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Happy birthday, Erasmus!

Gestern wurde das Erasmus-Programm, mit dem (nicht nur) Studierende ein oder mehrere Semester im Ausland verbringen können, 30 Jahre alt. Vor mittlerweile gut 13 Jahren (und zack, fühle ich mich richtig alt) habe ich selbst die Erfahrung eines Erasmus-Semesters gemacht, und zwar an der University of Central England (die heute ganz anders heißt, wie der Link zeigt) in Birmingham, UK. Und auch wenn das hier wahrscheinlich nur wenige potenzielle Erasmus-Kandidaten lesen werden: Ich kann es nur jedem empfehlen, der/die die Möglichkeit hat. Und vielleicht kennt ja hier jemand jemanden…

Klar, das Klischee des Auslandssemesters besagt, dass man dort sowieso nur feiert, viel Freizeit hat und wenig für die Uni macht. Tja nun, so ganz von der Hand weisen kann ich das nicht. Angesichts von – wenn ich mich richtig erinnere – zehn Semesterwochenstunden blieb dazu auch tatsächlich viel Zeit. (Auch wenn ich für die Seminare natürlich auch einiges an Arbeit zu erledigen hatte.) Ja, wir haben viel gefeiert, viel unternommen und auch viel einfach nur in unserer WG-Küche gesessen und gequatscht. Aber letztlich ist das doch auch genau ein wesentlicher, wertvoller Teil der Erasmus-Idee: Menschen aus verschiedenen Ländern kommen zusammen, lernen sich kennen, lernen in und von einem anderen Land und lernen voneinander. Was vielleicht hochtrabend klingt, aber natürlich ganz besonders beim alltäglichen Zusammenleben stattfindet.

In meiner WG auf dem Campus waren neben mir noch fünf weitere BewohnerInnen – und alle kamen wir aus unterschiedlichen Ländern. So wohnte ich anfangs mit einem Italiener, einer Französin, einer Schwedin, einem Spanier und einem Norweger zusammen. Und es war toll! Ich habe viel über andere Länder, andere Kulturen und auch – klingt schon wieder hochtrabend und nach Ratgeberbüchern – über mich selbst gelernt. Viel mehr, als ich es dort an der Uni hätte lernen können, denn dort waren natürlich die britischen Studierenden klar in der Überzahl. Genau wie im Uni-Fußballteam – dort habe ich dann wiederum so einiges über die Briten gelernt. Und um endlich auch mal ein Klischee zu bestätigen: Ja, der Fußball dort war härter. Und um ein anderes gleich aus der Welt zu räumen: Nein, als einziger Deutscher des Teams musste ich mir nicht einen dummen Spruch anhören. Im Gegenteil.

Während ich also im Alltag viele nette, unterschiedliche Menschen kennengelernt, ganz neue Dinge und Orte erlebt und Erfahrungen gemacht habe, haben die Uniseminare und das Fußballteam „ganz nebenbei“ auch mein Englisch gehörig aufpoliert – noch eine Tatsache, von der ich bis heute profitiere. Auch das ist ja ein Zweck eines solchen Semesters. Und auch wenn sich der Kontakt zu meinen ehemaligen Mitbewohnern mittlerweile (leider!) auf die virtuelle Welt beschränkt (Zeit, das mal wieder zu ändern), ich würde jedem ohne mit der Wimper zu zucken ein Erasmus-Semester oder -Jahr empfehlen. Egal, in welchem Land. Es lohnt sich!