Archiv der Kategorie: Heimspiel

Gehört und gesehen: Die Märzmusik auf einen Blick

Der Livemusikmonat war klein, aber fein: Nachdem uns Liam Gallagher krankheitsbedingt auf Juli vertrösten musste, war das einzige Konzert des Monats das von Drens im Rekorder in Dortmund. Drens kennt ihr nicht? Dann ändert das mal, Ladies and Gentlemen! Drens kommen aus Dortmund und Köln, machen feine Musik und sind (noch) ziemlich unbekannt. Also reinhören und hingehen, dann könnt ihr sagen, ihr habt sie gesehen, als sie noch kaum jemand kannte. Es lohnt sich!

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Neu auf Platte: „Boarding House Reach“ von Jack White. Der hat sein Konzept der analogen Musik kurzerhand über den Haufen geschmissen und sampelt, stilbricht und experimentiert sich munter durch ein ganzes Album. Das ist mitunter etwas überfrachtet und anstrengend, aber der Mann ist einfach ein Großer. Irgendwie ist das also trotz gefühlten drei Millionen Stilrichtungen und Ideen ein großartiges Album, wenn auch eins, das man nicht unbedingt jeden Tag rauf und runter hört. Aber gute Musik muss ja auch nicht immer einfach sein, nicht wahr?

Eine ganz andere Kiste sind Acht Eimer Hühnerherzen. Bandnamen gelesen, in den Bandnamen verliebt, reingehört, großartig gefunden. Wie nennt man das, Akustikpunk? Ist ja auch völlig egal.  Nachdem ich das Album mehrmals über Spotify gehört hatte, war klar: Ich will die Platte! Also gesagt, getan. Die Begeisterung hält immer noch an, auch weil das irgendwie anders ist. Anders gut.

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Gehört und gesehen: Die Januarmusik auf einen Blick

Musikalisch ging das Jahr 2018 sehr ordentlich los. Gleich zum Start gab es das Debutalbum von Shame, die ich vor ziemlich genau einem Jahr bei den Cardinal Sessions in Köln kennen gelernt habe. Ein großartiges Album, dringlich, laut und mitreißend. Da beansprucht schon früh jemand einen Platz in den Jahrescharts!

Das erste Konzert des Jahres fand im „Konzertwohnzimmer“ statt: Razz spielten im FZW-Club ein schönes Set. Am Nachmittag zuvor (es war ein Sonntag) waren wir bereits bei einer Lesung von Linus Volkmann im Labsal – das war also ein richtig guter Kultursonntag.

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Für die zweite neue Platte in der Sammlung sind Tocotronic verantwortlich. Die Vorabauskopplungen zu „Die Unendlichkeit“ waren sehr vielversprechend (vor allem „Hey du“ und „Electric Guitar“), da musste das Album her. Es ist: schwierig, das schon zu beurteilen. Tocotronic-Alben vermögen mich nicht mehr so mitzureißen wie früher, wachsen aber oft nach mehrmaligem Anhören. Das angesprochene „Hey du“ oder auch „Electric Guitar“ („Teenage Riot im Reihenhaus“, wie gut ist bitte diese Zeile allein schon!) sind grandios, bei vielen anderen braucht es vielleicht noch etwas. Aber wenn schon das Feuilleton ellenlange Aufsätze über das Album schreibt, warum sollte es sich einem dann auch einfach erschließen?

Einfacher erschließt sich einem da schon ein Kettcar-Konzert, auch wenn Markus Wiebusch mit einem Grinsen festgestellt hat, dass sie ja jetzt von einigen Medien als „Polit-Punkband“ wahrgenommen würden. Punk ist sicher weit hergeholt, trotz aller Bandwurzeln; politisch stimmt spätestens seit dem letzten Album. Und auch wenn die letzten Alben mich nicht wirklich durchgängig überzeugen konnten: Live sind Kettcar einfach eine Bank, egal ob alte oder neue Songs. Das ist einfach immer gut. Auch die Vorband an dem Abend, Fortuna Ehrenfeld, wusste zu überzeugen.

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Immer besser wird in meinen Augen sogar Gisbert zu Knyphausen samt Band. Der hat den Januar-Konzert-Hattrick im FZW für uns abgeschlossen, und zwar auf grandiose Weise. Der Mann ist mit einer erstklassigen Band unterwegs, die seine wunderbaren Songs so toll umsetzt, dass ich manchmal gar nicht wusste, worüber ich mich mehr freuen sollte – über die Spielfreude der Band oder den Song an sich. Ganz ganz großes Kino, das vom Publikum zu Recht mit einer zweiten Zugabe in eine (zumindest wirkte es so) ungeplante Verlängerung gebracht wurde.

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Ausblick: In einer Übersprungshandlung (naja, quasi fast ohne nachzudenken…) haben meine liebste Konzertbegleitung und ich Ende Januar (Tages-)Tickets für den Rock-Werchter-Sonntag gekauft. Samt Hotelübernachtung in Leuven (man ist ja keine 20 mehr…). Nick Cave & The Bad Seeds, Arctic Monkeys, David Byrne, Eels – an einem Tag! Das war also eigentlich ein No-Brainer. Und da kommen ja noch KünstlerInnen dazu… Außerdem geplant, Ticketkauf erfolgt in Kürze: Love A in Köln. Es hört nie auf – zum Glück!

Nachtschicht auf Hansa

Zu Weihnachten habe ich eine Taschenlampenführung auf der Kokerei Hansa geschenkt bekommen. Und warum lange warten, wenn das Wetter am ersten Freitag des Jahres wider Erwarten gut ist?

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Die Führung hat rund 2,5 Stunden gedauert und man erfährt sehr viel über die Arbeit auf der Kokerei. Und im Dunklen ist es natürlich ein besonderes Erlebnis, über das Gelände und durch die imposanten Gebäude zu streifen. Ein Großteil davon wird dabei zudem in schickem Blau erleuchtet. Ein eindrucksvoller Anblick und ein lohnenswerter Ausflug!

Einen schönen Panoramablick auf Dortmund gibt es ebenfalls:

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In der Kompressorenhalle:

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Feierabend!

Gehört und gesehen: Way Back When Festival 2017, Dortmund

Hurra, endlich wieder Way Back When! Das für uns komfortabelste Festival überhaupt. Mit der U-Bahn zum Venue, im eigenen Bett ausschlafen, und dann ist auch noch zeitgleich das Pfefferpotthastfest. Besser geht’s doch gar nicht! Weiterer schöner Nebeneffekt: Man trifft auch jede Menge bekannte und ebenfalls musikbegeisterte Gesichter vor Ort.

cof

Sieht nicht besonders schön aus, schmeckt aber umso besser: Pfefferpotthast

Dieses Jahr fiel das domicil als Veranstaltungsort raus, stattdessen war das View neu dabei. Kleiner Kritikpunkt: Man kommt nur mit dem Fahrstuhl hin und wieder weg, der nun mal eine begrenzte Kapazität hat. Das ist eher suboptimal. Ansonsten waren die Konzerte dort aber sehr in Ordnung. Das FZW ist in dieser Hinsicht sowieso über jeden Zweifel erhaben. Die Festivalorganisation ist ebenfalls beständig gut. Einzig schade war für uns die zeitliche Überschneidung von The Amazons und Warbly Jets (wobei ich The Amazons ja kürzlich noch in Haldern gesehen habe).

Aber jetzt mal Butter bei die Fische und zum Wichtigsten: zu den Konzerten. Die kommen jetzt in „geschmacklicher Reihenfolge“:

Slowdive: Ich würde nicht so weit gehen und Slowdive als eine meiner Top-Lieblingsbands bezeichnen. Dennoch standen sie auf meiner Liste der Bands, die ich noch sehen will, ziemlich weit oben. Einfach weil ich schon so oft von den beeindruckenden Livequalitäten gehört und gelesen habe. Und natürlich auch, weil ich die Musik sehr mag, ist doch klar. Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht. Mit einer Mischung aus Begeisterung und Staunen stand ich in der ersten Reihe, quasi direkt unter Rachel Goswell’s Mikro, und nahm das mit allen Sinnen auf. Wow! Wirklich überragend. Nochmal wow!

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Slowdive

Gurr: Mitreißend! Die Platte hatte ich mir vor einigen Monaten gekauft und finde sie wirklich gut, aber dennoch war ich gespannt, wie das Ganze live wirken würde. Hinterher kann ich sagen: Das wirkt ganz großartig, ist noch ein, zwei Spuren lauter als auf Platte und scheint auch der Band viel Spaß zu machen. So viel lachende Gesichter auf der Bühne sieht man nicht oft – und davor waren es auch sehr viele. Der Extrabonus für mich: das Oasis-T-Shirt von Gitarristin und Sängerin Laura Lee. Das nächste Konzert ist schon so gut wie gebucht!

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Gurr

Portugal. The Man: Die aktuelle Single „Feel It Still“ ist einer meiner Ohrwürmer und Hits des Jahres. Davon abgesehen ging ich relativ „unvorbereitet“ in das Konzert (bei „Don’t Look Back In Anger“ als Zugabe konnte ich immerhin gut mitsingen…). Auch hier hatte ich viel Gutes über die Livequalität gehört und gelesen. Und es stimmte auch hier. Das war akustisch und auch optisch sehr beeindruckend. Und sehr viele Eindrücke auf einmal, aber es hat irrsinnig Spaß gemacht.

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Portugal. The Man

Richtig gut waren außerdem: Warbly Jets, die das View mit straightem, lauten Rock beschallten; Astronautalis, der es nach Portugal. The Man geschafft hat, das Euphorie- und Energielevel noch weiter hoch zu halten – alleine dafür Respekt; Fazerdaze, die schöne Indie-Gitarrenmusik machen, die ich mir immer anhören kann; und Jake Isaac, der mit seiner sympathischen Ausstrahlung schnell das ganze FZW im Griff hatte.

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Hatte den Laden im Griff: Jake Isaac

 

Gut gefallen haben mir auch J. Bernardt, Ilgen-Nur und Dan Croll (der leider das Pech hatte, dass während seines Sets im View immer mehr Leute abgewandert sind, um Roosevelt zu sehen). Ganz okay waren Client Liaison, die zwar musikalisch für mich nicht viel zu bieten hatten, dafür aber ne abgefahrene Show ablieferten, und Darjeeling, die wir aber zu Gunsten der Warbly Jets nach einigen Liedern wieder verließen.

cof

Leider nicht sehen konnte ich (und mit mir viele andere) denn Auftritt von Waxahatchee im FZW-Club. Da waren wir einfach zu spät dran und sind nicht mal in die Nähe der Tür gekommen.

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Sieger im Kostümwettbewerb: Client Liaison

Nicht warm werde ich live mit The Districts. Ich mag die Alben wirklich gerne, aber live holen sie mich einfach nicht ab. Ich finde die Posen des Sängers übertrieben und unglaubwürdig, und in meinen Augen/Ohren zerspielen sie die guten Songs zu oft. Sehr schade! Schade auch, dass ich mit Drangsal ein ähnliches Problem habe. Etwas abgeschwächt dadurch, dass mich die Musik auch nicht so 100% begeistert. Nach ein paar Songs haben wir uns also entschieden, stattdessen auf unseren Bauch zu hören und haben mit dem Olaf’s gleich mal die neue Gastronomie im FZW-Umfeld getestet. Und das ist sehr zu empfehlen – der Pulled Pork Burger war ein Gedicht (und wir waren mit dieser Idee auch nicht alleine). Eine Frage, die wir uns dabei aber  alle stellten: Warum gibt es auf dem Festivalgelände (also sinnigerweise am FZW) eigentlich keine Essensmöglichkeiten? Platz wäre doch da, und gut angenommen würde das mit Sicherheit! Es gibt also immer noch Raum für kleine Verbesserungen… Aber alles in allem war es wieder großartig! Ich freu mich auf jeden Fall sehr auf nächstes Jahr. Dann feiert das Festival 5-jähriges Jubiläum  (und wir mit ihm, als Besucher der ersten Stunde); die Tickets sind schon bestellt!

oznor

Gehört und gesehen: Way Back When 2016, Dortmund

Das Heimspiel unter den Festivals! #achendlichwieder war Way Back When, dieses Mal (leider) wieder von Donnerstag bis Sonntag und wieder im Herbst, statt wie im vergangenen Jahr im Frühsommer. Der Freude darüber und daran tut das aber keinen Abbruch, schließlich war auch in diesem Jahr das Line-up wieder exzellent zusammengestellt. Da kann man sich, soviel ist nach drei Jahren sicher, schon im Vorfeld drauf verlassen.

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Das Dortmunder Dreigestirn: Pfefferpotthast, Pils und Way Back When

Am Donnerstag hieß es also raus aus dem Büro und rein ins Vergnügen. Dazwischen einen Boxenstopp auf dem Pfefferpotthastfest eingelegt, um uns ausreichend für den ersten Abend zu stärken. Zu den Klängen von Palace kamen wir dann ins FZW, gingen aber bald wieder rüber in Richtung FZW-Club, weil wir neugierig auf Otherkin waren. Und damit lagen wir goldrichtig! Die Band aus Dublin gehörte definitiv zu den Highlights des Wochenendes, hatte mindestens so viel Spaß wie wir, holte zum letzten Song so viele Leute wie möglich auf die Bühne (wir waren dabei) und konnte einfach rundum überzeugen. Tolle, laute und energische Show. Und nett sind sie auch noch, wie ich beim anschließenden EP-Kauf feststellen konnte. Wenn sie in eurer Nähe sind, schaut mal vorbei!

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Otherkin

Der Einfachheit halber geht es jetzt chronologisch mit allen Bands weiter. Also los…

The Slow Show: Waren natürlich der quasi größtmögliche Kontrast zu Otherkin. Und waren natürlich auch toll, aber nach dem unglaublich berührenden Konzert in der Pauluskirche im letzten Jahr war es eigentlich gar nicht mehr möglich, da noch einmal ranzukommen. Der Weg ins domicil (erstaunlicherweise in diesem Jahr das einzige WBW-Konzert außerhalb des FZW für uns) hat sich aber allemal gelohnt.

Tocotronic: Nichtsdestotrotz sind wir kurz vor dem Ende wieder rüber ins FZW. Denn: Tocotronic sind immer noch wichtig. Haben sie auch an diesem Abend wieder bewiesen. Auch wenn wir die ersten drei Songs verpasst haben – gut, dass wir da waren. Zum einen war es mal wieder großartig, zum anderen hat die Band eine Pause auf unbestimmte Zeit angekündigt. Außerdem haben sie so viele „Hits“, dass jedes Konzert ein neues Highlight ist. Und nicht zuletzt: Rick McPhail, Mann!

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Tocotronic

Der Festivalfreitag artete fast schon in Stress aus. Ständiger Wechsel zwischen FZW-Halle und Club – man kam ja kaum zum Bierholen…

We Are Scientists: Machten am Freitag (unseren) Anfang. Es war: okay. Nein, es war schon gut, aber nichts, was allzu lange hängen bleibt. Irgendwie sehr amerikanisch, und es war ein bisschen bedrückend, dass der Großteil des Publikums nur bei den 1-2 großen Hits richtig mitging. Das war dann doch unverdient! Und es gab auch kein episches Gewitter! (Sorry, Haldern-Pop-Insider…)

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We Are Scientists

Bombay: Das hatte mir im Vorfeld sehr gefallen, und das Konzert ließ mich dann etwas ratlos zurück. So richtig hatte das bei mir leider nicht gezündet. Und warum war die Stimme des Sänger so leise? Naja, aber schlecht war ja nun auch nicht.

We Were Promised Jetpacks: Begeistern mich immer wieder und waren mein persönlicher Headliner. Sowas wie eine stille Lieblingsband – wobei, still sind sie ja nicht gerade. Jedes Mal beeindruckend, welche Energie sie allein mit ihrer Musik und der unfassbaren Stimme von Sänger Adam Thompson entwickeln und wie sich diese Energie auf den ganzen Raum überträgt. Gänsehaut und Euphorie und großartige Songs!

Isolation Berlin: Hatte ich mich sehr drauf gefreut und war wie schon erwartet damit nicht der einzige: Wir kamen erst zum zweiten oder dritten Song in den ziemlich vollen Club. Und ich wurde nicht enttäuscht. Auch wenn ich mich nicht immer völlig mit den Texten identifizieren kann, mag ich den lässigen, schrammeligen Stil der Band sehr. Die werden momentan zu Recht gefeiert.

Augustines: Ich bin ohne große Erwartungen in das Konzert gegangen. Das erste Album fand ich super, was danach folgte recht gut. Live habe ich sie vor einigen Jahren in Haldern gesehen, und das war – wohl auch aus Sicht der Band – eine ziemliche Katastrophe. Umso schöner, dass ich auf der letzten noch einmal das wahre Gesicht der Band erlebt habe. Energie, tolle Songs, Geburtstagskind auf die Bühne geholt und eingebunden, Spaß gehabt und gemacht, länger gespielt als geplant – Spitze!

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Augustines (und Geburtstagskind Marco)

Am Samstag sind wir erst recht spät eingestiegen, und zwar zu

Von wegen Lisbeth: Irgendwie wollte der Funke bei mir nicht so recht überspringen. Das war nett und gut, aber (mir) im Grunde auch relativ egal. Aber einem großen Teil des jungen Publikums (oh Gott, wie das klingt! Oppa erzählt vom Krieg…) gefiel es sehr gut, also alles richtig gemacht.

The Boxer Rebellion: „Beautiful noise“ schrieb ich dazu bei Instagram, und das beschreibt es ziemlich gut. Hat mir sehr gut gefallen, ohne mich komplett vom Hocker zu reißen, aber musikalisch mochte ich das wirklich gerne.

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The Boxer Rebellion

Kakkmaddafakka: Nachdem Wintersleep im FZW-Club das einzige Konzert war, zu dem wir es nicht geschafft haben (zu viele Leute für zu wenig Platz), machten wir also Pause (Oppa schon wieder…) und warteten auf Kakkmaddafakka, die wir uns dann von der Empore aus ansahen. Gewohnt souveräne Show der Norweger, die echt gutes Konzertentertainment bieten – und die Musik kann man sich ja auch sehr gut anhören. KMF brachten den Raum nochmal ordentlich in Wallung und bildeten damit einen würdigen Abschluss.

Und jetzt? Heißt es wieder warten, bis es #achendlichwieder die ersten Early Bird Tickets gibt. Denn so viel ist sicher: Die werden wieder gekauft! Bis zum nächsten Mal beim Festival for Music Lovers!

Gehört und gesehen (und gefeiert): Who Killed Bruce Lee, FZW, Dortmund

Interessanter Bandname, dachte ich, als ich das Programm vom FZW durchsah; da guckste mal genauer hin. Siehe da, auch die Veranstaltungsbeschreibung war vielversprechend. Da hörste mal rein, dachte ich. Und aha, das klingt aber gut. Dann gehen wir da mal hin!

Und wie froh ich bin, dass ich mich trotz der enormen Verlockung, die das heimische Sofa an diesem Abend ausstrahlte, für den Gang ins FZW aufraffen konnte. Was für einen großartigen Konzertabend hätten wir sonst verpasst! Who Killed Bruce Lee kommen aus Beirut, klingen manchmal ein bisschen wie die Red Hot Chili Peppers, als sie noch cool und funky waren, manchmal wie Black Rebel Motorcycle Club, manchmal wie LCD Soundsystem und doch immer eigen. Ohne das Rock’nRoll-Rad neu zu erfinden ist das trotzdem unglaublich frisch und erfrischend. Was mit Sicherheit auch daran liegt, wieviel Bock die vier Musiker darauf haben. Das kommt nicht nur bei den Ansagen von Sänger Wassim zum Vorschein, sondern auch in jedem Stück und in der Interaktion untereinander und mit dem Publikum.

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Alles wird zu einem großen, gut gelaunten und groovenden Ganzen, in das sich auch ein eine exquisite Auswahl von Coverversionen und -schnipseln fügen. Die eigenen Songs sind sowieso über jeden Zweifel erhaben und werden vom Publikum begeistert aufgenommen, auch wenn – da lehne ich mich einfach mal aus dem Fenster – die wenigsten sie vorher ausführlich gekannt haben dürften. Was ja dann letztendlich nur ein weiterer Beweis für deren Qualität ist. Zu „Young Love“ und „Mastercraft“ schwingt sich Wassim nicht nur auf eine Bierkiste inmitten des Publikums, sondern erklimmt auch die Balustrade der kleinen Empore des FZW-Clubs. Spätestens jetzt tanzt, springt und jubelt jeder im Raum. Als die Band nach etwas mehr als 1,5 Stunden zur frenetisch geforderten zweiten Zugabe zurückkommt, geben sie zu, keinen Plan mehr zu haben, was sie spielen sollen. Und schließen den Abend dann mit einem fulminanten Cover von „North American Scum“ von LCD Soundsystem krachend ab.

Ihr Album haben Who Killed Bruce Lee in Berlin aufgenommen und fühlen sich nach eigener Aussage auch sonst ganz wohl in Deutschland. Passenderweise sind sie auch in den kommenden Monaten auf Bühnen im ganzen Land unterwegs (Termine auf der Website! Albumbestellmöglichkeit natürlich auch!) . Gute Songs, mitreißende Show, sympathische Band – das sollte man sich nicht entgehen lassen!

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Gehört und gesehen: The View, FZW, Dortmund

The View im FZW – die gibt’s noch? War zugegebenermaßen der erste Gedanke, als ich die Konzertankündigung gesehen habe. Der zweite war: Mann, die hatten ja damals ein echt tolles Debütalbum. Eine kurze Recherche später wusste ich: Die haben letztes Jahr sogar ein aktuelles Album rausgebracht. Das war, wie im Grunde alles nach dem zweiten Album, komplett an mir vorbeigegangen.

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Kein Grund, sich das Ganze nicht trotzdem mal live anzuschauen! Auch wenn mich die späteren Werke nicht sonderlich begeistert haben. Und was soll ich sagen: Es war ein erfreulich toller Abend! Das fing schon mit der äußerst sympathischen, allerdings durch Krankheit dezimierten Vorband The Stamp an. Aufgrund des Ausfalls des Sängers beschränkten sie sich auf eine Handvoll Songs; die aber waren klasse. Anschließend gab es feinste Musik von der Insel vom Band (u. a. gleich zwei Oasis-Songs), bevor The View die Bühne betraten. Und die Band knüpfte nahtlos an, spielte ein Set mit allen Hits (es gab einige „Ach ja, das ist ja auch von denen“-Momente) und brachte das Publikum zum Tanzen. Muss man ja auch erstmal schaffen an einem Mittwochabend im maximal halb gefüllten FZW-Club. Und wirkte dabei auch selbst so, als hätten sie Spaß an der Sache. Das ist ja auch schon immer ne gute Voraussetzung für so einen Abend.

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Es war vielleicht nicht das Konzert des Jahrzehnts, aber sehr unterhaltsam und kurzweilig war es allemal. Bei solchen Songs wie „Same Jeans“, „Skag Trendy“ oder „5 Rebeccas“ kein Wunder! Und „Wasted Little DJs“ natürlich! The View dürfen gerne wiederkommen! 🙂