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Hej Kopenhagen: Hingehen, angucken, machen

Neben den kulinarischen Highlights hat Kopenhagen natürlich auch jede Menge tolle Bauwerke, Plätze und Sehenswürdigkeiten. Auf die „klassischen“ Ziele will ich hier gar nicht eingehen – eine exzellente Auswahl und Beschreibung findet ihr nämlich hier.

Heute soll es um einige Sehenswürdigkeiten gehen, die vielleicht weniger im Fokus der handelsüblichen Reiseführer stehen (oder dort zumindest eher beiläufig erwähnt werden), die den bekannten Attraktionen aber quasi in nichts nachstehen und allemal einen Besuch wert sind.

Fangen wir an mit Superkilen. Dieser Kunst- und Skulpturenpark im Stadtteil Nørrebro ist ziemlich außergewöhnlich. Nicht nur, dass die Kunstwerke begeh- und erlebbar sind – nein, das Ganze befindet sich auch mitten im Wohngebiet. Und: Die Kunstwerke stammen von Künstlern aus der ganzen Welt und sollen ein Zeichen für Diversität setzen. Ein tolles Projekt mit einem tollen Hintergrund.

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Superkilen

Eine vielleicht etwas spezielle Sehenswürdigkeit ist der Disc Golf Kurs im Valbyparken. Dieser mit Sicherheit auch selbst sehenswerte Park liegt südwestlich von der Innenstadt und ist mit dem Fahrrad super zu erreichen. Der Kurs ist toll angelegt und für einen Hobbyspieler ganz schön anspruchsvoll, vor allem an einem windigen Tag wie wir ihn hatten. Den weiteren Park haben wir zwar nicht explizit in Augenschein genommen, aber das, was wir gesehen haben, machte einen schönen Eindruck.

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Valbyparken

Das Stichwort „Fahrrad“ ist vielleicht keine wirkliche Sehenswürdigkeit, aber auch eine Sache, die man in Kopenhagen machen sollte. Kopenhagen ist eine Fahrradstadt! Radwege, die so breit sind wie Autospuren – und zwar nahezu flächendeckend. Ein Traum! Und die Stadt ist kompakt genug, dass man mit dem Rad zügig überall hinkommt. Plus: Leihfahrräder sind, wenn man sich die sonstigen Preise so anschaut, wirklich günstig.

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NICHT mein Leihfahrrad. Aber auch sehr schön.

Mit denen kann man zum Beispiel auch an ein paar coole Plätze fahren. Zum Beispiel zum Enghave Plads in Vesterbro, an dem es ja nicht nur, wie neulich berichtet, einen tollen Plattenladen gibt, sondern auch jede Menge Cafés und Restaurants, einen kleinen Skatepark und, wenn die Baustelle (bestimmt bald) weg ist, auch genug Raum zum Entspannen. Man kann da jedenfalls jetzt schön sehr schön mit einem Bier in der Sonne sitzen.

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Enghave Plads

Oder man fährt zum Gråbrødretorv. Der liegt zwar ziemlich zentral in der Innenstadt, ist aber trotzdem erstaunlich ruhig. Und außerdem sehr, sehr schön. Es steht eine riesige Platane darauf, rundherum sind hübsche, alte Häuser. Fast als würde man auf einem Gemälde von Kopenhagen herumlaufen.

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Gråbrødretorv

Wirklich schön ist es übrigens auch in Nørrebro. Aber dazu hier gibt es schon einen feinen, treffenden Reisebericht. Also gibt es zum Abschluss noch einen Buchtipp obendrauf: Einige der beschriebenen Ziele (und natürlich viele weitere lohnenswerte) findet man (nicht nur) in dem Reiseführer (also doch!) CitiX60 Copenhagen (auf Englisch). In dieser Reihe beschreiben Einwohner der Stadt – meistens Leute, die im weitesten Sinne in der Kreativbranche tätig sind – Orte, die sie für besonders sehenswert halten. Diese Reiseführer sind sehr liebevoll gestaltet und auch für andere Städte erhältlich.

Hej Kopenhagen: Essen, trinken, (ein bisschen) einkaufen

Ach Kopenhagen, das war schön mit dir! Eine tolle Stadt mit vielen sehenswürdigen Ecken, auf die ich aber ein anderes Mal eingehen will.

Heute nehmen wir uns in erster Linie mal die kulinarischen Genüsse vor, mit einem kleinen, aber wirklich eher kleinen, Ausflug in die Konsumwelt. Starten wir doch mal mit dem Essen: Bei Dänemark denken ja bestimmt die meisten (mich eingeschlossen) an Hot Dogs. Und tatsächlich stehen die Pølser-Wagen an sehr vielen Ecken. Und natürlich schmecken die Hot Dogs sehr gut – wir haben das mehrfach getestet.

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Ebenfalls „typisch dänisch“: Softeis. Ein ausgezeichnetes Softeis bekommt man bei Vaffelbageren in Nyhavn. Dort werden nicht nur „normale“ Waffeln selbst hergestellt, sondern auch die Eiswaffeln. Und das mittelgroße Eis hat gefühlt die Größe eines Kinderkopfs und schmeckt hervorragend.

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Riesen-Softeis mit Lakritz-Streuseln, oder: Bitte sprechen Sie in das Softeis-Mikrofon!

Natürlich kann man in einer Weltstadt wie Kopenhagen aber auch sehr gut international speisen. Zum Beispiel türkisch bei Pasha Kebab in Vesterbro. Das Lokal ist mehr eine Mischung aus Imbiss und Restaurant, also jetzt nichts für einen stundenlangen gemütlichen Abend, aber das tut der Qualität des Essens keinen Abbruch. Und: Schräg gegenüber, auf der anderen Seite des Enghave Plads, ist mit Beat København ein wunderbarer Plattenladen beheimatet. Der Besuch lohnt bei beiden unbedingt!

Köstliches Smørrebrød und anderes kann man im Cafe Auto in Nørrebro frühstücken – sowieso ein Stadtteil, der (nicht nur) kulinarisch einiges zu bieten hat. Zum Beispiel das äthiopische Restaurant Ma’ed, das sogar auf der gleichen Straße liegt. Oder das Cafe Stefanshus, in dem man abends sehr gut ein Bier trinken gehen kann. Noch schöner kann man letzteres in der Blågårds Apotek, die eine tolle Bier- und generell Getränkeauswahl in schöner Atmosphäre bietet.

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Köstliches Craft Beer in der Blågårds Apotek

Selbstverständlich gibt es auch in Kopenhagen leckere Burger. Richtig gut war es bei Tommi’s Burger Joint, einem isländischen Burgerbrater, der aber auch schon in anderen Teilen Europas zu finden ist (natürlich auch in Berlin…). In Kopenhagen residiert der Burger Joint in Kødbyen, einem Komplex von ehemaligen Schlachthallen, in dem nun schicke Restaurants und Büros zu finden sind.

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Die Speisekarte in Tommi’s Burger Joint. Gibt’s aber zum Glück auch nochmal in kompakter Form…

Ach ja, und dann gibt es ja auch noch den Copenhagen Street Food Market. Hier findet man nun wirklich sehr viel, was das Herz bzw. der Magen begehrt. Und das wieder einmal in toller Atmosphäre.

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Copenhagen Street Food vom Wasser aus gesehen – die Halle liegt auf einer ehemaligen Lagerinsel für Papier.

Wem dort doch noch etwas fehlen sollte, der wird aber bestimmt in den Torvehallerne fündig. In diesen beiden Markthallen gibt es vom frischen Fisch bis zu Wein und Süßspeisen alles, und drumherum einen Outdoor-Markt und noch mehr Street Food.

Man sieht: Kopenhagen hat viel für den Genuss zu bieten. Man sieht auch: Ich wäre ein lausiger Foodblogger. Die tollsten Speisen und Lokale habe ich entweder gar nicht oder nur unzureichend fotografiert…  Und wer jetzt anmerkt: Von Einkaufen war jetzt aber nicht viel zu lesen: stimmt. Außer dem Plattenladen haben wir eigentlich nur dem Kaufhaus Illum und dem sehenswerten Hay House einen längeren Besuch abgestattet. Andere Läden waren eher Verlegenheitsbesuche während eines längeren Regenschauers oder ein Zufallsfund wie der Lagerverkauf von Wood Wood in Nørrebro. Ansonsten hat Kopenhagen zwar viele Shoppingmöglichkeiten zu bieten, aber wir waren zu sehr mit den anderen Attraktionen beschäftigt. Neben essen und trinken natürlich…

Von den Freuden und Tücken eines mitreißenden Buchs

Kürzlich habe ich A little life von Hanya Yanagihara zu Ende gelesen und habe schon jetzt – immerhin ist ja gerade erst Mai, beendet habe ich das Buch Mitte April – das Gefühl, mein persönliches Buch des Jahres gelesen zu haben. Mindestens. Es geht (grob) um das Leben von vier sehr unterschiedlichen Männern, die sich am College kennen lernen, enge Freunde werden und nach dem Abschluss gemeinsam nach New York ziehen, um dort zu leben und zu arbeiten. Klingt jetzt erst einmal gar nicht so spektakulär, ist es aber! Auch, weil einer der vier eine sehr schlimme Geschichte mit sich herumträgt, von der die anderen sehr lange so gut wie nichts wissen, die aber natürlich immer präsent ist – zunächst eher im Hintergrund und andeutungsweise, später immer deutlicher und in schmerzhaft detaillierten Rückblenden. Und natürlich entwickeln sich im Laufe der Zeit auch die Lebenswege und Beziehungen der vier untereinander ständig weiter und in andere Richtungen.

Viel mehr will ich hier von der Handlung auch gar nicht verraten, denn ich empfehle das Buch hiermit ausdrücklich weiter. Es hat mich unglaublich gefesselt und in seinen Bann gezogen. Was übrigens manchmal auch durchaus problematisch war – in der einen oder anderen Nacht hatte ich Schlafprobleme, weil mich die Story einfach nicht losgelassen hat. Yanagihara hat es geschafft, mich dermaßen mitzunehmen, dass ich teilweise echt Schwierigkeiten hatte, mich von der Story zu lösen. Nicht einmal unbedingt, weil ich das Buch nicht weglegen konnte. Das fiel mir zwar schwer, habe ich mir aber mittlerweile einigermaßen anerzogen.  Sondern weil mich das Geschehene auch danach noch so beschäftigt hat, dass ich beim besten Willen nicht einschlafen konnte.

A little life ist keine leichte Kost, das kann man wirklich nicht sagen. Yanagihara färbt nichts schön, die Rückblenden sind oft schmerzlich klar formuliert, ohne dabei aber übertrieben zu wirken. Vielleicht ist das gerade das meisterhafte daran: Man kann sich ziemlich genau vorstellen, dass so etwas genau so passieren kann. Dennoch ist dieses Buch wunderschön, denn an vielen Stellen widerfahren dieser Person, die ein so schweres Leben gehabt hat (und hat) und die mit fortlaufender Dauer immer mehr zum Protagonisten wird – auch wenn die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird – wirklich schöne, glückliche Momente und Dinge, und man denkt: Ja, das ist richtig, das hast du verdient!

Ich merke gerade, wenn ich weiter schreibe, verrate ich doch mehr vom Inhalt, als ich eigentlich möchte. Also belasse ich es an dieser Stelle dabei. Was ich eigentlich sagen möchte: Kauft A little life (auf deutsch: Ein wenig Leben, die Übersetzung soll wohl sehr gut sein) von Hanya Yanagihara und lest es! Es bringt einen zum lachen, zum nachdenken und überlegen,  zum innehalten und manchmal auch zum weinen. Aber vor allem ist es ein wunderbares Buch!

Gehört und gesehen: The Divine Comedy, Mojo Club Hamburg

“And now we’re going to have a super party fun time!” Da muss Neil Hannon selbst lachen. Muss er an diesem Samstagabend im Mojo Club überhaupt ziemlich oft. Was er zum einen auf die Kombination aus Erkältungsarznei und Bier schiebt – da hätte man ihn doch von abhalten müssen, kokettiert er in Richtung seiner Band. Zum anderen aber auch deshalb, weil er einfach Spaß hat – mit sich, seinen Songs und dem euphorischen Publikum.

Denn schon vor der „offiziellen“ Ankündigung der „super party fun time“, irgendwann in der zweiten Hälfte des Konzerts, haben alle Beteiligten jede Menge Spaß. Auch bei den eher ernsten Songs. Wobei ernst ja auch ein bisschen relativ ist, wenn Neil Hannon in voller Napoleon-Verkleidung auf die Bühne kommt – und dann natürlich auch „Napoleon Complex“ singt. Da fällt es dann auch wirklich schwer, der eigentlich guten Bitte nachzukommen, doch heute mal auf Fotos zu verzichten. Hat nicht ganz geklappt, aber es wurden schon vergleichsweise wenige Kameras und Smartphones hochgehalten. Wie überhaupt das Publikum sehr gesittet und aufmerksam war, da habe ich in letzter Zeit schon deutlich schlimmeres erlebt.

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Nach wenigen Liedern befreit sich Hannon zumindest vom riesigen (und bestimmt auch mollig warmen) Hut – „one more song before the hat goes off“ –, ungefähr zur Hälfte verschwindet er dann für einen Kostümwechsel. Gegenüber der Uniform ist der elegante schwarze Anzug mit Sicherheit tausendfach bequemer. Und passt natürlich hervorragend zu „The Complete Banker“, dem ersten Song im neuen Outfit. Jetzt aber genug vom Äußerlichen – der Abend war schließlich auch musikalisch ein Hochgenuss. Hannon ist nicht nur ein toller Sänger mit großartiger Bühnenpräsenz, sondern hat auch eine hochklassige Band um sich versammelt. Zur Belohnung serviert er den Musikern zwischenzeitlich, ganz Gentleman, ein Gläschen Wein. Das gibt’s auch für Lisa O’Neill, die Support-Künstlerin, die für ein Duett noch einmal auf die Bühne kommt.* Es gibt einen Ausflug ins Publikum, kollektive Publikumsunterstützung bei (nicht nur, aber hauptsächlich) „National Express“ und immer wieder Begeisterungsrufe und -jauchzer, wenn ein weiterer „Hit“ angespielt wird. Davon haben The Divine Comedy viele, wenn auch vielleicht nicht im klassischen Charts-Sinn. Schon eher „At the Indie Disco“.

Und auch wenn ich – im Gegensatz zu ihr, die während und nach dem Konzert euphorisch strahlt – kein ausgewiesener Divine Comedy Experte bin, verfolge ich die Musik schon eine ganze Weile. Wirklich bewusst seit dem 2004er Album „Absent Friends“, dessen Titelsong leider nicht zur umfangreichen Playlist gehört. Man kann ja nicht alles haben. Und dennoch setzt die Band die Messlatte für die kommenden Konzerte ganz schön hoch an. Einfach weil dieses Konzert in seiner Gesamtheit so schön ist. Großes Konzertkino, einfach schön!

Ach ja: An, in und „auf“ der Elbphilharmonie waren wir übrigens an dem Tag auch. Also soweit man eben hineinkommt, ohne ein Konzert zu besuchen. Was nicht wahnsinnig weit ist, aber trotzdem lohnenswert. Und man hat natürlich einen tollen Blick auf Hamburg und vor allem den Hafen.

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*Sehr schade: Lisa O’Neill ist sehr sympathisch, witzig und singt schöne Songs – aber leider mag ich ihre Stimme so überhaupt nicht.

Alltag und Kultur Award 2016: Die Konzerte

Während in unserem TV via YouTube die Live-Übertragung der Elbphilharmonie läuft (wie geil ist das denn bitte?), kommt hier der letzte Rückblick auf das vergangene Jahr. Passenderweise führt er uns in die Clubs, Konzerthallen, Festivallocations und ja, auch in ein Konzerthaus. Zwar waren es insgesamt eher weniger besuchte Konzerte, aber dank drei Festivals gab es trotzdem jede Menge Bands zu sehen und zu hören. Die 15 besten und prägendsten Konzerte kommen hier:

  • Who Killed Bruce Lee, FZW Dortmund: Der (Überraschungs-)Sieger 2016. Überraschung deshalb, weil ich bis kurz vor dem Konzert nie von ihnen gehört hatte. Und dann wurden wir einfach umgehauen von so viel Kraft, Energie, toller Ausstrahlung und natürlich guter Musik. Fast auf den Tag genau ein Jahr später werden wir sie an gleicher Stelle wiedersehen – ein Konzert, das ich hiermit jedem ans Herz legen kann.
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Who Killed Bruce Lee

  • Yak, Spiegeltent Haldern Pop: Im Vorfeld fast genauso unbekannt wie WKBL, hinterher genauso begeistert. Nur anders, weil musikalisch anders. Das Highlight des Festivals für mich, und die Begeisterung hält immer noch an.
  • The Ukulele Orchestra of Great Britain, Konzerthaus Dortmund: Ganz klar der größte Konzertspaß 2016. Sieben Frauen und Männer, Ukulelen und Stimmen, Songs aus allen Richtungen. Und natürlich machen die nicht nur Spaß, sondern sind auch ausgezeichnete Musiker.
  • Matt Wilde, Zeche Carl Essen: Young Rebel Set sind nicht mehr, aber zum Glück bleibt ihre Stimme erhalten. Matt Wilde spielt seine Songs jetzt solo (bzw. mit zweiter Gitarre als Begleitung), und sie sind zum Glück weiterhin grandios. Ganz besonders in einem so intimen Rahmen wie im Foyer der Zeche Carl.
  • Die Höchste Eisenbahn, Zeche Carl Essen: Im etwas größeren Raum, aber dennoch wunderschön war das Konzert der Höchsten Eisenbahn.
  • Otherkin, FZW Dortmund (Way Back When): Noch eine mir bis dato ziemlich unbekannte Band, noch ein Festivalhighlight: Otherkin aus Irland. Dieses Jahr kommt das Debutalbum – ich bin gespannt!
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Auf der Bühne mit Otherkin!

  • Bernd Begemann, Sissikingkong Dortmund: Der Meister war in Hochform und spielte (Pause mit eingerechnet) jede Menge Hits in gut 3,5 Stunden – und warum auch nicht, es war ja ein Freitagabend.
  • Tocotronic, FZW Dortmund (Way Back When): Noch mehr gut aufgelegte (Alt-)Meister! Umso bedauernswerter, dass es eines der letzten Konzerte auf unbestimmte Zeit war, denn das war wirklich großer Sport!
  • Augustines, FZW Dortmund (Way Back When): Ebenfalls auf Abschiedstournee, ebenfalls voller Energie und guter Laune. Eine richtig tolle Show!
  • Jungle By Night, Lagerhalle Osnabrück (Popsalon): Jede Menge Musiker, viele Instrumente, kein Gesang. Macht: Euphorie und gute Laune
  • We Were Promised Jetpacks, FZW Dortmund (Way Back When): Die Jetpacks sind so großartig, und zwar jedes Mal aufs Neue. Die könnte ich mir monatlich angucken, ohne dass es mir so schnell langweilig wird!
  • Motorama, Lagerhalle Osnabrück (Popsalon): Wenn Joy Division sich vor wenigen Jahren gegründet hätten und aus Russland kämen, dann käme ungefähr Motorama raus. Und live war das ziemlich sehr cool!
  • Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, The Tube Düsseldorf: Immer ein Garant für einen gelungenen Konzertabend. So auch im Januar 2016, als sie unser Konzertjahr eröffneten.
  • Ben Caplan & The Casual Smokers, Hauptbühne Haldern Pop: Was. Für. Eine. Stimme. Dazu ne gute Begleitband und gute Songs, macht ein hervorragendes Konzert an einem Festivalnachmittag (!).
  • Jamie Lidell & The Royal Pharaos, Kantine Köln: Jamie Lidell ist einfach ein cooler Typ, der in diesem Fall eine hervorragende Soulband im Gepäck hatte. Selbst das eigenartige Publikum in der Kantine konnte diesen Sonntagabend nicht wirklich tr

Und die nächsten Konzerte stehen schon unmittelbar vor der Tür, denn in diesem Jahr beginnt die Festivalsaison für uns sehr früh: Am kommenden Samstag warten die Cardinal Sessions im Kölner Gebäude 9. Vorfreude!

Alltag und Kultur Awards 2016: Die Bücher

2016 war ein Lesejahr. Überhaupt, lesen: toll! Ich werde schon immer leicht nervös, wenn ich mich dem Ende des letzten noch nicht gelesenen Buchs auf meinem Tolino nähere – dann muss möglichst schnell Nachschub her. Aktuell bin ich zum Glück versorgt, und das Jahr startet, wie es für mich literarisch kaum besser könnte: mit dem neuen Buch von T.C. Boyle, einem meiner Lieblingsautoren (na gut, angefangen habe ich damit schon Ende 2016): The Terranauts. Ich bin ca. zu drei Vierteln durch und kann es schon empfehlen. Wie eigentlich alles von ihm.

Im vergangenen Jahr hat es lesetechnisch auch richtig gut angefangen. Gestartet bin ich mit Karlheinz von Billy Hutter, einem in vielerlei Hinsicht merkwürdigen Buch. Vor allem aber ist es gut! Genauso wie ich folgende Bücher, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe, guten Gewissens weiterempfehlen kann und möchte:

Ein Nachtrag zum doppelt auftauchenden Robert Seethaler: Den habe ich im vergangenen Jahr für mich entdeckt – irgendwo wurde Der Trafikant empfohlen und ich habe es gekauft. Und gelesen und geliebt. Beide seiner Bücher in meiner Liste sind sprachlich so toll – schnörkellos und fast schon knapp erzählt, und doch ausdrucksvoll und so präzise, dass man sich förmlich als Teil der Geschichte wähnt. Und beide haben mir so gut gefallen, dass es für die direkt danach kommenden Bücher richtig schwer war, mich zu begeistern. Ein drittes Buch von ihm liegt schon bereit, und das wird bestimmt nicht das letzte gewesen sein!

Natürlich waren auch ein paar weniger tolle Bücher dabei, aber es gab dann doch nur eins, das ich abgebrochen habe: A Brief History Of Seven Killings von Marlon James. Wurde in mehreren Buchhandlungen empfohlen, der Klappentext las sich auch gut. Aber ich komme bisher nicht damit zurecht. Hauptsächlich liegt das an dem jamaikanischen Slang, in dem das Buch geschrieben ist, den finde ich wahnsinnig anstrengend zu lesen. Aber ich nehme bestimmt noch einmal einen neuen Anlauf!

Die Alltag und Kultur Awards 2016: Die Alben

2016 war ein komisches Jahr. Gut, das werden viele sagen, und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Aber für mich persönlich war es in Sachen Musik hören tatsächlich ein eigenartiges Jahr, das (gefühlt) in zwei Abschnitte geteilt war. Im ersten habe ich sehr viel und sehr aufmerksam neue Musik, neue Alben gehört. Im zweiten dann eher nicht so, was etwas ungewöhnlich ist und auch keinen bestimmten Grund hat. Nur unser seit etwa einem Monat defektes Autoradio verhindert zumindest dort das aufmerksame Hören der Alben.

Und trotzdem haben sich (auch im zweiten Abschnitt) mehr als genug Alben gefunden, von denen ich 2016 begeistert war und die es wert sind, hier aufgenommen zu werden. Aber es fehlen mit Sicherheit auch einige. Spontan fällt mir da Motorama ein, deren neues Album ich noch nicht gebührend gewürdigt habe. Oder Gurr, da will ich auch dringend mal reinhören. Ebenso wie bei Die Heiterkeit. Oder, oder, oder…

Aber jetzt zu denen, die es sich in diesem Jahr verdient haben. Ohne großartiges Ranking, mit Ausnahme der ersten drei. Die gehören genau da hin, in genau dieser Reihenfolge.

Kate Tempest – Let Them Eat Chaos

Die Frau kann zurzeit eigentlich nichts falsch machen. Erstes Album super, erster Roman großartig, umjubelte Konzerte und Gedichte – und ein zweites Album, das diesem Druck problemlos standhält. Und in jedem Track ein Ausrufezeichen setzt. Mit der Faust. Kate Tempest ist eine große Erzählerin unserer Zeit, der man meiner bescheidenen Meinung nach zuhören sollte. Dazu eignet sich dieses Album ganz hervorragend!

Jack White – Acoustic Recordings

Ketzerisch könnte man jetzt sagen, ein Album mit „alten“ Songs in Akustikversionen auf Platz zwei meiner Jahrescharts spricht gegen das Musikjahr 2016. Wer das so sehen will, bitte. Ich sage: Es spricht für die Songs von Jack White. Diese Sammlung aus seiner gesamten bisherigen Karriere zeigt einfach, wie viele gute Songs der Mann geschrieben hat. Und da sind ja viele „Hits“ noch gar nicht mit drauf. Aber alleine Carolina Drama, du liebe Zeit, was ist das für ein grandioser Song. Die Platzierung ist also mehr als gerechtfertigt.

Sulk – No Illusions 

Zweites Album, zweiter großer Wurf. Sulk klingen auch auf No Illusions so, als wären die späten 1980er/frühen 1990er Jahre in Manchester immer noch in vollem Gange. Das allein wäre ja schon Grund genug, sie gut zu finden. Aber natürlich gehören dazu auch gute Songs, und die haben Sulk reichlich im Gepäck. Da gibt es eigentlich keine Ausreißer nach unten. Wenn ich mich aber für Anspieltipps entscheiden müsste, wären das Black Infinity (Upside Down) und Queen Supreme. Aber hört am besten selbst, und zwar am besten das ganze Album.

Außerdem gut 2016 (jetzt aber wirklich in willkürlicher Reihenfolge):

Yak – Alas Salvation: Mit wenig mehr als der vagen Ahnung, dass das richtig gut sein könnte, in Haldern gesehen. Und es war: grandios. CD noch vor Ort gekauft, alles richtig gemacht. Laut, „wild“, anders, gut!

Die Höchste Eisenbahn – Wer bringt mich jetzt zu den anderen: Ich habe ein paar Hördurchgänge gebraucht, bis ich damit warm wurde. Dafür wurde ich dann richtig warm damit. Wie schon auf dem ersten Album: Wunderbare Songs voller Klugheit und Witz.

Violent Femmes – We Can Do Anything: Huch, die gibt’s noch? Ja, und zwar ziemlich gut in Form. Nicht mehr so ungestüm wie früher, aber die charakteristische Stimme und diese einmalige Bassgitarre schaffen immer noch einen einmaligen Sound.

Mozes And The Firstborn – Great Pile Of Nothing: Auch auf dem zweiten Album klingt diese immer noch viel zu unbekannte Band aus Holland wieder fantastisch und hat großartige Gitarrenpopsongs dabei.

Hooton Tennis Club – Big Box Of Chocolate: Exakt das gleiche könnte ich im Grunde auch über Hooton Tennis Club sagen. Nur dass sie aus England kommen und gleichzeitig klingen, als währen sie aufs Pavement College gegangen.

Isolation Berlin – Und aus den Wolken tropft die Zeit: Ich bin ja Hypes gegenüber gerne kritisch, aber Isolation Berlin rechtfertigen das TamTam, das die (Musik-)Presse um sie gemacht hat. Melancholisch-rotzig und starke Songs. Wirklich gut!

The Thermals – We Disappear: Wo The Themals draufsteht ist immer The Thermals drin. Klingt langweilig, aber das Gegenteil ist der Fall: Es ist immer gut. Und mit Thinking Of You ist sogar ein heißer Anwärter auf den Song des Jahres dabei.

PJ Harvey – The Hope Six Demolition Project: PJ Harvey gehört zu den Künstlerinnen, mit denen ich mich immer mal mehr beschäftigen wollte. Warum also nicht mal mit diesem Album anfangen? Hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt!

Cast – Troubled Times: Ja, auch Cast gibt es noch. Bzw. wieder. Damals wie heute machen sie schöne Britpopsongs, die das musikalische Rad noch nie neu erfunden haben, aber einfach, nunja, schön sind. Und mehr braucht man doch eigentlich nicht, oder?

Skinny Lister – The Devil, The Heart, The Fight: Sogar aus den traurigen Songs hörte man die Freude der Band heraus. Skinny Lister machen einfach immer Spaß, was aber natürlich nicht alles ist. Sie machen auch viele sehr gute Songs!