Archiv der Kategorie: Gehört

Die Premieren 2017

Eigentlich könnte ich es mir hier sehr einfach machen und einen nicht gerade kleinen Teil des Textes von dieser tollen Dame hier übernehmen. Schließlich haben wir ja sehr viel davon gemeinsam erlebt.

Zum Beispiel die Reisen und Ausflüge; ich war im vergangenen Jahr zum ersten Mal in Kopenhagen, in einigen Orten der Eifel, in Nizza, Cannes, Antibes und Monaco oder in der Elfringhauser Schweiz und auf dem Rheinsteig. Oder in den Steverauen, in der Elbphilharmonie (zumindest auf der Plaza) und in Bremerhaven (dort besonders im Klima- und im Auswandererhaus, zwei absolute Ausflugshighlights).

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In der Eifel war ich auch zum ersten Mal beim Ziplining, das war ein riesengroßer Spaß.  Ebenfalls (einigermaßen) naturnah war eine nächtliche Führung im Zoo, inklusive Streicheln eines Nashorns. Besonders letzteres war ein einmaliges und wunderbar intensives Erlebnis. Intensiv, wenn auch ganz anders, war meine allererste Teilnahme am Mud Masters Obstacle Run in Weeze. Ich war mir im Vorfeld nicht ganz sicher, aber als ich fertig war, wäre ich am liebsten direkt noch einmal gestartet, so viel Spaß hat das gemacht. Genau wie die Segway Tour, die wir durch den Dortmunder Abend gemacht haben. Auch etwas, was ich vorher noch nie gemacht hatte, aber schon lange mal vorhatte. Genau wie zu einem Spiel der Basketball-Bundesliga gehen. Okay, es war zwar ein Pokalspiel, aber immerhin Bayern München gegen Bonn, was sowohl in der Liga als auch im Pokal als Spitzenspiel durchgeht. War auch Spitze!

Bei den Konzerten gab es natürlich wieder jede Menge Premieren, von denen auch einige einen sehr nachdrücklichen Eindruck in Kopf, Herz und Plattensammlung hinterlassen haben. Endlich auf der Bühne gesehen habe ich letztes Jahr auch Helge Schneider und Rainald Grebe; und ganz bestimmt nicht das letzte Mal. Eine Premiere war für mich auch der Besuch des ???-Vollplaybacktheaters, und auch das hat mir sehr gut gefallen.

Weniger erfreulich, aber immerhin auch weit weniger schlimm als befürchtet, war eine kleine OP an der Kopfhaut. Nix wildes, und es war auch schnell und schmerzlos erledigt. Aber trotzdem eine Erfahrung, auf die man auch gut verzichten könnte.

Für 2018 stehen schon wieder einige Dinge auf dem Plan, die ich wieder zum ersten Mal sehen und/oder erleben werde. Jedes Jahr sollte immer wieder neue Premieren bereit halten, finde ich. Ich bin schon gespannt!

cof

 

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Die Alltag und Kultur Awards: Alben 2017

Dieses Jahr gibt’s mal was Neues. Statt wie immer die besten Alben in mehr oder weniger geordneter Abfolge aufzuzählen, habe ich sie diesmal in thematische Gruppen aufgeteilt. Tatsächlich sind 2017 für mich sehr viele gute Alben erschienen, daher passte der Ansatz ganz gut – zumindest in meinem Kopf. Entsprechend habe ich in diesem Jahr auch wirklich viele Alben in verschiedenen Formaten gekauft (knapp 40, natürlich nicht nur neue), das ist ja auch ein gutes Zeichen dafür.

mde

„Alte Helden“

Fangen wir mal mit dem schwierigsten an, der Definition für diese Gruppe. Sind z.B. Kettcar oder The National „alte Helden“? Irgendwie ja schon. Aber ich hab mal für mich entschieden: Hier kommen nur KünstlerInnen rein, die seit mehr als 20 Jahren am Start sind.

Sogar mehr als 20 Jahre Zeit mit einem neuen Album haben sich beispielsweise Slowdive gelassen. Und die gleichnamige Neuerscheinung musste bei mir erst ein bisschen wachsen (und ich musste die Band erst einmal – endlich! – live sehen), aber „Slowdive“ ist definitiv unter den Top-Alben in diesem Jahr. Lange auf sich warten lassen haben auch die reformierten Ride – und auch hier gilt: neues Album, super Album. Vielleicht ein paar wenige schwächere Songs drauf, dafür aber auch echte Knaller. Gilt genauso für The Jesus and Mary Chains „Damage and Joy“.

Und jetzt mal ans Eingemachte: Kommen wir zu den Gebrüdern Gallagher! Die haben ja beide in diesem Jahr eine Soloplatte an den Start gebracht. Schon klar, Noel gemeinsam mit den High Flying Birds, aber das trägt ja ganz klar seine Handschrift. Aber fangen wir mal mit Liams Werk „As you were“ an. Das war und ist überraschend. Überraschend gut. Was so ein bisschen Hilfe beim Songwriting doch ausmacht. Und die Stimme ist auch wieder da, wo sie hingehört. Bis auf ein, zwei schwache Nummern ist das wirklich gut, einige echte Highlights sind auch dabei. Da musste sich Noel schon strecken, um das zu übertreffen…

… und das hat er auch geschafft. Und zwar genau mit dem gegenteiligen Konzept zu Liam. Der – und um das gleich deutlich zu sagen: ich finde das super – ist sich selbst so treu geblieben wie nur möglich und hat Songs gemacht, die man so oder so ähnlich von ihm erwarten konnte.  Was ich aber auch gut finde: Dass Noel ein Album gemacht hat, mit dem möglicherweise viele Oasis-Fans fremdeln, das nicht so klingt wie seine Vorgänger und vielleicht auch nicht so, wie man es erwartet hätte. Da gibt es auf einmal fröhliche Glamrock-Tanznummern oder Ausflüge ins Psychedelische und Krautige. Und es klingt großartig, weil die Songs (natürlich) großartig sind. Ich finde das „Who built the moon?“ mit jedem weiteren Durchgang immer besser und besser.

 

Du musst es laut anhören

Prinzipiell gilt das natürlich für alle Alben. Aber bei manchen eben ein bisschen mehr. So wie bei Royal Blood zum Beispiel. Die machen mit  „How did we get so dark?“ (zum Glück) genau da weiter, wo sie beim ersten Album aufgehört haben. Das machen die Japandroids auf „Near to the wild heart of life“ auch. Und doch kann man bei beiden auch eine leichte Entwicklung des Sounds feststellen. Aber zum Guten, ohne dass sich die Musik von dem entfernt, was sie ausmacht. Auf gewohnt hohem Niveau laut sind auch die Sleaford Mods, die weiterhin ohne Qualitätsverlust ihrem Unmut Luft machen. „English Tapas“ ist wütend, wahr und gut, und muss deshalb natürlich immer laut angehört werden.

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Neu entdeckt

Jen Cloher is more than just a singer-songwriter. She’s a mentor, a small business owner, a champion for quality up and coming artists and a strong voice of reason in a complex industry.” Mit diesen Worten wurde Cloher in Australien mit dem Double J Award ausgezeichnet. Von der „strong voice“ kann man sich aber auch in ihrer Eigenschaft als Sängerin überzeugen. Ich hatte das Glück, das bei einem spontanen Konzertbesuch tun zu können, bei dem ich auch gleich das Album gekauft habe. Ein echter Glückstreffer!

Genau wie Loyle Carner. Auf der Playlist des Haldern Pop ein bisschen reingehört, Gefallen gefunden und auf den „Stundenplan“ für das Festival geschrieben. Zum Glück! Das Konzert ist im Rennen für das beste des Jahres, und das direkt im Anschluss gekaufte Album „Yesterday’s gone“ ist schlichtweg grandios. Und obendrein ist Carner noch ein unglaublich sympathischer Kerl. Alles richtig gemacht!

Über Love A hatte ich schon des Öfteren gelesen, sicher auch mal den einen oder anderen Song gehört. Aber so richtig habe ich mich dann doch nicht mit ihnen beschäftigt. Hätte ich vielleicht mal machen sollen, dann wäre ich nicht erst 2017 auf die Qualität dieser Band gekommen. „Nichts ist neu“ ist ein Album voller dringlicher Songs – ich kann mit dem Begriff „wichtig“ in diesem Zusammenhang eigentlich nicht viel anfangen, aber er passt hier. Love A haben was zu sagen, und sie sagen es. Laut. Und gut!

 

Wiederholungstäter

Irgendwie sind sie zwar auch „alte Helden“ – aber vielleicht dann doch nicht ganz so alt, und oft auch nicht mit so langen Zeitspannen zwischen den Alben. Aber wenn sie ein neues Album rausbringen, dann ist es gut – so scheint es das Gesetz zu sein. Und weil sie sich daran halten, haben The New Pornographers (ab nächstem Jahr übrigens „alte Helden“…) mit „Whiteout Conditions“ wieder ein wunderbares Popalbum voller Hits und schöner Melodien veröffentlicht. Ein Händchen für Melodien hat auch Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen. „It’s okay to love DLDGG“ heißt das Album, und es ist nicht nur okay, sondern meiner Meinung nach ihr bisher ihr bestes, was schon was heißen will – man kann eigentlich gar nicht anders, als sie lieb zu haben!

Genau wie Pete Fij (früher Adorable, Polak) & Terry Bickers (früher The House of Love), deren zweites Album „We are millionaires“ heißt (was wahrscheinlich eine Lüge ist) und wie schon der Erstling traumhafte, melancholische und auf das wesentliche reduzierte Songs enthält. Nicht reduziert, aber oft auch melancholisch sind ja auch The National, die in Sachen Albumqualität ebenfalls eine verlässliche Größe sind. So auch diesmal mit „Sleep Well Beast“.  Lange nichts zu hören war bis zu diesem Jahr von LCD Soundsystem. Eigentlich völlig logisch, weil sich die Band 2011 aufgelöst hatte. Aber James Murphy hat es wohl noch mal in den Fingern gejuckt, und das war gut so. „American Dream“ ist ein tolles Comeback-Album geworden. Sich nicht aufgelöst, aber zumindest länger pausiert hatten auch Kettcar. Auch die haben zur aktuellen Situation was bedeutendes zu sagen, und tun das auf „Ich vs. wir“ sehr eindrücklich. Und ich war ehrlich überrascht, dass es mir so gut gefallen hat bzw. immer noch gefällt. Gut so!

 

Das ist ja alles schön und gut. Aber was ist denn jetzt das beste Album 2017 für dich?

Die Frage ist eigentlich nicht wirklich zu beantworten. Aber wenn ich mich für ein Album entscheiden müsste, dann wählte ich… Loyle Carner.

Die Alltag und Kultur Awards: Songs 2017

Die Songs des Jahres habe ich auf dem Blog sonst gar nicht unbedingt immer mit einem eigenen Artikel gewürdigt. Aber dieses Jahr mache ich das, denn es gab einfach wirklich viele, die für eine Best-Of-Liste in Frage gekommen sind. Die Auswahl für meine traditionelle Mix-CD zum Jahresende ist mir selten so schwer gefallen. Viele gute, prominente Kandidaten sind hinten rüber gefallen, z.B. Japandroids, Kettcar, Paul Weller, Arcade Fire oder Spoon.  Meine ausführliche 2017-Playlist gibt es bei Spotify. Da finden sich neben den hier erwähnten auch noch weitere tolle Tracks. Diese 21 haben es dann letztendlich auf die CD geschafft:

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Ein paar davon verdienen aus verschiedenen Gründen eine eigene Erwähnung. Das sind zum einen die Songs von Liam und Noel GallagherLiam, weil es einfach genau das ist, wofür man ihn liebt, ganz „klassisch-traditionell“ sein Ding.

Und Noel, weil es eben das genau nicht ist, sondern für Gallagher-Verhältnisse schon fast revolutionär anders, und dennoch (mindestens) genauso gut.

Dann wäre da Loyle Carner, dessen „No CD“, müsste ich mich auf einen Song festnageln lassen, mein Track des Jahres wäre.

Der (Tanz-)Hit des Jahres kommt von Portugal. The Man,

während der lässigste Song des Jahres von Ride stammt.

Ach, sie sind ja eigentlich alle wunderbar. Zum Schluss gibt es aber noch eine lobende Erwähnung für die schönste Song-Video-Kombination; die kommt von Erdmöbel und Judith Holofernes.

Also, lasst die Hoffnungsmaschine laufen, dass uns 2018 auch wieder mit so vielen schönen Tracks verwöhnt!

 

Die Alltag und Kultur Awards: Konzerte 2017

Auf den Spitzenplätzen

Loyle Carner (Haldern Pop) 2017 war bei mir das Jahr des Loyle Carner. Und das ging mit dem umwerfenden Konzert im rappelvollen Spiegeltent beim Haldern Pop so richtig los. Da habe ich ja schon einige Wahnsinnsshows gesehen, und dieser Auftritt gehört definitiv dazu!

Slowdive (Way Back When) Erste Reihe, fast mittig, alle Sinne auf vollen Empfang und einfach genießen, in seiner ganzen lauten, epischen Schönheit. Umwerfend gut, ich krieg direkt wieder Gänsehaut.

Arcade Fire (Tanzbrunnen, Köln) Gänsehautmomente en masse inmitten von 12.000 Leuten und bei teilweise noch hellem Sommerhimmel. Endlich Arcade Fire live, endlich Rebellion (Lies) live (Oh! Mein! Gott!). Gigantisch gut!

Who Killed Bruce Lee (FZW, Dortmund) Ich sage es mal so: Wer zurzeit ne bessere Liveband für ein (relative) kleines Clubkonzert finden will, hat es schwer. Die Jungs von WKBL sind einfach sensationell gut!

cof

Slowdive

Dicht auf den Fersen

Jen Cloher (Maschinchen Buntes, Witten) Dazu habe ich bereits vor einiger Zeit alles gesagt. Begeistert bin ich aber immer noch!

Gurr (Way Back When) Konzerte, zu denen man aus Interesse geht und die einen dann voll aus den Latschen hauen, sind einfach schwer zu schlagen.

The Divine Comedy (Mojo, Hamburg) Da stimmte einfach alles. Sympathisch und charismatisch, wunderbare Popsongs

Portugal. The Man (Way Back When) Liefen jahrelang bei mir unter dem Radar. Wird mir nach diesem beeindruckenden Konzert sicher nicht mehr passieren. Versprochen!

mde

Jen Cloher

Die Verfolger

Locas in Love (Zeche Carl, Essen) Zehn Jahre Saurus – Grund genug, dieses tolle Album in Gänze auf die Bühne zu bringen. Und sowieso sind die Locas eine wunderbare Band, da lohnt der Konzertbesuch immer.

The Wave Pictures (Subrosa, Dortmund) Die sind immer Garanten für ein schönes Konzert. Einfach, weil sie selbst so viel Spaß dabei haben.

Die Höchste Eisenbahn (Haldern Pop) Die sind immer Garanten für ein schönes Konzert. Einfach, weil sie selbst so viel Spaß dabei haben. (Nein, das ist kein Copy-/Paste-Fehler, das gilt schlicht und einfach für beide Bands exakt gleich.)

Kate Tempest (Haldern Pop) Die Frau hat was zu sagen, und sie sagt es auf beeindruckende Weise. Keine leichte Kost, sollte man aber nicht verpassen.

 

Die gute Basis

Buster Shuffle (Trompete Bochum), Motorama (FZW, Dortmund), Sparkling (Cardinal Sessions Köln), Shame (Cardinal Sessions Köln), Paul Weller (Ringlokschuppen, Bielefeld), His Clancyness (Etepetete Festival), The Amazons (Haldern Pop), Nick Waterhouse (Haldern Pop), Idles (Haldern Pop), Warbly Jets (Way Back When), Jake Isaac (Way Back When)

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Paul Weller

Außer Konkurrenz

Rainald Grebe (Werk°Stadt, Witten), Helge Schneider (Philharmonie, Köln), The Ukulele Orchestra of Great Britain (Heinz-Hilpert-Theater, Lünen) Die waren alle auf ihre Weise sehr brillant, unterhaltsam und lustig.

Man sieht also: Das Konzertjahr 2017 war sehr ergiebig. Tolle Künstlerinnen und Künstler, die ich zum ersten Mal gesehen habe, viele wunderbare Acts, die immer wieder super sind. Und die ersten Tickets für das nächste Jahr sind natürlich auch schon gekauft. Es muss schließlich immer Musik da sein!

 

Die Sache mit den Band-T-Shirts

Bei @Garpswelt habe ich (mittlerweile schon vor ganz schön langer Zeit, wie mir scheint. Und übrigens, falls ihr bei Twitter seid: Folgt ihr, es lohnt sich!) einen Tweet gelesen, bei dem ich gedacht habe: Das könnte ich auch mal machen. Und zwar die Band-T-Shirts zählen, die über die Jahre (Jahrzehnte) in meinen Kleiderschrank eingezogen sind. Und die ich alle mehr oder weniger regelmäßig trage. Auch wenn es bei manchen nur noch zum Schlaf-Shirt reicht. Da ist ganz schön was zusammengekommen…

An der Spitze stehen, und das kann wirklich niemanden überraschen, Oasis sowie die nachfolgenden Projekte der Gebrüder Gallagher. Inkl. Beady Eye, den High Flying Birds und Liam solo komme ich da auf glatt 10 T-Shirts. Jeweils zwei besitze ich von Art Brut und dem Haldern Pop Festival (ja, Festival-T-Shirts zähle ich auch mit).

Insgesamt bin ich bei 32 T-Shirts gelandet. Tendenz natürlich steigend.  Das erste in der Sammlung müsste (natürlich!) ein Oasis-T-Shirt gewesen sein. Und es wären noch bedeutend mehr, wenn

  • ich nicht in schwachen (man könnte auch sagen dämlichen) Momenten einige verkauft hätte,
  • bei den Konzerten immer die richtige Größe am Merch-Stand erhältlich wäre,
  • die T-Shirts genau so schön wären wie die Musik der KünstlerInnen,
  • das Blood Red Shoes T-Shirt nicht nach dem ersten Waschen so sehr eingelaufen wäre, dass es diese junge Dame jetzt als Schlaf-Shirt trägt.

Das nächste T-Shirt ist übrigens schon quasi unterwegs: Das neue Buster Shuffle Album gibt es praktischerweise gleich im Bundle mit schicker Obertrikotage. Wer kann da schon widerstehen? Mit einem Band-T-Shirt ist man einfach immer gut angezogen.

 

 

Gehört und gesehen: Way Back When Festival 2017, Dortmund

Hurra, endlich wieder Way Back When! Das für uns komfortabelste Festival überhaupt. Mit der U-Bahn zum Venue, im eigenen Bett ausschlafen, und dann ist auch noch zeitgleich das Pfefferpotthastfest. Besser geht’s doch gar nicht! Weiterer schöner Nebeneffekt: Man trifft auch jede Menge bekannte und ebenfalls musikbegeisterte Gesichter vor Ort.

cof

Sieht nicht besonders schön aus, schmeckt aber umso besser: Pfefferpotthast

Dieses Jahr fiel das domicil als Veranstaltungsort raus, stattdessen war das View neu dabei. Kleiner Kritikpunkt: Man kommt nur mit dem Fahrstuhl hin und wieder weg, der nun mal eine begrenzte Kapazität hat. Das ist eher suboptimal. Ansonsten waren die Konzerte dort aber sehr in Ordnung. Das FZW ist in dieser Hinsicht sowieso über jeden Zweifel erhaben. Die Festivalorganisation ist ebenfalls beständig gut. Einzig schade war für uns die zeitliche Überschneidung von The Amazons und Warbly Jets (wobei ich The Amazons ja kürzlich noch in Haldern gesehen habe).

Aber jetzt mal Butter bei die Fische und zum Wichtigsten: zu den Konzerten. Die kommen jetzt in „geschmacklicher Reihenfolge“:

Slowdive: Ich würde nicht so weit gehen und Slowdive als eine meiner Top-Lieblingsbands bezeichnen. Dennoch standen sie auf meiner Liste der Bands, die ich noch sehen will, ziemlich weit oben. Einfach weil ich schon so oft von den beeindruckenden Livequalitäten gehört und gelesen habe. Und natürlich auch, weil ich die Musik sehr mag, ist doch klar. Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht. Mit einer Mischung aus Begeisterung und Staunen stand ich in der ersten Reihe, quasi direkt unter Rachel Goswell’s Mikro, und nahm das mit allen Sinnen auf. Wow! Wirklich überragend. Nochmal wow!

cof

Slowdive

Gurr: Mitreißend! Die Platte hatte ich mir vor einigen Monaten gekauft und finde sie wirklich gut, aber dennoch war ich gespannt, wie das Ganze live wirken würde. Hinterher kann ich sagen: Das wirkt ganz großartig, ist noch ein, zwei Spuren lauter als auf Platte und scheint auch der Band viel Spaß zu machen. So viel lachende Gesichter auf der Bühne sieht man nicht oft – und davor waren es auch sehr viele. Der Extrabonus für mich: das Oasis-T-Shirt von Gitarristin und Sängerin Laura Lee. Das nächste Konzert ist schon so gut wie gebucht!

oznor

Gurr

Portugal. The Man: Die aktuelle Single „Feel It Still“ ist einer meiner Ohrwürmer und Hits des Jahres. Davon abgesehen ging ich relativ „unvorbereitet“ in das Konzert (bei „Don’t Look Back In Anger“ als Zugabe konnte ich immerhin gut mitsingen…). Auch hier hatte ich viel Gutes über die Livequalität gehört und gelesen. Und es stimmte auch hier. Das war akustisch und auch optisch sehr beeindruckend. Und sehr viele Eindrücke auf einmal, aber es hat irrsinnig Spaß gemacht.

oznor

Portugal. The Man

Richtig gut waren außerdem: Warbly Jets, die das View mit straightem, lauten Rock beschallten; Astronautalis, der es nach Portugal. The Man geschafft hat, das Euphorie- und Energielevel noch weiter hoch zu halten – alleine dafür Respekt; Fazerdaze, die schöne Indie-Gitarrenmusik machen, die ich mir immer anhören kann; und Jake Isaac, der mit seiner sympathischen Ausstrahlung schnell das ganze FZW im Griff hatte.

oznor

Hatte den Laden im Griff: Jake Isaac

 

Gut gefallen haben mir auch J. Bernardt, Ilgen-Nur und Dan Croll (der leider das Pech hatte, dass während seines Sets im View immer mehr Leute abgewandert sind, um Roosevelt zu sehen). Ganz okay waren Client Liaison, die zwar musikalisch für mich nicht viel zu bieten hatten, dafür aber ne abgefahrene Show ablieferten, und Darjeeling, die wir aber zu Gunsten der Warbly Jets nach einigen Liedern wieder verließen.

cof

Leider nicht sehen konnte ich (und mit mir viele andere) denn Auftritt von Waxahatchee im FZW-Club. Da waren wir einfach zu spät dran und sind nicht mal in die Nähe der Tür gekommen.

cof

Sieger im Kostümwettbewerb: Client Liaison

Nicht warm werde ich live mit The Districts. Ich mag die Alben wirklich gerne, aber live holen sie mich einfach nicht ab. Ich finde die Posen des Sängers übertrieben und unglaubwürdig, und in meinen Augen/Ohren zerspielen sie die guten Songs zu oft. Sehr schade! Schade auch, dass ich mit Drangsal ein ähnliches Problem habe. Etwas abgeschwächt dadurch, dass mich die Musik auch nicht so 100% begeistert. Nach ein paar Songs haben wir uns also entschieden, stattdessen auf unseren Bauch zu hören und haben mit dem Olaf’s gleich mal die neue Gastronomie im FZW-Umfeld getestet. Und das ist sehr zu empfehlen – der Pulled Pork Burger war ein Gedicht (und wir waren mit dieser Idee auch nicht alleine). Eine Frage, die wir uns dabei aber  alle stellten: Warum gibt es auf dem Festivalgelände (also sinnigerweise am FZW) eigentlich keine Essensmöglichkeiten? Platz wäre doch da, und gut angenommen würde das mit Sicherheit! Es gibt also immer noch Raum für kleine Verbesserungen… Aber alles in allem war es wieder großartig! Ich freu mich auf jeden Fall sehr auf nächstes Jahr. Dann feiert das Festival 5-jähriges Jubiläum  (und wir mit ihm, als Besucher der ersten Stunde); die Tickets sind schon bestellt!

oznor

Gehört und gesehen: Jen Cloher, Maschinchen Buntes, Witten

Wo ich Jen Cloher „aufgeschnappt“ habe, weiß ich gar nicht mehr genau. Ich glaube, es war auf dem Instagram-Channel von Courtney Barnett. Was realistisch erscheint, weil die beiden ein Paar sind. Und da ich deren Musik einfach großartig finde, hab ich gedacht: Hörste mal rein. Und siehe an: Da sind durchaus Parallelen zu erkennen, auch wenn man Cloher anhört, dass sie ein paar Jahre älter ist und ihre Musik (auf Platte) insgesamt ein wenig ruhiger ist. Vor allem aber ist sie sehr gut.

Und dann sehe ich vor ein paar Tagen durch Zufall: Jen Cloher spielt mit ihrer Band (inkl. Courtney Barnett an der Gitarre) in Witten. Witten! Nicht nur ich finde einen Tourplan witzig, der sich in etwa so liest: Paris, Berlin, Witten, Amsterdam… Auch die Veranstalter des Vereins Maschinchen Buntes, unter ihnen offenbar einige große Fans des Milk! Records Labels, haben daran ihren Spaß.

mde

Jen Cloher und Band

Ich beschließe also relativ spontan hinzufahren, sogar ausnahmsweise allein. Obendrein ist das Konzert sogar noch kostenlos (was mit dem Status als gemeinnütziger Verein zusammenängt). Gespannt stehe ich also in der zur Kulturlocation umgebauten ehemaligen Kneipe und warte. Bis auf ein paar Durchläufe bei Spotify bin ich ja quasi unbefangen.

Um es vorwegzunehmen: Es ist eines der besten Konzerte des Jahres (auch wenn da noch das eine oder andere kommt). Vom ersten Moment an bin ich begeistert: von der Band, von Clohers Texten, von der Musik, die wesentlich druckvoller daherkommt als auf dem Album. Das ich mir natürlich trotzdem gekauft habe – sicherheitshalber schon während der Pause.

oznor

Symbolbild laute Gitarren 😉

Moment, Pause? Bei einem Rockkonzert? Jawohl. Und zwar, damit in dieser Pause der Hut für die KünstlerInnen rumgehen kann, bevor nach Konzertende alle schnell in die Nacht verschwinden. Eine super Idee! Cloher und ihre Band, bestehend aus besagter Courtney Barnett sowie Drummerin Jen Sholakis und Bassist Bones Sloane, finden das auch. Cloher ist überhaupt zum ersten Mal außerhalb von Australien auf Tour und ehrlich begeistert von der Resonanz. (Entgegen meiner ersten Befürchtung ist der Laden gut gefüllt, und der Hut war es hoffentlich auch) Es gibt Songs von der aktuellen Platte, ältere Songs, eine Coverversion der Go-Betweens (natürlich ebenfalls Australier), und während dessen laufend glückliche Gesichter vor und auch auf der Bühne.

mde

Um 22 Uhr ist dann endgültig Schluss, länger darf wohl dort auch nicht gespielt werden. Am Merch-Stand herrscht Hochbetrieb (gut, dass ich schon vorgesorgt habe), und man sieht viele zufriedene Gesichter und nickende Köpfe.  Das war ein wirklich lohnenswerter Ausflug nach Witten. Spontane Ideen sind eben oft gut.  Wie die Musik von Jen Cloher.