Archiv der Kategorie: Unterwegs

Gehört und gesehen: Die Februarmusik auf einen Blick

Kurzer Monat, kurzer Musikrückblick. Und eigentlich ging es auch erst auf der Zielgeraden so richtig los. Anfang des Monats hatten wir noch relativ kurzfristig Karten für Slowdive in Köln gekauft. Eigentlich haben wir ja seit einigen Jahren die Abmachung, nicht mehr unter der Woche für Konzerte durch halb NRW zu fahren. Außer, es ist etwas Großes. Nach dem letztjährigen Album und dem Konzert beim Way Back When Festival waren wir uns aber einig: Slowdive ist was Großes. Also am eisigen Montagabend auf nach Köln, ins schöne Gloria. Der Pluspunkt: So wenig Verkehr war auf dem Weg nach Köln zu dieser Uhrzeit vielleicht noch nie. Hing möglicherweise mit dem Winterwetter zusammen, das aber auf die Straßen zum Glück keine Auswirkung hatte.

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Das Konzert war, fast schon wie erwartet, wunderschön. Viel toller Sound, viel Gänsehaut, auch wenn Rachel Goswell und Neal Halstead erkältungsbedingt stimmlich etwas angeschlagen waren. Es hat der Atmosphäre keinen Abbruch getan. In diesem grandiosen Sound kann man sich einfach aufs wunderbarste verlieren. Wer Slowdive live erwischen kann, sollte das tun. Es ist großartig.

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In Sachen Platten noch ein kurzer Rückblick auf den Januar: Ich schrieb, das Tocotronic-Album bräuchte noch ein paar Durchgänge bis zu einer richtigen Beurteilung. Nun, die hat es in den letzten Wochen bekommen. Und ich sage: sehr gut! Bis auf zwei, drei Songs durchgängig klasse, und bei den Bonustracks, die es mit dem mp3-Download zur Platte gab, sind noch ein paar richtige Perlen dabei.

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Zwei neue Platten gab es ebenfalls, auch beide erst zum Monatsende. Eine davon stammt auch schon aus dem vergangenen Jahr, ist damals aber komplett an mir vorbeigezogen: Daniele Luppi und Parquet Courts mit „Milano“. Ich saß freitagsabends auf dem Sofa und hörte mich bei Spotify durch Neuerscheinungen, und irgendwann landete ich bei Parquet Courts und sah dieses Album aus 2017, bei dem auf vier Tracks auch noch Karen O singt. Von Daniele Luppi hatte ich zugegebenermaßen noch nie zuvor gehört. Ich hörte rein und war sofort verliebt. Was für ein unglaublich lässiges Album über die Stadt Mailand in den 1980er Jahren.  Das hat auf jeden Fall das Potenzial, bei mir in Dauerrotation zu laufen.

Album Nr. 2 stammt von Isolation Berlin und trägt den Titel „Vergifte dich“. Ich mag ja dieses melancholische und fatalistische an den Texten von Sänger Tobias Bamborschke. Und musikalisch mag ich Isolation Berlin auch. Nach zwei, drei Durchgängen gefällt mir dieses Album musikalisch vielleicht sogar besser als der Vorgänger.

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Ein kleiner Ausblick auf den März, den wir ja schon haben: Mindestens eine neue Platte wird es geben, und zwar das Album von Jack White. Und mal sehen, was mir sonst noch so über den Weg läuft. The Wave Pictures und The Vaccines bringen ja beispielsweise auch was neues raus.

Von den zwei geplanten Konzerten im März hätte eigentlich eines schon am 4.03. stattfinden sollen. Aber Mr. Liam Gallagher hatte ein Auftrittsverbot von seinem Arzt (seine Konzertabsagen waren auch schon mal rock’n’rolliger…). Mal schauen, wann das nachgeholt wird… Etwas gemütlicher (Liam hätte im Kölner Palladium gespielt) wird es am 17. mit Drens im Rekorder in Dortmund werden.

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Köstliche Safari und erfolgreiche Flucht

Fünf Restaurants, fünf Gänge, ein Menü am Samstagabend – das ist das Konzept der Gourmet Safari in Castrop-Rauxel, die in diesem Jahr bereits zum fünften Mal stattfand. Zum zweiten Mal waren auch wir mit von der Partie (das erste Mal vor zwei Jahren). Der Safari-Teil beschränkt sich zugegebenermaßen auf einen gemütlichen Spaziergang von einem Restaurant zum nächsten, aber es soll ja auch schön klingen.

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Los ging es im Restaurant Goldschmieding, und zwar mit einem Aperitif und dem „Schorsch vom Hummer“ (siehe Menükarte). Wir haben immer noch nicht herausgefunden, warum es „Schorsch“ heißt (wer helfen kann, bitte vortreten!), aber es handelte sich um so etwas wie ein Hummerwürstchen und war sehr schmackhaft:

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Nächster Gang: die Cremesuppe vom Feldsalat in der Kulisse:

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Der dritte Gang führte ins 1910 und bestand aus Kabeljau auf Gemüse-Muschelfond.

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Gang Nummer vier im Parkbad Süd: Praline von der Ochsenbacke mit Kräuter-Kartoffel-Brandade.

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Und das Finale im Café Residenz: Passionsfruchtsorbet und Malibucrème.

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Jeder Gang für sich war köstlich und zusammen hat das ein tolles Menü ergeben. Dazwischen gab es ja auch immer ein bisschen Bewegung in der kalten Winterluft, so dass man nicht nur satt auf einem Stuhl herumsaß. Ein tolles Konzept, das eine schöne Empfehlung für die teilnehmenden Restaurants ist und gutes Essen zu einem fairen Preis bietet.

Am darauf folgenden Sonntag wartete eine ganz andere Herausforderung auf uns: Mit einigen Freunden besuchten wir einen Escape Room. Im Locked in Bochum mussten wir das Rätsel um „Vier Morde, eine Chance“ lösen, um innerhalb einer Stunde den Schlüssel zu finden, mit dem wird den Raum wieder verlassen durften. Es galt, viele kleine Rätsel und Aufgaben so zusammenzuführen, dass am Ende die Lösung stand und ein fünfter Mord verhindert werden konnte.

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Schachfiguren in bestimmten Zügen zu arrangieren war eine Aufgabe, die zu einem Teil der Lösung führte. 

Da wir zu sechst waren, konnten wir uns diese Aufgaben gut einteilen und kombinierten uns Schritt für Schritt ans Ziel – allerdings auch unter Mithilfe des Locked-Teams. Unsere Spielleiterin hatte uns vorher eröffnet, dass es noch niemand geschafft habe, das Spiel ohne Hilfe zu lösen. Und wir wären ohne ihre Tipps auch aufgeschmissen gewesen, zumindest wären wir mit der Stunde mit Sicherheit nicht ausgekommen. So hatten wir noch 6:32 Minuten Zeit auf der Uhr, als wir den Schlüssel gefunden haben. Auch mit Tipps also eine gute Leistung, die wirklich Spaß gemacht hat. Das war hoffentlich nicht das letzte Mal in einem Escape Room.

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Nachtschicht auf Hansa

Zu Weihnachten habe ich eine Taschenlampenführung auf der Kokerei Hansa geschenkt bekommen. Und warum lange warten, wenn das Wetter am ersten Freitag des Jahres wider Erwarten gut ist?

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Die Führung hat rund 2,5 Stunden gedauert und man erfährt sehr viel über die Arbeit auf der Kokerei. Und im Dunklen ist es natürlich ein besonderes Erlebnis, über das Gelände und durch die imposanten Gebäude zu streifen. Ein Großteil davon wird dabei zudem in schickem Blau erleuchtet. Ein eindrucksvoller Anblick und ein lohnenswerter Ausflug!

Einen schönen Panoramablick auf Dortmund gibt es ebenfalls:

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In der Kompressorenhalle:

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Feierabend!

Die Premieren 2017

Eigentlich könnte ich es mir hier sehr einfach machen und einen nicht gerade kleinen Teil des Textes von dieser tollen Dame hier übernehmen. Schließlich haben wir ja sehr viel davon gemeinsam erlebt.

Zum Beispiel die Reisen und Ausflüge; ich war im vergangenen Jahr zum ersten Mal in Kopenhagen, in einigen Orten der Eifel, in Nizza, Cannes, Antibes und Monaco oder in der Elfringhauser Schweiz und auf dem Rheinsteig. Oder in den Steverauen, in der Elbphilharmonie (zumindest auf der Plaza) und in Bremerhaven (dort besonders im Klima- und im Auswandererhaus, zwei absolute Ausflugshighlights).

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In der Eifel war ich auch zum ersten Mal beim Ziplining, das war ein riesengroßer Spaß.  Ebenfalls (einigermaßen) naturnah war eine nächtliche Führung im Zoo, inklusive Streicheln eines Nashorns. Besonders letzteres war ein einmaliges und wunderbar intensives Erlebnis. Intensiv, wenn auch ganz anders, war meine allererste Teilnahme am Mud Masters Obstacle Run in Weeze. Ich war mir im Vorfeld nicht ganz sicher, aber als ich fertig war, wäre ich am liebsten direkt noch einmal gestartet, so viel Spaß hat das gemacht. Genau wie die Segway Tour, die wir durch den Dortmunder Abend gemacht haben. Auch etwas, was ich vorher noch nie gemacht hatte, aber schon lange mal vorhatte. Genau wie zu einem Spiel der Basketball-Bundesliga gehen. Okay, es war zwar ein Pokalspiel, aber immerhin Bayern München gegen Bonn, was sowohl in der Liga als auch im Pokal als Spitzenspiel durchgeht. War auch Spitze!

Bei den Konzerten gab es natürlich wieder jede Menge Premieren, von denen auch einige einen sehr nachdrücklichen Eindruck in Kopf, Herz und Plattensammlung hinterlassen haben. Endlich auf der Bühne gesehen habe ich letztes Jahr auch Helge Schneider und Rainald Grebe; und ganz bestimmt nicht das letzte Mal. Eine Premiere war für mich auch der Besuch des ???-Vollplaybacktheaters, und auch das hat mir sehr gut gefallen.

Weniger erfreulich, aber immerhin auch weit weniger schlimm als befürchtet, war eine kleine OP an der Kopfhaut. Nix wildes, und es war auch schnell und schmerzlos erledigt. Aber trotzdem eine Erfahrung, auf die man auch gut verzichten könnte.

Für 2018 stehen schon wieder einige Dinge auf dem Plan, die ich wieder zum ersten Mal sehen und/oder erleben werde. Jedes Jahr sollte immer wieder neue Premieren bereit halten, finde ich. Ich bin schon gespannt!

cof

 

Die Alltag und Kultur Awards: Konzerte 2017

Auf den Spitzenplätzen

Loyle Carner (Haldern Pop) 2017 war bei mir das Jahr des Loyle Carner. Und das ging mit dem umwerfenden Konzert im rappelvollen Spiegeltent beim Haldern Pop so richtig los. Da habe ich ja schon einige Wahnsinnsshows gesehen, und dieser Auftritt gehört definitiv dazu!

Slowdive (Way Back When) Erste Reihe, fast mittig, alle Sinne auf vollen Empfang und einfach genießen, in seiner ganzen lauten, epischen Schönheit. Umwerfend gut, ich krieg direkt wieder Gänsehaut.

Arcade Fire (Tanzbrunnen, Köln) Gänsehautmomente en masse inmitten von 12.000 Leuten und bei teilweise noch hellem Sommerhimmel. Endlich Arcade Fire live, endlich Rebellion (Lies) live (Oh! Mein! Gott!). Gigantisch gut!

Who Killed Bruce Lee (FZW, Dortmund) Ich sage es mal so: Wer zurzeit ne bessere Liveband für ein (relative) kleines Clubkonzert finden will, hat es schwer. Die Jungs von WKBL sind einfach sensationell gut!

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Slowdive

Dicht auf den Fersen

Jen Cloher (Maschinchen Buntes, Witten) Dazu habe ich bereits vor einiger Zeit alles gesagt. Begeistert bin ich aber immer noch!

Gurr (Way Back When) Konzerte, zu denen man aus Interesse geht und die einen dann voll aus den Latschen hauen, sind einfach schwer zu schlagen.

The Divine Comedy (Mojo, Hamburg) Da stimmte einfach alles. Sympathisch und charismatisch, wunderbare Popsongs

Portugal. The Man (Way Back When) Liefen jahrelang bei mir unter dem Radar. Wird mir nach diesem beeindruckenden Konzert sicher nicht mehr passieren. Versprochen!

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Jen Cloher

Die Verfolger

Locas in Love (Zeche Carl, Essen) Zehn Jahre Saurus – Grund genug, dieses tolle Album in Gänze auf die Bühne zu bringen. Und sowieso sind die Locas eine wunderbare Band, da lohnt der Konzertbesuch immer.

The Wave Pictures (Subrosa, Dortmund) Die sind immer Garanten für ein schönes Konzert. Einfach, weil sie selbst so viel Spaß dabei haben.

Die Höchste Eisenbahn (Haldern Pop) Die sind immer Garanten für ein schönes Konzert. Einfach, weil sie selbst so viel Spaß dabei haben. (Nein, das ist kein Copy-/Paste-Fehler, das gilt schlicht und einfach für beide Bands exakt gleich.)

Kate Tempest (Haldern Pop) Die Frau hat was zu sagen, und sie sagt es auf beeindruckende Weise. Keine leichte Kost, sollte man aber nicht verpassen.

 

Die gute Basis

Buster Shuffle (Trompete Bochum), Motorama (FZW, Dortmund), Sparkling (Cardinal Sessions Köln), Shame (Cardinal Sessions Köln), Paul Weller (Ringlokschuppen, Bielefeld), His Clancyness (Etepetete Festival), The Amazons (Haldern Pop), Nick Waterhouse (Haldern Pop), Idles (Haldern Pop), Warbly Jets (Way Back When), Jake Isaac (Way Back When)

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Paul Weller

Außer Konkurrenz

Rainald Grebe (Werk°Stadt, Witten), Helge Schneider (Philharmonie, Köln), The Ukulele Orchestra of Great Britain (Heinz-Hilpert-Theater, Lünen) Die waren alle auf ihre Weise sehr brillant, unterhaltsam und lustig.

Man sieht also: Das Konzertjahr 2017 war sehr ergiebig. Tolle Künstlerinnen und Künstler, die ich zum ersten Mal gesehen habe, viele wunderbare Acts, die immer wieder super sind. Und die ersten Tickets für das nächste Jahr sind natürlich auch schon gekauft. Es muss schließlich immer Musik da sein!

 

Nissa la bella – fell in love with a city

Da das Wetter draußen seit Tagen eher dazu einlädt, möglichst wenig vor die Tür zu gehen, wird es höchste Zeit, einen Blick über die immer noch leicht sonnengebräunte Schulter zu werfen und sich lächelnd an den diesjährigen Sommerurlaub zu erinnern.

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Die Reise ging dieses Mal nach Nizza. Im Gegensatz zu anderen Orten an der Côte d’Azur ist Nizza ein bezahlbares Pflaster, sowohl was die Unterkunft als auch die Ausgaben vor Ort angeht. Denn Nizza ist eine Großstadt, in der man natürlich auch den Reichtum der „French Riviera“ zu sehen bekommt, in der aber eben auch normale Leute leben und den Alltag bestimmen.

Stadt

Aus Touristensicht ist das ein sehr schöner Alltag. Der überwiegende Teil des Jahres ist sonnig und warm, man hat das wunderschöne, türkisfarbene Mittelmeer vor der Tür, und direkt dahinter schließt eine traumhafte Altstadt an; und auch die weitere Stadt, die wir gesehen haben, war . Dazu gibt es wunderbar leckeres Essen, köstlichen Roséwein und im Hinterland schöne Berglandschaften.

Essen

Da wir ja schließlich Touristen waren, haben wir all diese Vorzüge uneingeschränkt genossen. Na gut, im Hinterland waren wir nicht wirklich, was hauptsächlich daran lag, dass wir nur neun Tage dort waren. Aber ansonsten war das ein herrlich entspannter Urlaub. Viel Strand und Meer, zwei Ausflüge (nach Cannes und Antibes sowie nach Monaco) und Spaziergänge durch die Stadt, viel draußen sein. Ohne viel Plan, ohne Zwang in den Tag hinein leben, die Uhrzeit Uhrzeit sein lassen; eben einfach entspannen. Das geht unter anderem auch deshalb so gut, weil die Leute dort selbst entspannt sind. Liegt vielleicht am Meer und am schönen Wetter. Selbst die Touristen sind da nicht großartig negativ aufgefallen.

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Man sagt ja über Urlaub immer, dass er viel zu schnell vorbeigeht. Bei diesem hier war das tatsächlich noch akuter als sonst. Erstens weil er ohnehin recht kurz war; zweitens weil ich mich ein bisschen in diese Stadt verliebt habe und gerne noch viel mehr Zeit dort verbracht hätte. Nach Nizza komme ich bestimmt noch mindestens einmal zurück!

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Gehört und gesehen: Haldern Pop 2017

„Ah, Haldern Pop – wer spielt denn da so? Kennt man da jemanden?“ Tja, gute Frage. Kommt halt darauf an, was und wen man so kennt. Die Frage wird jedenfalls häufig gestellt, wenn man erzählt, dass man nach Haldern fährt. „Man“ kennt tatsächlich meistens einige wenige Bands und Künstler – in diesem Jahr zum Beispiel Clueso oder AnnenMayKantereit. Die mich aber nicht interessieren, weshalb ich die in meiner Antwort auf die Frage öfter unbewusst gar nicht erwähnt habe. Von den weiteren Bands kennt „man“ dann eher weniger, auch wenn viele beim Haldern-Publikum durchaus gut bekannt sind und auch ich mich auf sie gefreut habe.

Es ist seit Jahren ein beliebtes Thema und Haldern-Fahrern (und erst recht im Forum der Website – wer sich mal über Luxusprobleme von Festivalgängern amüsieren möchte, ist da genau richtig!) – früher war mehr Lametta waren mehr „große“ Namen da, früher gab es mehr Indie, mehr Rock, mehr wasweißichnichtalles. Stimmt auch oft. Lässt sich aber auch nicht ändern. Die Gründe für die Veränderung des Festivals, des Bookings etc. lassen sich an vielen Stellen ausführlich nachlesen.* Worauf man sich aber immer verlassen kann: In Haldern hat man ein gutes Wochenende, und das Haldern-Team hat (immer noch) eine Nase für Künstler, die an der Schwelle zum Durchbruch stehen und für Künstler, die nicht nur ihr 0815-Festival-Set spielen. Viele Künstler kommen tatsächlich gerne nach Haldern.

Ich auch. Deswegen gehört das Festival seit 2005 zu den Fixpunkten meines Jahreskalenders. Und es ist schon lange mehr als ein Musikfestivalwochenende. Es ist ein Kurzurlaub mit Heimatgefühl. Da lasse ich auch mal ein Konzert am frühen Samstagnachmittag sausen, um noch ein bisschen mit der Campinggruppe zu plaudern, zu grillen, Karten oder Looping Louie zu spielen. Haldern ist eben auch: wohlfühlen und entspannen.

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Wellness-Programm „Festivalwochenende“

Viel Musik gibt es aber natürlich trotzdem immer. Obwohl die geplanten Konzertbesuche dieses Mal durch den Dauerregen am Donnerstag beschnitten wurden. Die angepeilten Acts auf der Hauptbühne (Get Well Soon, A Blaze Of Feather, Conor Oberst) habe ich daher nicht gesehen. Dafür Nothing. Also die Band, nicht nichts…

Am Freitag war dann aber auch endlich richtig Musik drin. Und zwar im Spiegeltent – noch so eine Haldern-Besonderheit, diese Bühne in einem wunderschönen Zelt. Ich war noch nie so lange am Stück dort drin wie an diesem Freitag, nämlich von ca. 16 Uhr bis ca. 23 Uhr. Gesehen und gehört habe ich Loyle Carner, Die Höchste Eisenbahn, The Amazons, Matthew and the Atlas, Mammal Hands und Aldous Harding. Eine kleine Weile Käptn Peng & die Tentakel von Delphi auf der Hauptbühne war zum Abschluss auch noch dabei.

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im Spiegeltent

Der Samstag dagegen war dann der Hauptbühne gewidmet. Und zwar mit Kate Tempest, Nick Waterhouse, Bear’s Den, The Afghan Whigs und ein paar Minuten Bilderbuch. Der letzte Act waren dann die Idles im Zelt. Bzw. haben wir den größten Teil davon auf einer Bank im Biergarten verfolgt.

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Bear’s Den

Das Konzertrating:

Highlights: Loyle Carner (meine Entdeckung des Wochenendes, und hatte mit „No CD“ (im Link) einen meiner Hits des Jahres dabei), Kate Tempest, Die Höchste Eisenbahn (immer wieder wunderbar), Idles (einfach großartig abgefahren!)

Sehr gut: The Amazons, Nick Waterhouse, Bear’s Den (vor allem wegen des „Haldern-Moments“)

Gut: The Afghan Whigs, Matthew and the Atlas, Nothing

“Tat nicht weh” bis “Hätt ich nicht gebraucht”: Käptn Peng & DTvD (schade, aber das kam bei mir – nicht nur akustisch – nicht so richtig an), Mammal Hands, Bilderbuch, Aldous Harding.

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Kate Tempest

Insgesamt habe ich schon mehr Konzerte in Haldern gesehen, aber der angesprochene Donnerstag hat da einen Strich durch die Rechnung gemacht, ebenso wie die erwähnte Prioritätensetzung. Und ehrlicherweise hatte ich dieses Jahr auch erst gar keine große Lust, zur Pop Bar zu laufen, da die meistens sowieso überlaufen ist. Sløtface hätte ich zum Beispiel eigentlich sehr gerne gesehen.

Im See war ich dieses Jahr auch nicht schwimmen – war mir schlicht zu kalt bei Temperaturen um die 20 Grad, schließlich kamen wir frisch aus dem Nizza-Urlaub. Dafür war es wieder mal wunderbar in unserer (dieses Jahr so kleinen wie lange nicht mehr) Campingrunde, es war alles angenehm ruhig und reibungslos, das Wetter war dann insgesamt doch besser als gedacht, das Publikum war erfreulich aufmerksam und wenig anstrengend, und überhaupt: Es war wieder ein herrliches Haldern-Wochenende.

 

*“früher“ gab es in Haldern übrigens auch nur eine Handvoll Dixiklos (gefühlt) und spärliche bis gar keine Duschmöglichkeiten. Manche Sachen werden eben doch mit der Zeit viel, viel besser.