24 Stunden in München

Kürzlich war ich für ein paar Tage beruflich in München, genauer gesagt auf einer Messe. Die ging bis Samstagnachmittag, und da bot es sich an, den Münchener Freunden einen Besuch abzustatten und den Aufenthalt bis zum Sonntagabend zu verlängern. Also quasi ein 24-Stunden-Mini-Urlaub in der bayerischen Hauptstadt. Und der wurde, dank der und mit den Freunden, optimal genutzt!

Am Samstagabend waren wir in der Österia, einem – das war jetzt wirklich nicht schwer zu erraten – österreichischen Restaurant, in dem man nicht nur sehr gut essen, sondern auch Weine, Spirituosen und andere Leckereien aus dem Süden kaufen kann. Und das in sehr, sehr schöner Atmosphäre. Ein Besuch lohnt sich!

Am Sonntag sind wir nach einem ausgiebigen Frühstück bei schönstem Sonnenschein an den verschneiten Ufern der Isar spazieren gegangen. Nach gut zwei Stunden froren zwar langsam die Gesichtsmuskeln ein, aber es war so schön draußen, da konnte man das verschmerzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. 😉

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Nach einem Kaffee zum Aufwärmen im Café Bald Neu (und einem weiteren bei meinen Gastgebern) ging es dann in Richtung Audi Dome – der FC Bayern Basketball spielte gegen die Telekom Baskets Bonn. Ich wollte ohnehin schon lange mal ein BBL-Spiel live sehen, somit rannte der Vorschlag bei mir offene Türen ein. Von unseren Plätzen in der 5. Reihe hatten wir einen super Blick auf das Spielfeld. Und auf die gesammelte Prominenz (Sammer, Hoeneß, Buschmann, Pesic) auf der VIP-Tribüne.  Aber natürlich hauptsächlich auf das Spielgeschehen, das viel Spaß gemacht  hat und viel Unterhaltungswert bot. Ist einfach ein toller Sport. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

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Danach ging es dann für mich auch schon wieder Richtung Flughafen, wo ich beim Einchecken meines Handgepäcks noch ein sehr nettes Gespräch mit den Mitarbeitern am Band hatte, inklusive Ausblick auf den Super Bowl. Und schon waren die 24 Stunden Freizeit in München vorbei. Schön war es!

Happy birthday, Erasmus!

Gestern wurde das Erasmus-Programm, mit dem (nicht nur) Studierende ein oder mehrere Semester im Ausland verbringen können, 30 Jahre alt. Vor mittlerweile gut 13 Jahren (und zack, fühle ich mich richtig alt) habe ich selbst die Erfahrung eines Erasmus-Semesters gemacht, und zwar an der University of Central England (die heute ganz anders heißt, wie der Link zeigt) in Birmingham, UK. Und auch wenn das hier wahrscheinlich nur wenige potenzielle Erasmus-Kandidaten lesen werden: Ich kann es nur jedem empfehlen, der/die die Möglichkeit hat. Und vielleicht kennt ja hier jemand jemanden…

Klar, das Klischee des Auslandssemesters besagt, dass man dort sowieso nur feiert, viel Freizeit hat und wenig für die Uni macht. Tja nun, so ganz von der Hand weisen kann ich das nicht. Angesichts von – wenn ich mich richtig erinnere – zehn Semesterwochenstunden blieb dazu auch tatsächlich viel Zeit. (Auch wenn ich für die Seminare natürlich auch einiges an Arbeit zu erledigen hatte.) Ja, wir haben viel gefeiert, viel unternommen und auch viel einfach nur in unserer WG-Küche gesessen und gequatscht. Aber letztlich ist das doch auch genau ein wesentlicher, wertvoller Teil der Erasmus-Idee: Menschen aus verschiedenen Ländern kommen zusammen, lernen sich kennen, lernen in und von einem anderen Land und lernen voneinander. Was vielleicht hochtrabend klingt, aber natürlich ganz besonders beim alltäglichen Zusammenleben stattfindet.

In meiner WG auf dem Campus waren neben mir noch fünf weitere BewohnerInnen – und alle kamen wir aus unterschiedlichen Ländern. So wohnte ich anfangs mit einem Italiener, einer Französin, einer Schwedin, einem Spanier und einem Norweger zusammen. Und es war toll! Ich habe viel über andere Länder, andere Kulturen und auch – klingt schon wieder hochtrabend und nach Ratgeberbüchern – über mich selbst gelernt. Viel mehr, als ich es dort an der Uni hätte lernen können, denn dort waren natürlich die britischen Studierenden klar in der Überzahl. Genau wie im Uni-Fußballteam – dort habe ich dann wiederum so einiges über die Briten gelernt. Und um endlich auch mal ein Klischee zu bestätigen: Ja, der Fußball dort war härter. Und um ein anderes gleich aus der Welt zu räumen: Nein, als einziger Deutscher des Teams musste ich mir nicht einen dummen Spruch anhören. Im Gegenteil.

Während ich also im Alltag viele nette, unterschiedliche Menschen kennengelernt, ganz neue Dinge und Orte erlebt und Erfahrungen gemacht habe, haben die Uniseminare und das Fußballteam „ganz nebenbei“ auch mein Englisch gehörig aufpoliert – noch eine Tatsache, von der ich bis heute profitiere. Auch das ist ja ein Zweck eines solchen Semesters. Und auch wenn sich der Kontakt zu meinen ehemaligen Mitbewohnern mittlerweile (leider!) auf die virtuelle Welt beschränkt (Zeit, das mal wieder zu ändern), ich würde jedem ohne mit der Wimper zu zucken ein Erasmus-Semester oder -Jahr empfehlen. Egal, in welchem Land. Es lohnt sich!

 

 

 

Alltag und Kultur Award 2016: Die Konzerte

Während in unserem TV via YouTube die Live-Übertragung der Elbphilharmonie läuft (wie geil ist das denn bitte?), kommt hier der letzte Rückblick auf das vergangene Jahr. Passenderweise führt er uns in die Clubs, Konzerthallen, Festivallocations und ja, auch in ein Konzerthaus. Zwar waren es insgesamt eher weniger besuchte Konzerte, aber dank drei Festivals gab es trotzdem jede Menge Bands zu sehen und zu hören. Die 15 besten und prägendsten Konzerte kommen hier:

  • Who Killed Bruce Lee, FZW Dortmund: Der (Überraschungs-)Sieger 2016. Überraschung deshalb, weil ich bis kurz vor dem Konzert nie von ihnen gehört hatte. Und dann wurden wir einfach umgehauen von so viel Kraft, Energie, toller Ausstrahlung und natürlich guter Musik. Fast auf den Tag genau ein Jahr später werden wir sie an gleicher Stelle wiedersehen – ein Konzert, das ich hiermit jedem ans Herz legen kann.
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Who Killed Bruce Lee

  • Yak, Spiegeltent Haldern Pop: Im Vorfeld fast genauso unbekannt wie WKBL, hinterher genauso begeistert. Nur anders, weil musikalisch anders. Das Highlight des Festivals für mich, und die Begeisterung hält immer noch an.
  • The Ukulele Orchestra of Great Britain, Konzerthaus Dortmund: Ganz klar der größte Konzertspaß 2016. Sieben Frauen und Männer, Ukulelen und Stimmen, Songs aus allen Richtungen. Und natürlich machen die nicht nur Spaß, sondern sind auch ausgezeichnete Musiker.
  • Matt Wilde, Zeche Carl Essen: Young Rebel Set sind nicht mehr, aber zum Glück bleibt ihre Stimme erhalten. Matt Wilde spielt seine Songs jetzt solo (bzw. mit zweiter Gitarre als Begleitung), und sie sind zum Glück weiterhin grandios. Ganz besonders in einem so intimen Rahmen wie im Foyer der Zeche Carl.
  • Die Höchste Eisenbahn, Zeche Carl Essen: Im etwas größeren Raum, aber dennoch wunderschön war das Konzert der Höchsten Eisenbahn.
  • Otherkin, FZW Dortmund (Way Back When): Noch eine mir bis dato ziemlich unbekannte Band, noch ein Festivalhighlight: Otherkin aus Irland. Dieses Jahr kommt das Debutalbum – ich bin gespannt!
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Auf der Bühne mit Otherkin!

  • Bernd Begemann, Sissikingkong Dortmund: Der Meister war in Hochform und spielte (Pause mit eingerechnet) jede Menge Hits in gut 3,5 Stunden – und warum auch nicht, es war ja ein Freitagabend.
  • Tocotronic, FZW Dortmund (Way Back When): Noch mehr gut aufgelegte (Alt-)Meister! Umso bedauernswerter, dass es eines der letzten Konzerte auf unbestimmte Zeit war, denn das war wirklich großer Sport!
  • Augustines, FZW Dortmund (Way Back When): Ebenfalls auf Abschiedstournee, ebenfalls voller Energie und guter Laune. Eine richtig tolle Show!
  • Jungle By Night, Lagerhalle Osnabrück (Popsalon): Jede Menge Musiker, viele Instrumente, kein Gesang. Macht: Euphorie und gute Laune
  • We Were Promised Jetpacks, FZW Dortmund (Way Back When): Die Jetpacks sind so großartig, und zwar jedes Mal aufs Neue. Die könnte ich mir monatlich angucken, ohne dass es mir so schnell langweilig wird!
  • Motorama, Lagerhalle Osnabrück (Popsalon): Wenn Joy Division sich vor wenigen Jahren gegründet hätten und aus Russland kämen, dann käme ungefähr Motorama raus. Und live war das ziemlich sehr cool!
  • Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, The Tube Düsseldorf: Immer ein Garant für einen gelungenen Konzertabend. So auch im Januar 2016, als sie unser Konzertjahr eröffneten.
  • Ben Caplan & The Casual Smokers, Hauptbühne Haldern Pop: Was. Für. Eine. Stimme. Dazu ne gute Begleitband und gute Songs, macht ein hervorragendes Konzert an einem Festivalnachmittag (!).
  • Jamie Lidell & The Royal Pharaos, Kantine Köln: Jamie Lidell ist einfach ein cooler Typ, der in diesem Fall eine hervorragende Soulband im Gepäck hatte. Selbst das eigenartige Publikum in der Kantine konnte diesen Sonntagabend nicht wirklich tr

Und die nächsten Konzerte stehen schon unmittelbar vor der Tür, denn in diesem Jahr beginnt die Festivalsaison für uns sehr früh: Am kommenden Samstag warten die Cardinal Sessions im Kölner Gebäude 9. Vorfreude!

Alltag und Kultur Awards 2016: Die Bücher

2016 war ein Lesejahr. Überhaupt, lesen: toll! Ich werde schon immer leicht nervös, wenn ich mich dem Ende des letzten noch nicht gelesenen Buchs auf meinem Tolino nähere – dann muss möglichst schnell Nachschub her. Aktuell bin ich zum Glück versorgt, und das Jahr startet, wie es für mich literarisch kaum besser könnte: mit dem neuen Buch von T.C. Boyle, einem meiner Lieblingsautoren (na gut, angefangen habe ich damit schon Ende 2016): The Terranauts. Ich bin ca. zu drei Vierteln durch und kann es schon empfehlen. Wie eigentlich alles von ihm.

Im vergangenen Jahr hat es lesetechnisch auch richtig gut angefangen. Gestartet bin ich mit Karlheinz von Billy Hutter, einem in vielerlei Hinsicht merkwürdigen Buch. Vor allem aber ist es gut! Genauso wie ich folgende Bücher, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe, guten Gewissens weiterempfehlen kann und möchte:

Ein Nachtrag zum doppelt auftauchenden Robert Seethaler: Den habe ich im vergangenen Jahr für mich entdeckt – irgendwo wurde Der Trafikant empfohlen und ich habe es gekauft. Und gelesen und geliebt. Beide seiner Bücher in meiner Liste sind sprachlich so toll – schnörkellos und fast schon knapp erzählt, und doch ausdrucksvoll und so präzise, dass man sich förmlich als Teil der Geschichte wähnt. Und beide haben mir so gut gefallen, dass es für die direkt danach kommenden Bücher richtig schwer war, mich zu begeistern. Ein drittes Buch von ihm liegt schon bereit, und das wird bestimmt nicht das letzte gewesen sein!

Natürlich waren auch ein paar weniger tolle Bücher dabei, aber es gab dann doch nur eins, das ich abgebrochen habe: A Brief History Of Seven Killings von Marlon James. Wurde in mehreren Buchhandlungen empfohlen, der Klappentext las sich auch gut. Aber ich komme bisher nicht damit zurecht. Hauptsächlich liegt das an dem jamaikanischen Slang, in dem das Buch geschrieben ist, den finde ich wahnsinnig anstrengend zu lesen. Aber ich nehme bestimmt noch einmal einen neuen Anlauf!

Rückblick auf und Premieren in 2016

Was ist, wenn es nicht an 2016 liegt, sondern daran, dass unsere Idole mittlerweile in einem Alter sind, in dem das Sterben immer wahrscheinlicher wird? Das ist die sinngemäße Zusammenfassung eines Tweets, den ich neulich gelesen habe und der natürlich den Nagel auf den Kopf trifft. Als Generation zwischen 25 und 45 sind unsere (Kindheits-)Idole nun einmal meistens ca. 20+ Jahre älter als wir – mal ausgenommen aktuelle Sport- und Showbusinessstars. Und das erhöht die Wahrscheinlichkeit – na Sie wissen schon… Einem Jahr dafür die Schuld zu geben ist fast noch absurder, als jemanden nach seiner Herkunft zu beurteilen und in eine Ecke zu stellen. Auch wenn es natürlich das Einfachste ist. Wie es ja überhaupt (nicht erst) in 2016 immer mehr in Mode zu kommen schien, alles immer möglichst einfach darzustellen und gegeneinander auszuspielen. In dieser Hinsicht, so ganz allgemein, war das vergangene Jahr ein eher besorgniserregendes.

Für mich ganz persönlich war 2016 dagegen kein schlechtes Jahr. Im Gegenteil. Ich habe unter anderem

  • tolle (neue) Orte gesehen und kennengelernt. Neu waren z.B. Riga (wunderschön), das Ahrtal (ebenso) oder die dänische Halbinsel Als, und dort insbesondere Nordborg-Købingsmark (dito!), und noch einige Orte mehr;
  • habe mit vielen lieben Menschen freudige Anlässe wie Hochzeiten oder Geburtstage gefeiert, schöne Sachen unternommen oder einfach nur nett zusammengesessen;
  • habe neue Dinge gemacht, ausprobiert und erlebt: zum Beispiel mit einem Alpaka spazieren gehen – das kann ich vorbehaltlos empfehlen, es war wunderbar herrlich; möglich ist das bei Daniels kleiner Farm in Castrop-Rauxel.
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Mein Alpaka-Freund Hurricane 😉

  • Ich war als Zuschauer bei einem Profi-Darts-Turnier der Professional Darts Corporation (PDC), was Spaß gemacht hat und interessant war.
  • Ich habe bei der Trilogy Challenge mitgemacht, eine weltweite Disc Golf Turnierserie, die in Lünen von den Ruhrpott Putters hervorragend organisiert wurde. Freue mich schon auf die nächste Ausgabe!
  • Ich war beim Weihnachtsflair auf Schloss Bodelschwingh und beim milttelalterlichen Lichter-Weihnachtsmarkt im Fredenbaumpark, was beides sehr schön und atmosphärisch war.
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Tolle Atmosphäre: Der Lichter Weihnachtsmarkt

  • Ich hatte viele schöne Konzertmomente mit bekannten Helden und neuen Bands. Neu dabei waren z.B. die fantastischen Who Killed Bruce Lee, das grandiose Ukulele Orchestra of Great Britain, Otherkin, Yak, Motorama oder Jungle By Night.
  • Es gab tolle Bücher und Lesungen, Museumsbesuche, neue Alben und feine Ausflüge, einige gute Filme und schöne Ausstellungen. Es gab sogar eine Sneaker Convention, was auch in vielerlei Hinsicht interessant war. Und auch eine Premiere. Genauso wie das Eintauchen in die Welt der Streamingdienste (als wahrscheinlich einer der letzten Menschen…): Hallo Netflix, hallo DAZN!

Es gab also viel neues zu tun und entdecken. Und das ist gut so. Wie schrieb Frau Nessy so treffend: „Man sollte immer ausreichend Dinge zum ersten Mal tun.“ Sehe ich genauso, halte ich genauso. Die ersten Dinge dazu sind für 2017 schon gebucht und geplant, und oft kommt ja auch spontan noch das eine oder andere dazu. Und ich freue mich drauf.

Die Alltag und Kultur Awards 2016: Die Alben

2016 war ein komisches Jahr. Gut, das werden viele sagen, und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Aber für mich persönlich war es in Sachen Musik hören tatsächlich ein eigenartiges Jahr, das (gefühlt) in zwei Abschnitte geteilt war. Im ersten habe ich sehr viel und sehr aufmerksam neue Musik, neue Alben gehört. Im zweiten dann eher nicht so, was etwas ungewöhnlich ist und auch keinen bestimmten Grund hat. Nur unser seit etwa einem Monat defektes Autoradio verhindert zumindest dort das aufmerksame Hören der Alben.

Und trotzdem haben sich (auch im zweiten Abschnitt) mehr als genug Alben gefunden, von denen ich 2016 begeistert war und die es wert sind, hier aufgenommen zu werden. Aber es fehlen mit Sicherheit auch einige. Spontan fällt mir da Motorama ein, deren neues Album ich noch nicht gebührend gewürdigt habe. Oder Gurr, da will ich auch dringend mal reinhören. Ebenso wie bei Die Heiterkeit. Oder, oder, oder…

Aber jetzt zu denen, die es sich in diesem Jahr verdient haben. Ohne großartiges Ranking, mit Ausnahme der ersten drei. Die gehören genau da hin, in genau dieser Reihenfolge.

Kate Tempest – Let Them Eat Chaos

Die Frau kann zurzeit eigentlich nichts falsch machen. Erstes Album super, erster Roman großartig, umjubelte Konzerte und Gedichte – und ein zweites Album, das diesem Druck problemlos standhält. Und in jedem Track ein Ausrufezeichen setzt. Mit der Faust. Kate Tempest ist eine große Erzählerin unserer Zeit, der man meiner bescheidenen Meinung nach zuhören sollte. Dazu eignet sich dieses Album ganz hervorragend!

Jack White – Acoustic Recordings

Ketzerisch könnte man jetzt sagen, ein Album mit „alten“ Songs in Akustikversionen auf Platz zwei meiner Jahrescharts spricht gegen das Musikjahr 2016. Wer das so sehen will, bitte. Ich sage: Es spricht für die Songs von Jack White. Diese Sammlung aus seiner gesamten bisherigen Karriere zeigt einfach, wie viele gute Songs der Mann geschrieben hat. Und da sind ja viele „Hits“ noch gar nicht mit drauf. Aber alleine Carolina Drama, du liebe Zeit, was ist das für ein grandioser Song. Die Platzierung ist also mehr als gerechtfertigt.

Sulk – No Illusions 

Zweites Album, zweiter großer Wurf. Sulk klingen auch auf No Illusions so, als wären die späten 1980er/frühen 1990er Jahre in Manchester immer noch in vollem Gange. Das allein wäre ja schon Grund genug, sie gut zu finden. Aber natürlich gehören dazu auch gute Songs, und die haben Sulk reichlich im Gepäck. Da gibt es eigentlich keine Ausreißer nach unten. Wenn ich mich aber für Anspieltipps entscheiden müsste, wären das Black Infinity (Upside Down) und Queen Supreme. Aber hört am besten selbst, und zwar am besten das ganze Album.

Außerdem gut 2016 (jetzt aber wirklich in willkürlicher Reihenfolge):

Yak – Alas Salvation: Mit wenig mehr als der vagen Ahnung, dass das richtig gut sein könnte, in Haldern gesehen. Und es war: grandios. CD noch vor Ort gekauft, alles richtig gemacht. Laut, „wild“, anders, gut!

Die Höchste Eisenbahn – Wer bringt mich jetzt zu den anderen: Ich habe ein paar Hördurchgänge gebraucht, bis ich damit warm wurde. Dafür wurde ich dann richtig warm damit. Wie schon auf dem ersten Album: Wunderbare Songs voller Klugheit und Witz.

Violent Femmes – We Can Do Anything: Huch, die gibt’s noch? Ja, und zwar ziemlich gut in Form. Nicht mehr so ungestüm wie früher, aber die charakteristische Stimme und diese einmalige Bassgitarre schaffen immer noch einen einmaligen Sound.

Mozes And The Firstborn – Great Pile Of Nothing: Auch auf dem zweiten Album klingt diese immer noch viel zu unbekannte Band aus Holland wieder fantastisch und hat großartige Gitarrenpopsongs dabei.

Hooton Tennis Club – Big Box Of Chocolate: Exakt das gleiche könnte ich im Grunde auch über Hooton Tennis Club sagen. Nur dass sie aus England kommen und gleichzeitig klingen, als währen sie aufs Pavement College gegangen.

Isolation Berlin – Und aus den Wolken tropft die Zeit: Ich bin ja Hypes gegenüber gerne kritisch, aber Isolation Berlin rechtfertigen das TamTam, das die (Musik-)Presse um sie gemacht hat. Melancholisch-rotzig und starke Songs. Wirklich gut!

The Thermals – We Disappear: Wo The Themals draufsteht ist immer The Thermals drin. Klingt langweilig, aber das Gegenteil ist der Fall: Es ist immer gut. Und mit Thinking Of You ist sogar ein heißer Anwärter auf den Song des Jahres dabei.

PJ Harvey – The Hope Six Demolition Project: PJ Harvey gehört zu den Künstlerinnen, mit denen ich mich immer mal mehr beschäftigen wollte. Warum also nicht mal mit diesem Album anfangen? Hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt!

Cast – Troubled Times: Ja, auch Cast gibt es noch. Bzw. wieder. Damals wie heute machen sie schöne Britpopsongs, die das musikalische Rad noch nie neu erfunden haben, aber einfach, nunja, schön sind. Und mehr braucht man doch eigentlich nicht, oder?

Skinny Lister – The Devil, The Heart, The Fight: Sogar aus den traurigen Songs hörte man die Freude der Band heraus. Skinny Lister machen einfach immer Spaß, was aber natürlich nicht alles ist. Sie machen auch viele sehr gute Songs!

 

Song des Monats: November 2016

Diesen Monat führt kein Weg vorbei an Kate Tempest. Ja, ich weiß, das mag nicht übermäßig originell sein, denn wie ich neulich in einem Gespräch schon um die Ohren bekam: Die wird ja total gehypt im Moment! Stimmt. Und zwar zu Recht. Und: Ich fand die schon vor dem (großen) Hype richtig gut. So!

Wie auch immer: Kate Tempest hat vor einigen Wochen ihr neues Album „Let Them Eat Chaos“ rausgebracht. Und eigentlich müsste hier das ganze Album stehen, denn auch wenn die einzelnen Songs für sich alleine stark sind, hängen sie im Grunde auch zusammen. Das Album erzählt eine Geschichte. Die solltet ihr euch aber am besten selbst anhören, denn glaubt mir: Es lohnt sich!

Stellvertretend für das Album gibt es hier also den Track „Europe is lost“. Der wiederum ist schon fast ein Jahr alt, hat es dennoch und berechtigt aufs Album geschafft und ist angesichts dessen, was seit seiner ersten Veröffentlichung alles passiert ist, wahrscheinlich aktueller denn je. Und bitte: