr gut nachempfinden. Und nicht zuletzt ist Tobi der einzige mir bekannte Schriftsteller, der das wunderbare Wort „Schlonz“ verwendet. Allein schon dafür lohnt sich die Lektüre des Buchs!

Darüber hinaus habe ich „Grant & I“ vom von mir sehr geschätzten Robert Forster sehr gerne gelesen. Er beschreibt in dieser Autobiographie den Weg der großartigen Go-Betweens, die irgendwie immer kurz vorm Durchbruch standen, diesen aber nie wirklich erleben durften, und das Zusammenleben mit seinem Freund und Bandkollegen Grant McLennan. Das alles ist toll und sehr warmherzig geschrieben – angesichts der Songs von Forster eigentlich auch kein Wunder.

Eine etwas andere Art „Musikerbiographie“ ist „Meet me in the bathroom“ von Lizzy Goodman. Anhand von Zeitzeugen-Zitaten rekonstruiert sie die Jahre 2000-2011 (ungefähr) der New Yorker Musikszene – der Schwerpunkt liegt dabei auf den Strokes, die alles mehr oder weniger ins Rollen brachten. Eine sehr kurzweilige Herangehensweise an ein (für New-York- und besonders Musikfans) spannendes Thema. Apropos Musik: Da ist auch „I was britpopped“ von Jenny Natasha und Tom Boniface-Webb sehr empfehlenswert. Eine Art Enzyklopädie des Britpop, also genau das richtige für mich!

Ein großes Lesevergnügen ist „Saturday Night Biber“ von Anja Rützel, deren Texte ich ja sowieso gerne lese. Rützel ließ sich zur Biber-Beraterin ausbilden, berichtet von ihrer Freundschaft zum Ameisenbär Ernst-Einar oder erklärt, warum Schabi Alonso und der Schab von Persien ideale Haustiere sind. Nicht-alltägliche Tiergeschichten, nach denen man sich sowohl klüger als auch bestens unterhalten fühlt!

Sehr gut gefallen hat mir auch das viel gelobte „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante. Da werde ich bald mal in die Fortsetzung einsteigen. Eine spannende und auch ziemlich traurige Geschichte, gerade weil sie keine Fiktion ist, war auch das Buch „Football Leaks“ von Rafael Buschmann und Michael Wulzinger über die Machenschaften rund um das Geschäft Fußball.

Toll war auch wieder einmal T.C. Boyle, selbst wenn „The Terranauts“ nicht sein bestes Buch ist. Ähnlich ging es mir auch mit „The Handmaid’s Tale“ von Margaret Atwood; hat mir gut gefallen, aber die MaddAddam Trilogie fand ich noch besser. In Reihenfolge des Lesens kommen abschließend noch weitere Bücher, die ich 2017 mit Genuss gelesen habe. Don Winslow: „The Power of the Dog“, „The Cartel“; Robert Seethaler: „Die weiteren Aussichten“; Bill Bryson: „The Road to Little Dribbling“; Ronald Reng: „Mroskos Talente“; Jonathan Safran Foer: „Here I Am“; Axel Hacke: „Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen“. Erfreulicherweise kann ich mich an kein Buch erinnern, dass mir überhaupt nicht gefallen hat. Das spricht für eine gute Vorauswahl!

Als letztes Buch habe ich 2017 eines des aktuellen Literaturnobelpreisträgers Kazuo Ishiguro angefangen und lese (natürlich) immer noch daran. Bis jetzt kann ich über „The Remains of the Day“ noch nicht allzu viel sagen, außer: Ich kann nach einigen Seiten ganz gut einschlafen… Mal sehen, was da noch kommt.

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Die Alltag und Kultur Awards: Alben 2017

Dieses Jahr gibt’s mal was Neues. Statt wie immer die besten Alben in mehr oder weniger geordneter Abfolge aufzuzählen, habe ich sie diesmal in thematische Gruppen aufgeteilt. Tatsächlich sind 2017 für mich sehr viele gute Alben erschienen, daher passte der Ansatz ganz gut – zumindest in meinem Kopf. Entsprechend habe ich in diesem Jahr auch wirklich viele Alben in verschiedenen Formaten gekauft (knapp 40, natürlich nicht nur neue), das ist ja auch ein gutes Zeichen dafür.

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„Alte Helden“

Fangen wir mal mit dem schwierigsten an, der Definition für diese Gruppe. Sind z.B. Kettcar oder The National „alte Helden“? Irgendwie ja schon. Aber ich hab mal für mich entschieden: Hier kommen nur KünstlerInnen rein, die seit mehr als 20 Jahren am Start sind.

Sogar mehr als 20 Jahre Zeit mit einem neuen Album haben sich beispielsweise Slowdive gelassen. Und die gleichnamige Neuerscheinung musste bei mir erst ein bisschen wachsen (und ich musste die Band erst einmal – endlich! – live sehen), aber „Slowdive“ ist definitiv unter den Top-Alben in diesem Jahr. Lange auf sich warten lassen haben auch die reformierten Ride – und auch hier gilt: neues Album, super Album. Vielleicht ein paar wenige schwächere Songs drauf, dafür aber auch echte Knaller. Gilt genauso für The Jesus and Mary Chains „Damage and Joy“.

Und jetzt mal ans Eingemachte: Kommen wir zu den Gebrüdern Gallagher! Die haben ja beide in diesem Jahr eine Soloplatte an den Start gebracht. Schon klar, Noel gemeinsam mit den High Flying Birds, aber das trägt ja ganz klar seine Handschrift. Aber fangen wir mal mit Liams Werk „As you were“ an. Das war und ist überraschend. Überraschend gut. Was so ein bisschen Hilfe beim Songwriting doch ausmacht. Und die Stimme ist auch wieder da, wo sie hingehört. Bis auf ein, zwei schwache Nummern ist das wirklich gut, einige echte Highlights sind auch dabei. Da musste sich Noel schon strecken, um das zu übertreffen…

… und das hat er auch geschafft. Und zwar genau mit dem gegenteiligen Konzept zu Liam. Der – und um das gleich deutlich zu sagen: ich finde das super – ist sich selbst so treu geblieben wie nur möglich und hat Songs gemacht, die man so oder so ähnlich von ihm erwarten konnte.  Was ich aber auch gut finde: Dass Noel ein Album gemacht hat, mit dem möglicherweise viele Oasis-Fans fremdeln, das nicht so klingt wie seine Vorgänger und vielleicht auch nicht so, wie man es erwartet hätte. Da gibt es auf einmal fröhliche Glamrock-Tanznummern oder Ausflüge ins Psychedelische und Krautige. Und es klingt großartig, weil die Songs (natürlich) großartig sind. Ich finde das „Who built the moon?“ mit jedem weiteren Durchgang immer besser und besser.

 

Du musst es laut anhören

Prinzipiell gilt das natürlich für alle Alben. Aber bei manchen eben ein bisschen mehr. So wie bei Royal Blood zum Beispiel. Die machen mit  „How did we get so dark?“ (zum Glück) genau da weiter, wo sie beim ersten Album aufgehört haben. Das machen die Japandroids auf „Near to the wild heart of life“ auch. Und doch kann man bei beiden auch eine leichte Entwicklung des Sounds feststellen. Aber zum Guten, ohne dass sich die Musik von dem entfernt, was sie ausmacht. Auf gewohnt hohem Niveau laut sind auch die Sleaford Mods, die weiterhin ohne Qualitätsverlust ihrem Unmut Luft machen. „English Tapas“ ist wütend, wahr und gut, und muss deshalb natürlich immer laut angehört werden.

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Neu entdeckt

Jen Cloher is more than just a singer-songwriter. She’s a mentor, a small business owner, a champion for quality up and coming artists and a strong voice of reason in a complex industry.” Mit diesen Worten wurde Cloher in Australien mit dem Double J Award ausgezeichnet. Von der „strong voice“ kann man sich aber auch in ihrer Eigenschaft als Sängerin überzeugen. Ich hatte das Glück, das bei einem spontanen Konzertbesuch tun zu können, bei dem ich auch gleich das Album gekauft habe. Ein echter Glückstreffer!

Genau wie Loyle Carner. Auf der Playlist des Haldern Pop ein bisschen reingehört, Gefallen gefunden und auf den „Stundenplan“ für das Festival geschrieben. Zum Glück! Das Konzert ist im Rennen für das beste des Jahres, und das direkt im Anschluss gekaufte Album „Yesterday’s gone“ ist schlichtweg grandios. Und obendrein ist Carner noch ein unglaublich sympathischer Kerl. Alles richtig gemacht!

Über Love A hatte ich schon des Öfteren gelesen, sicher auch mal den einen oder anderen Song gehört. Aber so richtig habe ich mich dann doch nicht mit ihnen beschäftigt. Hätte ich vielleicht mal machen sollen, dann wäre ich nicht erst 2017 auf die Qualität dieser Band gekommen. „Nichts ist neu“ ist ein Album voller dringlicher Songs – ich kann mit dem Begriff „wichtig“ in diesem Zusammenhang eigentlich nicht viel anfangen, aber er passt hier. Love A haben was zu sagen, und sie sagen es. Laut. Und gut!

 

Wiederholungstäter

Irgendwie sind sie zwar auch „alte Helden“ – aber vielleicht dann doch nicht ganz so alt, und oft auch nicht mit so langen Zeitspannen zwischen den Alben. Aber wenn sie ein neues Album rausbringen, dann ist es gut – so scheint es das Gesetz zu sein. Und weil sie sich daran halten, haben The New Pornographers (ab nächstem Jahr übrigens „alte Helden“…) mit „Whiteout Conditions“ wieder ein wunderbares Popalbum voller Hits und schöner Melodien veröffentlicht. Ein Händchen für Melodien hat auch Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen. „It’s okay to love DLDGG“ heißt das Album, und es ist nicht nur okay, sondern meiner Meinung nach ihr bisher ihr bestes, was schon was heißen will – man kann eigentlich gar nicht anders, als sie lieb zu haben!

Genau wie Pete Fij (früher Adorable, Polak) & Terry Bickers (früher The House of Love), deren zweites Album „We are millionaires“ heißt (was wahrscheinlich eine Lüge ist) und wie schon der Erstling traumhafte, melancholische und auf das wesentliche reduzierte Songs enthält. Nicht reduziert, aber oft auch melancholisch sind ja auch The National, die in Sachen Albumqualität ebenfalls eine verlässliche Größe sind. So auch diesmal mit „Sleep Well Beast“.  Lange nichts zu hören war bis zu diesem Jahr von LCD Soundsystem. Eigentlich völlig logisch, weil sich die Band 2011 aufgelöst hatte. Aber James Murphy hat es wohl noch mal in den Fingern gejuckt, und das war gut so. „American Dream“ ist ein tolles Comeback-Album geworden. Sich nicht aufgelöst, aber zumindest länger pausiert hatten auch Kettcar. Auch die haben zur aktuellen Situation was bedeutendes zu sagen, und tun das auf „Ich vs. wir“ sehr eindrücklich. Und ich war ehrlich überrascht, dass es mir so gut gefallen hat bzw. immer noch gefällt. Gut so!

 

Das ist ja alles schön und gut. Aber was ist denn jetzt das beste Album 2017 für dich?

Die Frage ist eigentlich nicht wirklich zu beantworten. Aber wenn ich mich für ein Album entscheiden müsste, dann wählte ich… Loyle Carner.

Die Alltag und Kultur Awards: Songs 2017

Die Songs des Jahres habe ich auf dem Blog sonst gar nicht unbedingt immer mit einem eigenen Artikel gewürdigt. Aber dieses Jahr mache ich das, denn es gab einfach wirklich viele, die für eine Best-Of-Liste in Frage gekommen sind. Die Auswahl für meine traditionelle Mix-CD zum Jahresende ist mir selten so schwer gefallen. Viele gute, prominente Kandidaten sind hinten rüber gefallen, z.B. Japandroids, Kettcar, Paul Weller, Arcade Fire oder Spoon.  Meine ausführliche 2017-Playlist gibt es bei Spotify. Da finden sich neben den hier erwähnten auch noch weitere tolle Tracks. Diese 21 haben es dann letztendlich auf die CD geschafft:

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Ein paar davon verdienen aus verschiedenen Gründen eine eigene Erwähnung. Das sind zum einen die Songs von Liam und Noel GallagherLiam, weil es einfach genau das ist, wofür man ihn liebt, ganz „klassisch-traditionell“ sein Ding.

Und Noel, weil es eben das genau nicht ist, sondern für Gallagher-Verhältnisse schon fast revolutionär anders, und dennoch (mindestens) genauso gut.

Dann wäre da Loyle Carner, dessen „No CD“, müsste ich mich auf einen Song festnageln lassen, mein Track des Jahres wäre.

Der (Tanz-)Hit des Jahres kommt von Portugal. The Man,

während der lässigste Song des Jahres von Ride stammt.

Ach, sie sind ja eigentlich alle wunderbar. Zum Schluss gibt es aber noch eine lobende Erwähnung für die schönste Song-Video-Kombination; die kommt von Erdmöbel und Judith Holofernes.

Also, lasst die Hoffnungsmaschine laufen, dass uns 2018 auch wieder mit so vielen schönen Tracks verwöhnt!

 

Die Alltag und Kultur Awards: Konzerte 2017

Auf den Spitzenplätzen

Loyle Carner (Haldern Pop) 2017 war bei mir das Jahr des Loyle Carner. Und das ging mit dem umwerfenden Konzert im rappelvollen Spiegeltent beim Haldern Pop so richtig los. Da habe ich ja schon einige Wahnsinnsshows gesehen, und dieser Auftritt gehört definitiv dazu!

Slowdive (Way Back When) Erste Reihe, fast mittig, alle Sinne auf vollen Empfang und einfach genießen, in seiner ganzen lauten, epischen Schönheit. Umwerfend gut, ich krieg direkt wieder Gänsehaut.

Arcade Fire (Tanzbrunnen, Köln) Gänsehautmomente en masse inmitten von 12.000 Leuten und bei teilweise noch hellem Sommerhimmel. Endlich Arcade Fire live, endlich Rebellion (Lies) live (Oh! Mein! Gott!). Gigantisch gut!

Who Killed Bruce Lee (FZW, Dortmund) Ich sage es mal so: Wer zurzeit ne bessere Liveband für ein (relative) kleines Clubkonzert finden will, hat es schwer. Die Jungs von WKBL sind einfach sensationell gut!

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Slowdive

Dicht auf den Fersen

Jen Cloher (Maschinchen Buntes, Witten) Dazu habe ich bereits vor einiger Zeit alles gesagt. Begeistert bin ich aber immer noch!

Gurr (Way Back When) Konzerte, zu denen man aus Interesse geht und die einen dann voll aus den Latschen hauen, sind einfach schwer zu schlagen.

The Divine Comedy (Mojo, Hamburg) Da stimmte einfach alles. Sympathisch und charismatisch, wunderbare Popsongs

Portugal. The Man (Way Back When) Liefen jahrelang bei mir unter dem Radar. Wird mir nach diesem beeindruckenden Konzert sicher nicht mehr passieren. Versprochen!

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Jen Cloher

Die Verfolger

Locas in Love (Zeche Carl, Essen) Zehn Jahre Saurus – Grund genug, dieses tolle Album in Gänze auf die Bühne zu bringen. Und sowieso sind die Locas eine wunderbare Band, da lohnt der Konzertbesuch immer.

The Wave Pictures (Subrosa, Dortmund) Die sind immer Garanten für ein schönes Konzert. Einfach, weil sie selbst so viel Spaß dabei haben.

Die Höchste Eisenbahn (Haldern Pop) Die sind immer Garanten für ein schönes Konzert. Einfach, weil sie selbst so viel Spaß dabei haben. (Nein, das ist kein Copy-/Paste-Fehler, das gilt schlicht und einfach für beide Bands exakt gleich.)

Kate Tempest (Haldern Pop) Die Frau hat was zu sagen, und sie sagt es auf beeindruckende Weise. Keine leichte Kost, sollte man aber nicht verpassen.

 

Die gute Basis

Buster Shuffle (Trompete Bochum), Motorama (FZW, Dortmund), Sparkling (Cardinal Sessions Köln), Shame (Cardinal Sessions Köln), Paul Weller (Ringlokschuppen, Bielefeld), His Clancyness (Etepetete Festival), The Amazons (Haldern Pop), Nick Waterhouse (Haldern Pop), Idles (Haldern Pop), Warbly Jets (Way Back When), Jake Isaac (Way Back When)

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Paul Weller

Außer Konkurrenz

Rainald Grebe (Werk°Stadt, Witten), Helge Schneider (Philharmonie, Köln), The Ukulele Orchestra of Great Britain (Heinz-Hilpert-Theater, Lünen) Die waren alle auf ihre Weise sehr brillant, unterhaltsam und lustig.

Man sieht also: Das Konzertjahr 2017 war sehr ergiebig. Tolle Künstlerinnen und Künstler, die ich zum ersten Mal gesehen habe, viele wunderbare Acts, die immer wieder super sind. Und die ersten Tickets für das nächste Jahr sind natürlich auch schon gekauft. Es muss schließlich immer Musik da sein!

 

Alltag und Kultur Award 2016: Die Konzerte

Während in unserem TV via YouTube die Live-Übertragung der Elbphilharmonie läuft (wie geil ist das denn bitte?), kommt hier der letzte Rückblick auf das vergangene Jahr. Passenderweise führt er uns in die Clubs, Konzerthallen, Festivallocations und ja, auch in ein Konzerthaus. Zwar waren es insgesamt eher weniger besuchte Konzerte, aber dank drei Festivals gab es trotzdem jede Menge Bands zu sehen und zu hören. Die 15 besten und prägendsten Konzerte kommen hier:

  • Who Killed Bruce Lee, FZW Dortmund: Der (Überraschungs-)Sieger 2016. Überraschung deshalb, weil ich bis kurz vor dem Konzert nie von ihnen gehört hatte. Und dann wurden wir einfach umgehauen von so viel Kraft, Energie, toller Ausstrahlung und natürlich guter Musik. Fast auf den Tag genau ein Jahr später werden wir sie an gleicher Stelle wiedersehen – ein Konzert, das ich hiermit jedem ans Herz legen kann.
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Who Killed Bruce Lee

  • Yak, Spiegeltent Haldern Pop: Im Vorfeld fast genauso unbekannt wie WKBL, hinterher genauso begeistert. Nur anders, weil musikalisch anders. Das Highlight des Festivals für mich, und die Begeisterung hält immer noch an.
  • The Ukulele Orchestra of Great Britain, Konzerthaus Dortmund: Ganz klar der größte Konzertspaß 2016. Sieben Frauen und Männer, Ukulelen und Stimmen, Songs aus allen Richtungen. Und natürlich machen die nicht nur Spaß, sondern sind auch ausgezeichnete Musiker.
  • Matt Wilde, Zeche Carl Essen: Young Rebel Set sind nicht mehr, aber zum Glück bleibt ihre Stimme erhalten. Matt Wilde spielt seine Songs jetzt solo (bzw. mit zweiter Gitarre als Begleitung), und sie sind zum Glück weiterhin grandios. Ganz besonders in einem so intimen Rahmen wie im Foyer der Zeche Carl.
  • Die Höchste Eisenbahn, Zeche Carl Essen: Im etwas größeren Raum, aber dennoch wunderschön war das Konzert der Höchsten Eisenbahn.
  • Otherkin, FZW Dortmund (Way Back When): Noch eine mir bis dato ziemlich unbekannte Band, noch ein Festivalhighlight: Otherkin aus Irland. Dieses Jahr kommt das Debutalbum – ich bin gespannt!
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Auf der Bühne mit Otherkin!

  • Bernd Begemann, Sissikingkong Dortmund: Der Meister war in Hochform und spielte (Pause mit eingerechnet) jede Menge Hits in gut 3,5 Stunden – und warum auch nicht, es war ja ein Freitagabend.
  • Tocotronic, FZW Dortmund (Way Back When): Noch mehr gut aufgelegte (Alt-)Meister! Umso bedauernswerter, dass es eines der letzten Konzerte auf unbestimmte Zeit war, denn das war wirklich großer Sport!
  • Augustines, FZW Dortmund (Way Back When): Ebenfalls auf Abschiedstournee, ebenfalls voller Energie und guter Laune. Eine richtig tolle Show!
  • Jungle By Night, Lagerhalle Osnabrück (Popsalon): Jede Menge Musiker, viele Instrumente, kein Gesang. Macht: Euphorie und gute Laune
  • We Were Promised Jetpacks, FZW Dortmund (Way Back When): Die Jetpacks sind so großartig, und zwar jedes Mal aufs Neue. Die könnte ich mir monatlich angucken, ohne dass es mir so schnell langweilig wird!
  • Motorama, Lagerhalle Osnabrück (Popsalon): Wenn Joy Division sich vor wenigen Jahren gegründet hätten und aus Russland kämen, dann käme ungefähr Motorama raus. Und live war das ziemlich sehr cool!
  • Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, The Tube Düsseldorf: Immer ein Garant für einen gelungenen Konzertabend. So auch im Januar 2016, als sie unser Konzertjahr eröffneten.
  • Ben Caplan & The Casual Smokers, Hauptbühne Haldern Pop: Was. Für. Eine. Stimme. Dazu ne gute Begleitband und gute Songs, macht ein hervorragendes Konzert an einem Festivalnachmittag (!).
  • Jamie Lidell & The Royal Pharaos, Kantine Köln: Jamie Lidell ist einfach ein cooler Typ, der in diesem Fall eine hervorragende Soulband im Gepäck hatte. Selbst das eigenartige Publikum in der Kantine konnte diesen Sonntagabend nicht wirklich tr

Und die nächsten Konzerte stehen schon unmittelbar vor der Tür, denn in diesem Jahr beginnt die Festivalsaison für uns sehr früh: Am kommenden Samstag warten die Cardinal Sessions im Kölner Gebäude 9. Vorfreude!

Alltag und Kultur Awards 2016: Die Bücher

2016 war ein Lesejahr. Überhaupt, lesen: toll! Ich werde schon immer leicht nervös, wenn ich mich dem Ende des letzten noch nicht gelesenen Buchs auf meinem Tolino nähere – dann muss möglichst schnell Nachschub her. Aktuell bin ich zum Glück versorgt, und das Jahr startet, wie es für mich literarisch kaum besser könnte: mit dem neuen Buch von T.C. Boyle, einem meiner Lieblingsautoren (na gut, angefangen habe ich damit schon Ende 2016): The Terranauts. Ich bin ca. zu drei Vierteln durch und kann es schon empfehlen. Wie eigentlich alles von ihm.

Im vergangenen Jahr hat es lesetechnisch auch richtig gut angefangen. Gestartet bin ich mit Karlheinz von Billy Hutter, einem in vielerlei Hinsicht merkwürdigen Buch. Vor allem aber ist es gut! Genauso wie ich folgende Bücher, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe, guten Gewissens weiterempfehlen kann und möchte:

Ein Nachtrag zum doppelt auftauchenden Robert Seethaler: Den habe ich im vergangenen Jahr für mich entdeckt – irgendwo wurde Der Trafikant empfohlen und ich habe es gekauft. Und gelesen und geliebt. Beide seiner Bücher in meiner Liste sind sprachlich so toll – schnörkellos und fast schon knapp erzählt, und doch ausdrucksvoll und so präzise, dass man sich förmlich als Teil der Geschichte wähnt. Und beide haben mir so gut gefallen, dass es für die direkt danach kommenden Bücher richtig schwer war, mich zu begeistern. Ein drittes Buch von ihm liegt schon bereit, und das wird bestimmt nicht das letzte gewesen sein!

Natürlich waren auch ein paar weniger tolle Bücher dabei, aber es gab dann doch nur eins, das ich abgebrochen habe: A Brief History Of Seven Killings von Marlon James. Wurde in mehreren Buchhandlungen empfohlen, der Klappentext las sich auch gut. Aber ich komme bisher nicht damit zurecht. Hauptsächlich liegt das an dem jamaikanischen Slang, in dem das Buch geschrieben ist, den finde ich wahnsinnig anstrengend zu lesen. Aber ich nehme bestimmt noch einmal einen neuen Anlauf!

Die Alltag und Kultur Awards 2016: Die Alben

2016 war ein komisches Jahr. Gut, das werden viele sagen, und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Aber für mich persönlich war es in Sachen Musik hören tatsächlich ein eigenartiges Jahr, das (gefühlt) in zwei Abschnitte geteilt war. Im ersten habe ich sehr viel und sehr aufmerksam neue Musik, neue Alben gehört. Im zweiten dann eher nicht so, was etwas ungewöhnlich ist und auch keinen bestimmten Grund hat. Nur unser seit etwa einem Monat defektes Autoradio verhindert zumindest dort das aufmerksame Hören der Alben.

Und trotzdem haben sich (auch im zweiten Abschnitt) mehr als genug Alben gefunden, von denen ich 2016 begeistert war und die es wert sind, hier aufgenommen zu werden. Aber es fehlen mit Sicherheit auch einige. Spontan fällt mir da Motorama ein, deren neues Album ich noch nicht gebührend gewürdigt habe. Oder Gurr, da will ich auch dringend mal reinhören. Ebenso wie bei Die Heiterkeit. Oder, oder, oder…

Aber jetzt zu denen, die es sich in diesem Jahr verdient haben. Ohne großartiges Ranking, mit Ausnahme der ersten drei. Die gehören genau da hin, in genau dieser Reihenfolge.

Kate Tempest – Let Them Eat Chaos

Die Frau kann zurzeit eigentlich nichts falsch machen. Erstes Album super, erster Roman großartig, umjubelte Konzerte und Gedichte – und ein zweites Album, das diesem Druck problemlos standhält. Und in jedem Track ein Ausrufezeichen setzt. Mit der Faust. Kate Tempest ist eine große Erzählerin unserer Zeit, der man meiner bescheidenen Meinung nach zuhören sollte. Dazu eignet sich dieses Album ganz hervorragend!

Jack White – Acoustic Recordings

Ketzerisch könnte man jetzt sagen, ein Album mit „alten“ Songs in Akustikversionen auf Platz zwei meiner Jahrescharts spricht gegen das Musikjahr 2016. Wer das so sehen will, bitte. Ich sage: Es spricht für die Songs von Jack White. Diese Sammlung aus seiner gesamten bisherigen Karriere zeigt einfach, wie viele gute Songs der Mann geschrieben hat. Und da sind ja viele „Hits“ noch gar nicht mit drauf. Aber alleine Carolina Drama, du liebe Zeit, was ist das für ein grandioser Song. Die Platzierung ist also mehr als gerechtfertigt.

Sulk – No Illusions 

Zweites Album, zweiter großer Wurf. Sulk klingen auch auf No Illusions so, als wären die späten 1980er/frühen 1990er Jahre in Manchester immer noch in vollem Gange. Das allein wäre ja schon Grund genug, sie gut zu finden. Aber natürlich gehören dazu auch gute Songs, und die haben Sulk reichlich im Gepäck. Da gibt es eigentlich keine Ausreißer nach unten. Wenn ich mich aber für Anspieltipps entscheiden müsste, wären das Black Infinity (Upside Down) und Queen Supreme. Aber hört am besten selbst, und zwar am besten das ganze Album.

Außerdem gut 2016 (jetzt aber wirklich in willkürlicher Reihenfolge):

Yak – Alas Salvation: Mit wenig mehr als der vagen Ahnung, dass das richtig gut sein könnte, in Haldern gesehen. Und es war: grandios. CD noch vor Ort gekauft, alles richtig gemacht. Laut, „wild“, anders, gut!

Die Höchste Eisenbahn – Wer bringt mich jetzt zu den anderen: Ich habe ein paar Hördurchgänge gebraucht, bis ich damit warm wurde. Dafür wurde ich dann richtig warm damit. Wie schon auf dem ersten Album: Wunderbare Songs voller Klugheit und Witz.

Violent Femmes – We Can Do Anything: Huch, die gibt’s noch? Ja, und zwar ziemlich gut in Form. Nicht mehr so ungestüm wie früher, aber die charakteristische Stimme und diese einmalige Bassgitarre schaffen immer noch einen einmaligen Sound.

Mozes And The Firstborn – Great Pile Of Nothing: Auch auf dem zweiten Album klingt diese immer noch viel zu unbekannte Band aus Holland wieder fantastisch und hat großartige Gitarrenpopsongs dabei.

Hooton Tennis Club – Big Box Of Chocolate: Exakt das gleiche könnte ich im Grunde auch über Hooton Tennis Club sagen. Nur dass sie aus England kommen und gleichzeitig klingen, als währen sie aufs Pavement College gegangen.

Isolation Berlin – Und aus den Wolken tropft die Zeit: Ich bin ja Hypes gegenüber gerne kritisch, aber Isolation Berlin rechtfertigen das TamTam, das die (Musik-)Presse um sie gemacht hat. Melancholisch-rotzig und starke Songs. Wirklich gut!

The Thermals – We Disappear: Wo The Themals draufsteht ist immer The Thermals drin. Klingt langweilig, aber das Gegenteil ist der Fall: Es ist immer gut. Und mit Thinking Of You ist sogar ein heißer Anwärter auf den Song des Jahres dabei.

PJ Harvey – The Hope Six Demolition Project: PJ Harvey gehört zu den Künstlerinnen, mit denen ich mich immer mal mehr beschäftigen wollte. Warum also nicht mal mit diesem Album anfangen? Hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt!

Cast – Troubled Times: Ja, auch Cast gibt es noch. Bzw. wieder. Damals wie heute machen sie schöne Britpopsongs, die das musikalische Rad noch nie neu erfunden haben, aber einfach, nunja, schön sind. Und mehr braucht man doch eigentlich nicht, oder?

Skinny Lister – The Devil, The Heart, The Fight: Sogar aus den traurigen Songs hörte man die Freude der Band heraus. Skinny Lister machen einfach immer Spaß, was aber natürlich nicht alles ist. Sie machen auch viele sehr gute Songs!