Archiv der Kategorie: Musikalisch

Die Alltag und Kultur Awards: Alben 2017

Dieses Jahr gibt’s mal was Neues. Statt wie immer die besten Alben in mehr oder weniger geordneter Abfolge aufzuzählen, habe ich sie diesmal in thematische Gruppen aufgeteilt. Tatsächlich sind 2017 für mich sehr viele gute Alben erschienen, daher passte der Ansatz ganz gut – zumindest in meinem Kopf. Entsprechend habe ich in diesem Jahr auch wirklich viele Alben in verschiedenen Formaten gekauft (knapp 40, natürlich nicht nur neue), das ist ja auch ein gutes Zeichen dafür.

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„Alte Helden“

Fangen wir mal mit dem schwierigsten an, der Definition für diese Gruppe. Sind z.B. Kettcar oder The National „alte Helden“? Irgendwie ja schon. Aber ich hab mal für mich entschieden: Hier kommen nur KünstlerInnen rein, die seit mehr als 20 Jahren am Start sind.

Sogar mehr als 20 Jahre Zeit mit einem neuen Album haben sich beispielsweise Slowdive gelassen. Und die gleichnamige Neuerscheinung musste bei mir erst ein bisschen wachsen (und ich musste die Band erst einmal – endlich! – live sehen), aber „Slowdive“ ist definitiv unter den Top-Alben in diesem Jahr. Lange auf sich warten lassen haben auch die reformierten Ride – und auch hier gilt: neues Album, super Album. Vielleicht ein paar wenige schwächere Songs drauf, dafür aber auch echte Knaller. Gilt genauso für The Jesus and Mary Chains „Damage and Joy“.

Und jetzt mal ans Eingemachte: Kommen wir zu den Gebrüdern Gallagher! Die haben ja beide in diesem Jahr eine Soloplatte an den Start gebracht. Schon klar, Noel gemeinsam mit den High Flying Birds, aber das trägt ja ganz klar seine Handschrift. Aber fangen wir mal mit Liams Werk „As you were“ an. Das war und ist überraschend. Überraschend gut. Was so ein bisschen Hilfe beim Songwriting doch ausmacht. Und die Stimme ist auch wieder da, wo sie hingehört. Bis auf ein, zwei schwache Nummern ist das wirklich gut, einige echte Highlights sind auch dabei. Da musste sich Noel schon strecken, um das zu übertreffen…

… und das hat er auch geschafft. Und zwar genau mit dem gegenteiligen Konzept zu Liam. Der – und um das gleich deutlich zu sagen: ich finde das super – ist sich selbst so treu geblieben wie nur möglich und hat Songs gemacht, die man so oder so ähnlich von ihm erwarten konnte.  Was ich aber auch gut finde: Dass Noel ein Album gemacht hat, mit dem möglicherweise viele Oasis-Fans fremdeln, das nicht so klingt wie seine Vorgänger und vielleicht auch nicht so, wie man es erwartet hätte. Da gibt es auf einmal fröhliche Glamrock-Tanznummern oder Ausflüge ins Psychedelische und Krautige. Und es klingt großartig, weil die Songs (natürlich) großartig sind. Ich finde das „Who built the moon?“ mit jedem weiteren Durchgang immer besser und besser.

 

Du musst es laut anhören

Prinzipiell gilt das natürlich für alle Alben. Aber bei manchen eben ein bisschen mehr. So wie bei Royal Blood zum Beispiel. Die machen mit  „How did we get so dark?“ (zum Glück) genau da weiter, wo sie beim ersten Album aufgehört haben. Das machen die Japandroids auf „Near to the wild heart of life“ auch. Und doch kann man bei beiden auch eine leichte Entwicklung des Sounds feststellen. Aber zum Guten, ohne dass sich die Musik von dem entfernt, was sie ausmacht. Auf gewohnt hohem Niveau laut sind auch die Sleaford Mods, die weiterhin ohne Qualitätsverlust ihrem Unmut Luft machen. „English Tapas“ ist wütend, wahr und gut, und muss deshalb natürlich immer laut angehört werden.

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Neu entdeckt

Jen Cloher is more than just a singer-songwriter. She’s a mentor, a small business owner, a champion for quality up and coming artists and a strong voice of reason in a complex industry.” Mit diesen Worten wurde Cloher in Australien mit dem Double J Award ausgezeichnet. Von der „strong voice“ kann man sich aber auch in ihrer Eigenschaft als Sängerin überzeugen. Ich hatte das Glück, das bei einem spontanen Konzertbesuch tun zu können, bei dem ich auch gleich das Album gekauft habe. Ein echter Glückstreffer!

Genau wie Loyle Carner. Auf der Playlist des Haldern Pop ein bisschen reingehört, Gefallen gefunden und auf den „Stundenplan“ für das Festival geschrieben. Zum Glück! Das Konzert ist im Rennen für das beste des Jahres, und das direkt im Anschluss gekaufte Album „Yesterday’s gone“ ist schlichtweg grandios. Und obendrein ist Carner noch ein unglaublich sympathischer Kerl. Alles richtig gemacht!

Über Love A hatte ich schon des Öfteren gelesen, sicher auch mal den einen oder anderen Song gehört. Aber so richtig habe ich mich dann doch nicht mit ihnen beschäftigt. Hätte ich vielleicht mal machen sollen, dann wäre ich nicht erst 2017 auf die Qualität dieser Band gekommen. „Nichts ist neu“ ist ein Album voller dringlicher Songs – ich kann mit dem Begriff „wichtig“ in diesem Zusammenhang eigentlich nicht viel anfangen, aber er passt hier. Love A haben was zu sagen, und sie sagen es. Laut. Und gut!

 

Wiederholungstäter

Irgendwie sind sie zwar auch „alte Helden“ – aber vielleicht dann doch nicht ganz so alt, und oft auch nicht mit so langen Zeitspannen zwischen den Alben. Aber wenn sie ein neues Album rausbringen, dann ist es gut – so scheint es das Gesetz zu sein. Und weil sie sich daran halten, haben The New Pornographers (ab nächstem Jahr übrigens „alte Helden“…) mit „Whiteout Conditions“ wieder ein wunderbares Popalbum voller Hits und schöner Melodien veröffentlicht. Ein Händchen für Melodien hat auch Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen. „It’s okay to love DLDGG“ heißt das Album, und es ist nicht nur okay, sondern meiner Meinung nach ihr bisher ihr bestes, was schon was heißen will – man kann eigentlich gar nicht anders, als sie lieb zu haben!

Genau wie Pete Fij (früher Adorable, Polak) & Terry Bickers (früher The House of Love), deren zweites Album „We are millionaires“ heißt (was wahrscheinlich eine Lüge ist) und wie schon der Erstling traumhafte, melancholische und auf das wesentliche reduzierte Songs enthält. Nicht reduziert, aber oft auch melancholisch sind ja auch The National, die in Sachen Albumqualität ebenfalls eine verlässliche Größe sind. So auch diesmal mit „Sleep Well Beast“.  Lange nichts zu hören war bis zu diesem Jahr von LCD Soundsystem. Eigentlich völlig logisch, weil sich die Band 2011 aufgelöst hatte. Aber James Murphy hat es wohl noch mal in den Fingern gejuckt, und das war gut so. „American Dream“ ist ein tolles Comeback-Album geworden. Sich nicht aufgelöst, aber zumindest länger pausiert hatten auch Kettcar. Auch die haben zur aktuellen Situation was bedeutendes zu sagen, und tun das auf „Ich vs. wir“ sehr eindrücklich. Und ich war ehrlich überrascht, dass es mir so gut gefallen hat bzw. immer noch gefällt. Gut so!

 

Das ist ja alles schön und gut. Aber was ist denn jetzt das beste Album 2017 für dich?

Die Frage ist eigentlich nicht wirklich zu beantworten. Aber wenn ich mich für ein Album entscheiden müsste, dann wählte ich… Loyle Carner.

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Die Alltag und Kultur Awards: Songs 2017

Die Songs des Jahres habe ich auf dem Blog sonst gar nicht unbedingt immer mit einem eigenen Artikel gewürdigt. Aber dieses Jahr mache ich das, denn es gab einfach wirklich viele, die für eine Best-Of-Liste in Frage gekommen sind. Die Auswahl für meine traditionelle Mix-CD zum Jahresende ist mir selten so schwer gefallen. Viele gute, prominente Kandidaten sind hinten rüber gefallen, z.B. Japandroids, Kettcar, Paul Weller, Arcade Fire oder Spoon.  Meine ausführliche 2017-Playlist gibt es bei Spotify. Da finden sich neben den hier erwähnten auch noch weitere tolle Tracks. Diese 21 haben es dann letztendlich auf die CD geschafft:

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Ein paar davon verdienen aus verschiedenen Gründen eine eigene Erwähnung. Das sind zum einen die Songs von Liam und Noel GallagherLiam, weil es einfach genau das ist, wofür man ihn liebt, ganz „klassisch-traditionell“ sein Ding.

Und Noel, weil es eben das genau nicht ist, sondern für Gallagher-Verhältnisse schon fast revolutionär anders, und dennoch (mindestens) genauso gut.

Dann wäre da Loyle Carner, dessen „No CD“, müsste ich mich auf einen Song festnageln lassen, mein Track des Jahres wäre.

Der (Tanz-)Hit des Jahres kommt von Portugal. The Man,

während der lässigste Song des Jahres von Ride stammt.

Ach, sie sind ja eigentlich alle wunderbar. Zum Schluss gibt es aber noch eine lobende Erwähnung für die schönste Song-Video-Kombination; die kommt von Erdmöbel und Judith Holofernes.

Also, lasst die Hoffnungsmaschine laufen, dass uns 2018 auch wieder mit so vielen schönen Tracks verwöhnt!

 

Die Sache mit den Band-T-Shirts

Bei @Garpswelt habe ich (mittlerweile schon vor ganz schön langer Zeit, wie mir scheint. Und übrigens, falls ihr bei Twitter seid: Folgt ihr, es lohnt sich!) einen Tweet gelesen, bei dem ich gedacht habe: Das könnte ich auch mal machen. Und zwar die Band-T-Shirts zählen, die über die Jahre (Jahrzehnte) in meinen Kleiderschrank eingezogen sind. Und die ich alle mehr oder weniger regelmäßig trage. Auch wenn es bei manchen nur noch zum Schlaf-Shirt reicht. Da ist ganz schön was zusammengekommen…

An der Spitze stehen, und das kann wirklich niemanden überraschen, Oasis sowie die nachfolgenden Projekte der Gebrüder Gallagher. Inkl. Beady Eye, den High Flying Birds und Liam solo komme ich da auf glatt 10 T-Shirts. Jeweils zwei besitze ich von Art Brut und dem Haldern Pop Festival (ja, Festival-T-Shirts zähle ich auch mit).

Insgesamt bin ich bei 32 T-Shirts gelandet. Tendenz natürlich steigend.  Das erste in der Sammlung müsste (natürlich!) ein Oasis-T-Shirt gewesen sein. Und es wären noch bedeutend mehr, wenn

  • ich nicht in schwachen (man könnte auch sagen dämlichen) Momenten einige verkauft hätte,
  • bei den Konzerten immer die richtige Größe am Merch-Stand erhältlich wäre,
  • die T-Shirts genau so schön wären wie die Musik der KünstlerInnen,
  • das Blood Red Shoes T-Shirt nicht nach dem ersten Waschen so sehr eingelaufen wäre, dass es diese junge Dame jetzt als Schlaf-Shirt trägt.

Das nächste T-Shirt ist übrigens schon quasi unterwegs: Das neue Buster Shuffle Album gibt es praktischerweise gleich im Bundle mit schicker Obertrikotage. Wer kann da schon widerstehen? Mit einem Band-T-Shirt ist man einfach immer gut angezogen.

 

 

Gehört und gesehen: Way Back When Festival 2017, Dortmund

Hurra, endlich wieder Way Back When! Das für uns komfortabelste Festival überhaupt. Mit der U-Bahn zum Venue, im eigenen Bett ausschlafen, und dann ist auch noch zeitgleich das Pfefferpotthastfest. Besser geht’s doch gar nicht! Weiterer schöner Nebeneffekt: Man trifft auch jede Menge bekannte und ebenfalls musikbegeisterte Gesichter vor Ort.

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Sieht nicht besonders schön aus, schmeckt aber umso besser: Pfefferpotthast

Dieses Jahr fiel das domicil als Veranstaltungsort raus, stattdessen war das View neu dabei. Kleiner Kritikpunkt: Man kommt nur mit dem Fahrstuhl hin und wieder weg, der nun mal eine begrenzte Kapazität hat. Das ist eher suboptimal. Ansonsten waren die Konzerte dort aber sehr in Ordnung. Das FZW ist in dieser Hinsicht sowieso über jeden Zweifel erhaben. Die Festivalorganisation ist ebenfalls beständig gut. Einzig schade war für uns die zeitliche Überschneidung von The Amazons und Warbly Jets (wobei ich The Amazons ja kürzlich noch in Haldern gesehen habe).

Aber jetzt mal Butter bei die Fische und zum Wichtigsten: zu den Konzerten. Die kommen jetzt in „geschmacklicher Reihenfolge“:

Slowdive: Ich würde nicht so weit gehen und Slowdive als eine meiner Top-Lieblingsbands bezeichnen. Dennoch standen sie auf meiner Liste der Bands, die ich noch sehen will, ziemlich weit oben. Einfach weil ich schon so oft von den beeindruckenden Livequalitäten gehört und gelesen habe. Und natürlich auch, weil ich die Musik sehr mag, ist doch klar. Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht. Mit einer Mischung aus Begeisterung und Staunen stand ich in der ersten Reihe, quasi direkt unter Rachel Goswell’s Mikro, und nahm das mit allen Sinnen auf. Wow! Wirklich überragend. Nochmal wow!

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Slowdive

Gurr: Mitreißend! Die Platte hatte ich mir vor einigen Monaten gekauft und finde sie wirklich gut, aber dennoch war ich gespannt, wie das Ganze live wirken würde. Hinterher kann ich sagen: Das wirkt ganz großartig, ist noch ein, zwei Spuren lauter als auf Platte und scheint auch der Band viel Spaß zu machen. So viel lachende Gesichter auf der Bühne sieht man nicht oft – und davor waren es auch sehr viele. Der Extrabonus für mich: das Oasis-T-Shirt von Gitarristin und Sängerin Laura Lee. Das nächste Konzert ist schon so gut wie gebucht!

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Gurr

Portugal. The Man: Die aktuelle Single „Feel It Still“ ist einer meiner Ohrwürmer und Hits des Jahres. Davon abgesehen ging ich relativ „unvorbereitet“ in das Konzert (bei „Don’t Look Back In Anger“ als Zugabe konnte ich immerhin gut mitsingen…). Auch hier hatte ich viel Gutes über die Livequalität gehört und gelesen. Und es stimmte auch hier. Das war akustisch und auch optisch sehr beeindruckend. Und sehr viele Eindrücke auf einmal, aber es hat irrsinnig Spaß gemacht.

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Portugal. The Man

Richtig gut waren außerdem: Warbly Jets, die das View mit straightem, lauten Rock beschallten; Astronautalis, der es nach Portugal. The Man geschafft hat, das Euphorie- und Energielevel noch weiter hoch zu halten – alleine dafür Respekt; Fazerdaze, die schöne Indie-Gitarrenmusik machen, die ich mir immer anhören kann; und Jake Isaac, der mit seiner sympathischen Ausstrahlung schnell das ganze FZW im Griff hatte.

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Hatte den Laden im Griff: Jake Isaac

 

Gut gefallen haben mir auch J. Bernardt, Ilgen-Nur und Dan Croll (der leider das Pech hatte, dass während seines Sets im View immer mehr Leute abgewandert sind, um Roosevelt zu sehen). Ganz okay waren Client Liaison, die zwar musikalisch für mich nicht viel zu bieten hatten, dafür aber ne abgefahrene Show ablieferten, und Darjeeling, die wir aber zu Gunsten der Warbly Jets nach einigen Liedern wieder verließen.

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Leider nicht sehen konnte ich (und mit mir viele andere) denn Auftritt von Waxahatchee im FZW-Club. Da waren wir einfach zu spät dran und sind nicht mal in die Nähe der Tür gekommen.

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Sieger im Kostümwettbewerb: Client Liaison

Nicht warm werde ich live mit The Districts. Ich mag die Alben wirklich gerne, aber live holen sie mich einfach nicht ab. Ich finde die Posen des Sängers übertrieben und unglaubwürdig, und in meinen Augen/Ohren zerspielen sie die guten Songs zu oft. Sehr schade! Schade auch, dass ich mit Drangsal ein ähnliches Problem habe. Etwas abgeschwächt dadurch, dass mich die Musik auch nicht so 100% begeistert. Nach ein paar Songs haben wir uns also entschieden, stattdessen auf unseren Bauch zu hören und haben mit dem Olaf’s gleich mal die neue Gastronomie im FZW-Umfeld getestet. Und das ist sehr zu empfehlen – der Pulled Pork Burger war ein Gedicht (und wir waren mit dieser Idee auch nicht alleine). Eine Frage, die wir uns dabei aber  alle stellten: Warum gibt es auf dem Festivalgelände (also sinnigerweise am FZW) eigentlich keine Essensmöglichkeiten? Platz wäre doch da, und gut angenommen würde das mit Sicherheit! Es gibt also immer noch Raum für kleine Verbesserungen… Aber alles in allem war es wieder großartig! Ich freu mich auf jeden Fall sehr auf nächstes Jahr. Dann feiert das Festival 5-jähriges Jubiläum  (und wir mit ihm, als Besucher der ersten Stunde); die Tickets sind schon bestellt!

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Gehört und gesehen: Jen Cloher, Maschinchen Buntes, Witten

Wo ich Jen Cloher „aufgeschnappt“ habe, weiß ich gar nicht mehr genau. Ich glaube, es war auf dem Instagram-Channel von Courtney Barnett. Was realistisch erscheint, weil die beiden ein Paar sind. Und da ich deren Musik einfach großartig finde, hab ich gedacht: Hörste mal rein. Und siehe an: Da sind durchaus Parallelen zu erkennen, auch wenn man Cloher anhört, dass sie ein paar Jahre älter ist und ihre Musik (auf Platte) insgesamt ein wenig ruhiger ist. Vor allem aber ist sie sehr gut.

Und dann sehe ich vor ein paar Tagen durch Zufall: Jen Cloher spielt mit ihrer Band (inkl. Courtney Barnett an der Gitarre) in Witten. Witten! Nicht nur ich finde einen Tourplan witzig, der sich in etwa so liest: Paris, Berlin, Witten, Amsterdam… Auch die Veranstalter des Vereins Maschinchen Buntes, unter ihnen offenbar einige große Fans des Milk! Records Labels, haben daran ihren Spaß.

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Jen Cloher und Band

Ich beschließe also relativ spontan hinzufahren, sogar ausnahmsweise allein. Obendrein ist das Konzert sogar noch kostenlos (was mit dem Status als gemeinnütziger Verein zusammenängt). Gespannt stehe ich also in der zur Kulturlocation umgebauten ehemaligen Kneipe und warte. Bis auf ein paar Durchläufe bei Spotify bin ich ja quasi unbefangen.

Um es vorwegzunehmen: Es ist eines der besten Konzerte des Jahres (auch wenn da noch das eine oder andere kommt). Vom ersten Moment an bin ich begeistert: von der Band, von Clohers Texten, von der Musik, die wesentlich druckvoller daherkommt als auf dem Album. Das ich mir natürlich trotzdem gekauft habe – sicherheitshalber schon während der Pause.

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Symbolbild laute Gitarren 😉

Moment, Pause? Bei einem Rockkonzert? Jawohl. Und zwar, damit in dieser Pause der Hut für die KünstlerInnen rumgehen kann, bevor nach Konzertende alle schnell in die Nacht verschwinden. Eine super Idee! Cloher und ihre Band, bestehend aus besagter Courtney Barnett sowie Drummerin Jen Sholakis und Bassist Bones Sloane, finden das auch. Cloher ist überhaupt zum ersten Mal außerhalb von Australien auf Tour und ehrlich begeistert von der Resonanz. (Entgegen meiner ersten Befürchtung ist der Laden gut gefüllt, und der Hut war es hoffentlich auch) Es gibt Songs von der aktuellen Platte, ältere Songs, eine Coverversion der Go-Betweens (natürlich ebenfalls Australier), und während dessen laufend glückliche Gesichter vor und auch auf der Bühne.

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Um 22 Uhr ist dann endgültig Schluss, länger darf wohl dort auch nicht gespielt werden. Am Merch-Stand herrscht Hochbetrieb (gut, dass ich schon vorgesorgt habe), und man sieht viele zufriedene Gesichter und nickende Köpfe.  Das war ein wirklich lohnenswerter Ausflug nach Witten. Spontane Ideen sind eben oft gut.  Wie die Musik von Jen Cloher.

Heimliche HeldInnen

Werde ich nach meinen Lieblingsbands und -musikerInnen gefragt, ist die Antwort eigentlich einfach. Oasis, natürlich. David Bowie, The Jam / Paul Weller, auch klar. Maximo Park, Tocotronic, Ride. Auch Superpunk / Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Art Brut, Jens Friebe oder The White Stripes, wenn es etwas detaillierter sein darf. So viel zu den offensichtlichen Helden (natürlich ist die Aufzählung unvollständig, aber ist klar was gemeint ist, oder?).

Dann hat man natürlich immer wieder aktuelle Favoriten, die neu auf der Landkarte auftauchen und sich in den Vordergrund bzw. ins Herz spielen. Das wechselt beständig und hängt bei mir auch immer davon ab, wieviel Zeit und Lust ich investiere, aktuelle(re) Musik zu verfolgen.

Und schließlich sind da noch die Bands und Künstler, die etwas unter dem Radar laufen. Die „heimlichen“, die „stillen“ Lieblinge, die ich im Gespräch bei einer spontanen Antwort häufig vergesse (und vielleicht auch bei einer ausführlicheren), die aber nichtsdestotrotz einen ganz festen Platz in Herz, Playlist und Plattenregal haben. Die vielleicht auch medial nicht so viel Beachtung bekommen und deshalb in solchen Momenten eher unbedacht bleiben, obwohl gerade sie eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.

Bei mir sind das zum Beispiel The Wave Pictures. Ich habe an dieser Stelle schon öfter gesagt: Wenn die Welt gerecht wäre, wäre diese Band viel bekannter.

Oder nehmen wir We Were Promised Jetpacks. Was für eine tolle Band. Erst recht live; einfach umwerfend!

The New Pornographers sind auch so eine Band. So viele unglaublich gute Songs. Dieser hier zählt möglicherweise zu meinen 10-20 Lieblingssongs überhaupt.

Spoon ist auch so ein Beispiel. Die laufen echt unter dem Radar, bringen aber alle paar Jahre grandiose Platten raus. Und das hier ist natürlich ganz groß.

Viel schönere Popsongs kann man wohl kaum schreiben, als es The Go-Betweens getan haben. Und zwar in Hülle und Fülle. Und auch die Solosachen von Robert Forster sind übrigens ganz fantastisch.

Bestimmt habe ich auch jetzt noch einige vergessen, die noch gut in diese Aufzählung gepasst hätten. Habt ihr auch solche KünstlerInnen und Bands? Bestimmt, oder? Ich könnte mir vorstellen, dass jeder, der sich viel mit Musik auseinander setzt, dieses „Problem“ kennt. Wer sind also eure heimlichen HeldInnen?

Gehört und gesehen: Haldern Pop 2017

„Ah, Haldern Pop – wer spielt denn da so? Kennt man da jemanden?“ Tja, gute Frage. Kommt halt darauf an, was und wen man so kennt. Die Frage wird jedenfalls häufig gestellt, wenn man erzählt, dass man nach Haldern fährt. „Man“ kennt tatsächlich meistens einige wenige Bands und Künstler – in diesem Jahr zum Beispiel Clueso oder AnnenMayKantereit. Die mich aber nicht interessieren, weshalb ich die in meiner Antwort auf die Frage öfter unbewusst gar nicht erwähnt habe. Von den weiteren Bands kennt „man“ dann eher weniger, auch wenn viele beim Haldern-Publikum durchaus gut bekannt sind und auch ich mich auf sie gefreut habe.

Es ist seit Jahren ein beliebtes Thema und Haldern-Fahrern (und erst recht im Forum der Website – wer sich mal über Luxusprobleme von Festivalgängern amüsieren möchte, ist da genau richtig!) – früher war mehr Lametta waren mehr „große“ Namen da, früher gab es mehr Indie, mehr Rock, mehr wasweißichnichtalles. Stimmt auch oft. Lässt sich aber auch nicht ändern. Die Gründe für die Veränderung des Festivals, des Bookings etc. lassen sich an vielen Stellen ausführlich nachlesen.* Worauf man sich aber immer verlassen kann: In Haldern hat man ein gutes Wochenende, und das Haldern-Team hat (immer noch) eine Nase für Künstler, die an der Schwelle zum Durchbruch stehen und für Künstler, die nicht nur ihr 0815-Festival-Set spielen. Viele Künstler kommen tatsächlich gerne nach Haldern.

Ich auch. Deswegen gehört das Festival seit 2005 zu den Fixpunkten meines Jahreskalenders. Und es ist schon lange mehr als ein Musikfestivalwochenende. Es ist ein Kurzurlaub mit Heimatgefühl. Da lasse ich auch mal ein Konzert am frühen Samstagnachmittag sausen, um noch ein bisschen mit der Campinggruppe zu plaudern, zu grillen, Karten oder Looping Louie zu spielen. Haldern ist eben auch: wohlfühlen und entspannen.

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Wellness-Programm „Festivalwochenende“

Viel Musik gibt es aber natürlich trotzdem immer. Obwohl die geplanten Konzertbesuche dieses Mal durch den Dauerregen am Donnerstag beschnitten wurden. Die angepeilten Acts auf der Hauptbühne (Get Well Soon, A Blaze Of Feather, Conor Oberst) habe ich daher nicht gesehen. Dafür Nothing. Also die Band, nicht nichts…

Am Freitag war dann aber auch endlich richtig Musik drin. Und zwar im Spiegeltent – noch so eine Haldern-Besonderheit, diese Bühne in einem wunderschönen Zelt. Ich war noch nie so lange am Stück dort drin wie an diesem Freitag, nämlich von ca. 16 Uhr bis ca. 23 Uhr. Gesehen und gehört habe ich Loyle Carner, Die Höchste Eisenbahn, The Amazons, Matthew and the Atlas, Mammal Hands und Aldous Harding. Eine kleine Weile Käptn Peng & die Tentakel von Delphi auf der Hauptbühne war zum Abschluss auch noch dabei.

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im Spiegeltent

Der Samstag dagegen war dann der Hauptbühne gewidmet. Und zwar mit Kate Tempest, Nick Waterhouse, Bear’s Den, The Afghan Whigs und ein paar Minuten Bilderbuch. Der letzte Act waren dann die Idles im Zelt. Bzw. haben wir den größten Teil davon auf einer Bank im Biergarten verfolgt.

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Bear’s Den

Das Konzertrating:

Highlights: Loyle Carner (meine Entdeckung des Wochenendes, und hatte mit „No CD“ (im Link) einen meiner Hits des Jahres dabei), Kate Tempest, Die Höchste Eisenbahn (immer wieder wunderbar), Idles (einfach großartig abgefahren!)

Sehr gut: The Amazons, Nick Waterhouse, Bear’s Den (vor allem wegen des „Haldern-Moments“)

Gut: The Afghan Whigs, Matthew and the Atlas, Nothing

“Tat nicht weh” bis “Hätt ich nicht gebraucht”: Käptn Peng & DTvD (schade, aber das kam bei mir – nicht nur akustisch – nicht so richtig an), Mammal Hands, Bilderbuch, Aldous Harding.

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Kate Tempest

Insgesamt habe ich schon mehr Konzerte in Haldern gesehen, aber der angesprochene Donnerstag hat da einen Strich durch die Rechnung gemacht, ebenso wie die erwähnte Prioritätensetzung. Und ehrlicherweise hatte ich dieses Jahr auch erst gar keine große Lust, zur Pop Bar zu laufen, da die meistens sowieso überlaufen ist. Sløtface hätte ich zum Beispiel eigentlich sehr gerne gesehen.

Im See war ich dieses Jahr auch nicht schwimmen – war mir schlicht zu kalt bei Temperaturen um die 20 Grad, schließlich kamen wir frisch aus dem Nizza-Urlaub. Dafür war es wieder mal wunderbar in unserer (dieses Jahr so kleinen wie lange nicht mehr) Campingrunde, es war alles angenehm ruhig und reibungslos, das Wetter war dann insgesamt doch besser als gedacht, das Publikum war erfreulich aufmerksam und wenig anstrengend, und überhaupt: Es war wieder ein herrliches Haldern-Wochenende.

 

*“früher“ gab es in Haldern übrigens auch nur eine Handvoll Dixiklos (gefühlt) und spärliche bis gar keine Duschmöglichkeiten. Manche Sachen werden eben doch mit der Zeit viel, viel besser.