Archiv der Kategorie: Unterwegs

Hej Kopenhagen: Hingehen, angucken, machen

Neben den kulinarischen Highlights hat Kopenhagen natürlich auch jede Menge tolle Bauwerke, Plätze und Sehenswürdigkeiten. Auf die „klassischen“ Ziele will ich hier gar nicht eingehen – eine exzellente Auswahl und Beschreibung findet ihr nämlich hier.

Heute soll es um einige Sehenswürdigkeiten gehen, die vielleicht weniger im Fokus der handelsüblichen Reiseführer stehen (oder dort zumindest eher beiläufig erwähnt werden), die den bekannten Attraktionen aber quasi in nichts nachstehen und allemal einen Besuch wert sind.

Fangen wir an mit Superkilen. Dieser Kunst- und Skulpturenpark im Stadtteil Nørrebro ist ziemlich außergewöhnlich. Nicht nur, dass die Kunstwerke begeh- und erlebbar sind – nein, das Ganze befindet sich auch mitten im Wohngebiet. Und: Die Kunstwerke stammen von Künstlern aus der ganzen Welt und sollen ein Zeichen für Diversität setzen. Ein tolles Projekt mit einem tollen Hintergrund.

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Superkilen

Eine vielleicht etwas spezielle Sehenswürdigkeit ist der Disc Golf Kurs im Valbyparken. Dieser mit Sicherheit auch selbst sehenswerte Park liegt südwestlich von der Innenstadt und ist mit dem Fahrrad super zu erreichen. Der Kurs ist toll angelegt und für einen Hobbyspieler ganz schön anspruchsvoll, vor allem an einem windigen Tag wie wir ihn hatten. Den weiteren Park haben wir zwar nicht explizit in Augenschein genommen, aber das, was wir gesehen haben, machte einen schönen Eindruck.

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Valbyparken

Das Stichwort „Fahrrad“ ist vielleicht keine wirkliche Sehenswürdigkeit, aber auch eine Sache, die man in Kopenhagen machen sollte. Kopenhagen ist eine Fahrradstadt! Radwege, die so breit sind wie Autospuren – und zwar nahezu flächendeckend. Ein Traum! Und die Stadt ist kompakt genug, dass man mit dem Rad zügig überall hinkommt. Plus: Leihfahrräder sind, wenn man sich die sonstigen Preise so anschaut, wirklich günstig.

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NICHT mein Leihfahrrad. Aber auch sehr schön.

Mit denen kann man zum Beispiel auch an ein paar coole Plätze fahren. Zum Beispiel zum Enghave Plads in Vesterbro, an dem es ja nicht nur, wie neulich berichtet, einen tollen Plattenladen gibt, sondern auch jede Menge Cafés und Restaurants, einen kleinen Skatepark und, wenn die Baustelle (bestimmt bald) weg ist, auch genug Raum zum Entspannen. Man kann da jedenfalls jetzt schön sehr schön mit einem Bier in der Sonne sitzen.

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Enghave Plads

Oder man fährt zum Gråbrødretorv. Der liegt zwar ziemlich zentral in der Innenstadt, ist aber trotzdem erstaunlich ruhig. Und außerdem sehr, sehr schön. Es steht eine riesige Platane darauf, rundherum sind hübsche, alte Häuser. Fast als würde man auf einem Gemälde von Kopenhagen herumlaufen.

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Gråbrødretorv

Wirklich schön ist es übrigens auch in Nørrebro. Aber dazu hier gibt es schon einen feinen, treffenden Reisebericht. Also gibt es zum Abschluss noch einen Buchtipp obendrauf: Einige der beschriebenen Ziele (und natürlich viele weitere lohnenswerte) findet man (nicht nur) in dem Reiseführer (also doch!) CitiX60 Copenhagen (auf Englisch). In dieser Reihe beschreiben Einwohner der Stadt – meistens Leute, die im weitesten Sinne in der Kreativbranche tätig sind – Orte, die sie für besonders sehenswert halten. Diese Reiseführer sind sehr liebevoll gestaltet und auch für andere Städte erhältlich.

Hej Kopenhagen: Essen, trinken, (ein bisschen) einkaufen

Ach Kopenhagen, das war schön mit dir! Eine tolle Stadt mit vielen sehenswürdigen Ecken, auf die ich aber ein anderes Mal eingehen will.

Heute nehmen wir uns in erster Linie mal die kulinarischen Genüsse vor, mit einem kleinen, aber wirklich eher kleinen, Ausflug in die Konsumwelt. Starten wir doch mal mit dem Essen: Bei Dänemark denken ja bestimmt die meisten (mich eingeschlossen) an Hot Dogs. Und tatsächlich stehen die Pølser-Wagen an sehr vielen Ecken. Und natürlich schmecken die Hot Dogs sehr gut – wir haben das mehrfach getestet.

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Ebenfalls „typisch dänisch“: Softeis. Ein ausgezeichnetes Softeis bekommt man bei Vaffelbageren in Nyhavn. Dort werden nicht nur „normale“ Waffeln selbst hergestellt, sondern auch die Eiswaffeln. Und das mittelgroße Eis hat gefühlt die Größe eines Kinderkopfs und schmeckt hervorragend.

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Riesen-Softeis mit Lakritz-Streuseln, oder: Bitte sprechen Sie in das Softeis-Mikrofon!

Natürlich kann man in einer Weltstadt wie Kopenhagen aber auch sehr gut international speisen. Zum Beispiel türkisch bei Pasha Kebab in Vesterbro. Das Lokal ist mehr eine Mischung aus Imbiss und Restaurant, also jetzt nichts für einen stundenlangen gemütlichen Abend, aber das tut der Qualität des Essens keinen Abbruch. Und: Schräg gegenüber, auf der anderen Seite des Enghave Plads, ist mit Beat København ein wunderbarer Plattenladen beheimatet. Der Besuch lohnt bei beiden unbedingt!

Köstliches Smørrebrød und anderes kann man im Cafe Auto in Nørrebro frühstücken – sowieso ein Stadtteil, der (nicht nur) kulinarisch einiges zu bieten hat. Zum Beispiel das äthiopische Restaurant Ma’ed, das sogar auf der gleichen Straße liegt. Oder das Cafe Stefanshus, in dem man abends sehr gut ein Bier trinken gehen kann. Noch schöner kann man letzteres in der Blågårds Apotek, die eine tolle Bier- und generell Getränkeauswahl in schöner Atmosphäre bietet.

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Köstliches Craft Beer in der Blågårds Apotek

Selbstverständlich gibt es auch in Kopenhagen leckere Burger. Richtig gut war es bei Tommi’s Burger Joint, einem isländischen Burgerbrater, der aber auch schon in anderen Teilen Europas zu finden ist (natürlich auch in Berlin…). In Kopenhagen residiert der Burger Joint in Kødbyen, einem Komplex von ehemaligen Schlachthallen, in dem nun schicke Restaurants und Büros zu finden sind.

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Die Speisekarte in Tommi’s Burger Joint. Gibt’s aber zum Glück auch nochmal in kompakter Form…

Ach ja, und dann gibt es ja auch noch den Copenhagen Street Food Market. Hier findet man nun wirklich sehr viel, was das Herz bzw. der Magen begehrt. Und das wieder einmal in toller Atmosphäre.

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Copenhagen Street Food vom Wasser aus gesehen – die Halle liegt auf einer ehemaligen Lagerinsel für Papier.

Wem dort doch noch etwas fehlen sollte, der wird aber bestimmt in den Torvehallerne fündig. In diesen beiden Markthallen gibt es vom frischen Fisch bis zu Wein und Süßspeisen alles, und drumherum einen Outdoor-Markt und noch mehr Street Food.

Man sieht: Kopenhagen hat viel für den Genuss zu bieten. Man sieht auch: Ich wäre ein lausiger Foodblogger. Die tollsten Speisen und Lokale habe ich entweder gar nicht oder nur unzureichend fotografiert…  Und wer jetzt anmerkt: Von Einkaufen war jetzt aber nicht viel zu lesen: stimmt. Außer dem Plattenladen haben wir eigentlich nur dem Kaufhaus Illum und dem sehenswerten Hay House einen längeren Besuch abgestattet. Andere Läden waren eher Verlegenheitsbesuche während eines längeren Regenschauers oder ein Zufallsfund wie der Lagerverkauf von Wood Wood in Nørrebro. Ansonsten hat Kopenhagen zwar viele Shoppingmöglichkeiten zu bieten, aber wir waren zu sehr mit den anderen Attraktionen beschäftigt. Neben essen und trinken natürlich…

Gehört und gesehen: The Divine Comedy, Mojo Club Hamburg

“And now we’re going to have a super party fun time!” Da muss Neil Hannon selbst lachen. Muss er an diesem Samstagabend im Mojo Club überhaupt ziemlich oft. Was er zum einen auf die Kombination aus Erkältungsarznei und Bier schiebt – da hätte man ihn doch von abhalten müssen, kokettiert er in Richtung seiner Band. Zum anderen aber auch deshalb, weil er einfach Spaß hat – mit sich, seinen Songs und dem euphorischen Publikum.

Denn schon vor der „offiziellen“ Ankündigung der „super party fun time“, irgendwann in der zweiten Hälfte des Konzerts, haben alle Beteiligten jede Menge Spaß. Auch bei den eher ernsten Songs. Wobei ernst ja auch ein bisschen relativ ist, wenn Neil Hannon in voller Napoleon-Verkleidung auf die Bühne kommt – und dann natürlich auch „Napoleon Complex“ singt. Da fällt es dann auch wirklich schwer, der eigentlich guten Bitte nachzukommen, doch heute mal auf Fotos zu verzichten. Hat nicht ganz geklappt, aber es wurden schon vergleichsweise wenige Kameras und Smartphones hochgehalten. Wie überhaupt das Publikum sehr gesittet und aufmerksam war, da habe ich in letzter Zeit schon deutlich schlimmeres erlebt.

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Nach wenigen Liedern befreit sich Hannon zumindest vom riesigen (und bestimmt auch mollig warmen) Hut – „one more song before the hat goes off“ –, ungefähr zur Hälfte verschwindet er dann für einen Kostümwechsel. Gegenüber der Uniform ist der elegante schwarze Anzug mit Sicherheit tausendfach bequemer. Und passt natürlich hervorragend zu „The Complete Banker“, dem ersten Song im neuen Outfit. Jetzt aber genug vom Äußerlichen – der Abend war schließlich auch musikalisch ein Hochgenuss. Hannon ist nicht nur ein toller Sänger mit großartiger Bühnenpräsenz, sondern hat auch eine hochklassige Band um sich versammelt. Zur Belohnung serviert er den Musikern zwischenzeitlich, ganz Gentleman, ein Gläschen Wein. Das gibt’s auch für Lisa O’Neill, die Support-Künstlerin, die für ein Duett noch einmal auf die Bühne kommt.* Es gibt einen Ausflug ins Publikum, kollektive Publikumsunterstützung bei (nicht nur, aber hauptsächlich) „National Express“ und immer wieder Begeisterungsrufe und -jauchzer, wenn ein weiterer „Hit“ angespielt wird. Davon haben The Divine Comedy viele, wenn auch vielleicht nicht im klassischen Charts-Sinn. Schon eher „At the Indie Disco“.

Und auch wenn ich – im Gegensatz zu ihr, die während und nach dem Konzert euphorisch strahlt – kein ausgewiesener Divine Comedy Experte bin, verfolge ich die Musik schon eine ganze Weile. Wirklich bewusst seit dem 2004er Album „Absent Friends“, dessen Titelsong leider nicht zur umfangreichen Playlist gehört. Man kann ja nicht alles haben. Und dennoch setzt die Band die Messlatte für die kommenden Konzerte ganz schön hoch an. Einfach weil dieses Konzert in seiner Gesamtheit so schön ist. Großes Konzertkino, einfach schön!

Ach ja: An, in und „auf“ der Elbphilharmonie waren wir übrigens an dem Tag auch. Also soweit man eben hineinkommt, ohne ein Konzert zu besuchen. Was nicht wahnsinnig weit ist, aber trotzdem lohnenswert. Und man hat natürlich einen tollen Blick auf Hamburg und vor allem den Hafen.

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*Sehr schade: Lisa O’Neill ist sehr sympathisch, witzig und singt schöne Songs – aber leider mag ich ihre Stimme so überhaupt nicht.

24 Stunden in München

Kürzlich war ich für ein paar Tage beruflich in München, genauer gesagt auf einer Messe. Die ging bis Samstagnachmittag, und da bot es sich an, den Münchener Freunden einen Besuch abzustatten und den Aufenthalt bis zum Sonntagabend zu verlängern. Also quasi ein 24-Stunden-Mini-Urlaub in der bayerischen Hauptstadt. Und der wurde, dank der und mit den Freunden, optimal genutzt!

Am Samstagabend waren wir in der Österia, einem – das war jetzt wirklich nicht schwer zu erraten – österreichischen Restaurant, in dem man nicht nur sehr gut essen, sondern auch Weine, Spirituosen und andere Leckereien aus dem Süden kaufen kann. Und das in sehr, sehr schöner Atmosphäre. Ein Besuch lohnt sich!

Am Sonntag sind wir nach einem ausgiebigen Frühstück bei schönstem Sonnenschein an den verschneiten Ufern der Isar spazieren gegangen. Nach gut zwei Stunden froren zwar langsam die Gesichtsmuskeln ein, aber es war so schön draußen, da konnte man das verschmerzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. 😉

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Nach einem Kaffee zum Aufwärmen im Café Bald Neu (und einem weiteren bei meinen Gastgebern) ging es dann in Richtung Audi Dome – der FC Bayern Basketball spielte gegen die Telekom Baskets Bonn. Ich wollte ohnehin schon lange mal ein BBL-Spiel live sehen, somit rannte der Vorschlag bei mir offene Türen ein. Von unseren Plätzen in der 5. Reihe hatten wir einen super Blick auf das Spielfeld. Und auf die gesammelte Prominenz (Sammer, Hoeneß, Buschmann, Pesic) auf der VIP-Tribüne.  Aber natürlich hauptsächlich auf das Spielgeschehen, das viel Spaß gemacht  hat und viel Unterhaltungswert bot. Ist einfach ein toller Sport. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

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Danach ging es dann für mich auch schon wieder Richtung Flughafen, wo ich beim Einchecken meines Handgepäcks noch ein sehr nettes Gespräch mit den Mitarbeitern am Band hatte, inklusive Ausblick auf den Super Bowl. Und schon waren die 24 Stunden Freizeit in München vorbei. Schön war es!

Gehört und gesehen: Matt Wilde feat. Sönke Torpus

Matt Wilde ist bzw. war der Sänger und Bandleader von Young Rebel Set – einer dieser Bands, die ich (womöglich durch den Grand Hotel Van Cleef Newsletter) entdeckt und auf dem Haldern Pop dann ganz schnell lieben gelernt habe. Dort haben sie vor einigen Jahren den Samstag auf der Hauptbühne eröffnet, und ich habe seitdem nicht mehr erlebt, dass unmittelbar nach dem Konzert fast alle, die dabei waren, zum Merchandise stürmten und den Stand leer kauften. So gut war es. Und dabei gab es nur T-Shirts und eine EP.

Diesen hohen Standard konnten YRS in ihrer (leider kurzen) Karriere zum Glück halten. Tolle Platten, sensationelle Liveshows. Dass das nicht ewig so weiter gehen würde, war aber irgendwie auch klar. Schon bei der ersten größeren Tour hatte Matt Chipchase a.k.a. Matt Wilde arge Stimmprobleme*. Und wenn Thees Uhlmann das Touren mit YRS als „rollenden Irish Pub“ bezeichnet, war das wahrscheinlich so körperlich anstrengend wie es klingt.

Nun sind Young Rebel Set also Geschichte – aber zum Glück macht Matt Wilde weiter. Mit neuen Songs und (vorerst?) neuer, kleiner, akustischer Tour. Unterstützt wird er dabei zurzeit von Sönke Torpus, Mastermind von Torpus & The Art Directors. Zwei Männer, zwei Gitarren, viel Spaß, sowohl untereinander als auch in der Interaktion mit dem Publikum. Das Set ist eine Mischung aus YRS-Songs und neuem Material, das dem wohlbekannten in nichts nachsteht. Der Mann versteht es einfach, großartige Geschichten in tolle Songs zu packen. Das Publikum in der Zeche Carl in Essen ist entsprechend und zu Recht euphorisch. Erst nach mehreren Zugaben ist dann doch irgendwann Schluss. Bei der zweiten Zugabe kommt zunächst Sönke Torpus alleine auf die Bühne und (Entschuldigung für den Ausdruck, aber er passt einfach) schmettert zwei seiner Songs, die ebenfalls aus gutem Grund gefeiert werden. Notiz an mich: Mal ausführlicher reinhören! Nachdem dann aber auch wirklich alles gespielt ist und sogar noch ein junger Musiker, den sie am Abend zuvor in Köln kennengelernt hatten, zum Singen mit auf die Bühne gebeten wird, entlässt das Publikum die beiden etwas widerwillig in den Feierabend und wir verlassen erschöpft und glücklich den Ort des Geschehens. Mehr braucht es ja auch nicht. Ein aufmerksames, übersichtliches Publikum, gute Songs, Gitarren. Perfekt!

Da passt im Übrigen auch der Auftritt von Ben Hermanski als Support Act hervorragend rein. Noch ein Mann mit Gitarre, der schöne Songs mit schönen Stories zu bieten hat. Einfach ein rundherum gelungener Abend.

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*Auch an diesem Abend ist die Stimme wieder ziemlich rau und belegt, wofür sich Wilde sogar „entschuldigt“. Und eigentlich war das bei den Konzerten, die ich von ihm gesehen habe, immer so. Drücken wir die Daumen, dass die Stimmbänder das noch lange mitmachen! Aber vielleicht sind Bier und Zigaretten dabei ja auch genau das richtige. 😉

Gehört, gesehen und gefühlt: Haldern Pop 2016

Ach Haldern. Was habe ich, was haben wir im Vorfeld nicht diskutiert, gegrübelt, gehadert. Immer teurere Karten, viele Wiederholungen im Line-Up, immer weniger bekannte Bands, dazu letztes Jahr ein erschreckendes Erlebnis mit der Security, und überhaupt. Ein bisschen war es so, als würden wir nach Gründen suchen, vielleicht mal eine Pause einzulegen. Ein bisschen Abstand zu gewinnen.

Und dann: War es (natürlich!) doch wieder ein zauberhaftes Wochenende. Trotz Dauerregens am Donnerstag. Selbstverständlich ist unsere wunderbare Reisegruppe zu einem Großteil für das großartige Erlebnis verantwortlich – mit euch wäre auch ein Campingwochenende in Bottrop-Boy ein Spitzenwochenende. Aber auch das Haldern Pop hat sich in diesem Jahr – zumindest für mich – wieder viel Mühe gegeben. Fast so, als wollte es mich vom Gegenteil der oben genannten Gedanken überzeugen.

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Auch wenn das Line-Up nominell in der Tat zu den subjektiv schwächsten in meiner Haldernzeit gehörte und ich mich sehr ausführlich informieren musste: Es gab dann doch wieder einige Highlights. Ganz vorne waren dabei Yak, die das Spiegelzelt, die Anwesenden und meinen Gehörgang ordentlich durchgepustet haben. What a show! Und erfreulicherweise funktioniert das auch auf Platte ganz hervorragend. Toll waren auch St. Paul & The Broken Bones – stimmungsvoll, unterhaltsam und auch musikalisch gut. Ebenfalls schön: Minor Victories. Wie waren wir uns beim Konzert noch einig: Mit Shoegaze-Gitarren kriegt man uns immer. So auch diesmal. Gefallen hat mir auch das Konzert von Michael Kiwanuka, auch wenn ich da ein-zweimal gedacht habe, dass der Funken noch ein bisschen mehr überspringen könnte. Aber schön war es allemal. Positiv überrascht haben mich außerdem Algiers – da hatte ich im Vorfeld nicht besonders aufmerksam reingehört und war sehr angetan. Außerdem klasse: Ben Caplan & The Casual Smokers und Die Nerven.

Neben der guten Musik stimmten aber in diesem Jahr auch die Rahmenbedingungen. Nettes Securitypersonal, flüssige Einlasskontrollen, problemloser Zugang zum Spiegeltent, die gute Idee mit den Schließfächern, nochmals verbesserte Sanitäranlagen, Ruhe auf dem Campingplatz (letzteres ist natürlich immer ein bisschen Glückssache). Erwähnte ich schon die weltbeste Campinggruppe? Egal, kann man nicht oft genug erwähnen. Haldern ist eben mehr als ein Festivalwochenende. Haldern ist ein Gefühl.

Es passieren einfach immer wieder so wunderbare Dinge mit diesen besonderen Leuten auf diesem besonderen Festival. Schwimmen im See mit dem Donut und anschließendem Delirium-Tremens-Bier-Lachflash. Fachkundige Gespräche über abgefahrenste südkoreanische Noisemusik von Jambinai im Biergarten vor dem Spiegeltent und die natürlich vollkommen ernst gemeinte Feststellung, dass wir nie jemand die Geomungo schöner haben spielen sehen (googlet das Instrument einfach…). Und und und…

Also, bis nächstes Jahr, Haldern? Gut möglich. Ich kann mir einen August ohne Haldern mittlerweile nur noch sehr schwer vorstellen, egal, was im Vorfeld so passiert.

(Kurioserweise habe ich in diesem Jahr so wenig fotografiert wie nie zuvor, daher gibt es auch nur ein Bild in diesem Beitrag. Ich glaube, es ist während des Auftritts von Drangsal entstanden.)

Riga: Die Neustadt

Wie so viele „alte“ Städte besitzt auch Riga eine Neustadt, für die sich wahrscheinlich zahllose Städte einen sprichwörtlichen Arm abschlagen würden, wenn sie so etwas als Altstadt besäßen. So rein von der Ästhetik her gesehen.

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In Rigas Neustadt dominiert der Jugendstil. Und da muss man auch kein großer Experte sein (zum Glück!), um sich das anzusehen und schön zu finden. Mit ein bisschen Wegweisung durch den Reiseführer kann man die schönsten Straßen und Häuser erlaufen und an den reich verzierten Fassaden hochschauen. Klingt vielleicht nicht besonders spannend, aber genau so etwas macht für mich eine Städtereise aus – Kopp hoch und einfach gucken. Der Weg durch die Neustadt, speziell durch die Elizabetes iela, war im Übrigen auch der erste Tipp der freundlichen Rezeptionistin im Hotel. Also quasi der „Umweg“ durch die Neustadt über den Kreuzfahrtschiffanleger in die Altstadt.

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Und so wandert man durch diese tollen Straßenzüge und betrachtet großartig gestaltete Häuser, zum Beispiel von Michail Eisenstein (dessen Sohn Sergej später maßgeblich das Filmgenre geprägt hat). Unbedingt sollte man dabei in der Alberta iela vorbeischauen. Und neben den prunkvollen Fassaden entdeckt man quasi nebenbei noch schöne kleine Läden, Cafés und Restaurants.

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Letzteres ist besonders von Vorteil, wenn man wie wir auch sein (übrigens durchaus empfehlenswertes) Quartier in der Neustadt bezogen hat – kurze Wege zu Speis und Trank. Bei vielen Lokalen sollte man allerdings nicht zu spät aufkreuzen, denn die Neustadt ist eher war für den Tagschwärmer. Abends standen wir vor einigen verschlossenen Türen, und in den geöffneten Restaurants war es entsprechend voll.

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Meistens geöffnet ist aber die Skybar im Albert Hotel. Da ist es zwar nicht ganz billig, aber dafür werden einem gleich zwei interessante Blicke geboten.

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Zum einen der wirklich schöne Blick über das abendlich beleuchtete Riga (im Sommer sicher noch viel bezaubernder), zum anderen der interessante Blick auf die (vermeintlich) Schönen und Reichen, sowohl in den Reihen der Einheimischen als auch der Touristen. Sehr spannend. Und leckere Cocktails mit dem köstlichen Rigas Melnais Balzams können sie dort auch mixen.

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So kann man einen Tag in der Neustadt sehr gut ausklingen lassen!

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