Schlagwort-Archive: Haldern Pop

Gehört und gesehen: Haldern Pop 2017

„Ah, Haldern Pop – wer spielt denn da so? Kennt man da jemanden?“ Tja, gute Frage. Kommt halt darauf an, was und wen man so kennt. Die Frage wird jedenfalls häufig gestellt, wenn man erzählt, dass man nach Haldern fährt. „Man“ kennt tatsächlich meistens einige wenige Bands und Künstler – in diesem Jahr zum Beispiel Clueso oder AnnenMayKantereit. Die mich aber nicht interessieren, weshalb ich die in meiner Antwort auf die Frage öfter unbewusst gar nicht erwähnt habe. Von den weiteren Bands kennt „man“ dann eher weniger, auch wenn viele beim Haldern-Publikum durchaus gut bekannt sind und auch ich mich auf sie gefreut habe.

Es ist seit Jahren ein beliebtes Thema und Haldern-Fahrern (und erst recht im Forum der Website – wer sich mal über Luxusprobleme von Festivalgängern amüsieren möchte, ist da genau richtig!) – früher war mehr Lametta waren mehr „große“ Namen da, früher gab es mehr Indie, mehr Rock, mehr wasweißichnichtalles. Stimmt auch oft. Lässt sich aber auch nicht ändern. Die Gründe für die Veränderung des Festivals, des Bookings etc. lassen sich an vielen Stellen ausführlich nachlesen.* Worauf man sich aber immer verlassen kann: In Haldern hat man ein gutes Wochenende, und das Haldern-Team hat (immer noch) eine Nase für Künstler, die an der Schwelle zum Durchbruch stehen und für Künstler, die nicht nur ihr 0815-Festival-Set spielen. Viele Künstler kommen tatsächlich gerne nach Haldern.

Ich auch. Deswegen gehört das Festival seit 2005 zu den Fixpunkten meines Jahreskalenders. Und es ist schon lange mehr als ein Musikfestivalwochenende. Es ist ein Kurzurlaub mit Heimatgefühl. Da lasse ich auch mal ein Konzert am frühen Samstagnachmittag sausen, um noch ein bisschen mit der Campinggruppe zu plaudern, zu grillen, Karten oder Looping Louie zu spielen. Haldern ist eben auch: wohlfühlen und entspannen.

IMG_20170810_132524

Wellness-Programm „Festivalwochenende“

Viel Musik gibt es aber natürlich trotzdem immer. Obwohl die geplanten Konzertbesuche dieses Mal durch den Dauerregen am Donnerstag beschnitten wurden. Die angepeilten Acts auf der Hauptbühne (Get Well Soon, A Blaze Of Feather, Conor Oberst) habe ich daher nicht gesehen. Dafür Nothing. Also die Band, nicht nichts…

Am Freitag war dann aber auch endlich richtig Musik drin. Und zwar im Spiegeltent – noch so eine Haldern-Besonderheit, diese Bühne in einem wunderschönen Zelt. Ich war noch nie so lange am Stück dort drin wie an diesem Freitag, nämlich von ca. 16 Uhr bis ca. 23 Uhr. Gesehen und gehört habe ich Loyle Carner, Die Höchste Eisenbahn, The Amazons, Matthew and the Atlas, Mammal Hands und Aldous Harding. Eine kleine Weile Käptn Peng & die Tentakel von Delphi auf der Hauptbühne war zum Abschluss auch noch dabei.

DSC06221web

im Spiegeltent

Der Samstag dagegen war dann der Hauptbühne gewidmet. Und zwar mit Kate Tempest, Nick Waterhouse, Bear’s Den, The Afghan Whigs und ein paar Minuten Bilderbuch. Der letzte Act waren dann die Idles im Zelt. Bzw. haben wir den größten Teil davon auf einer Bank im Biergarten verfolgt.

DSC06249web

Bear’s Den

Das Konzertrating:

Highlights: Loyle Carner (meine Entdeckung des Wochenendes, und hatte mit „No CD“ (im Link) einen meiner Hits des Jahres dabei), Kate Tempest, Die Höchste Eisenbahn (immer wieder wunderbar), Idles (einfach großartig abgefahren!)

Sehr gut: The Amazons, Nick Waterhouse, Bear’s Den (vor allem wegen des „Haldern-Moments“)

Gut: The Afghan Whigs, Matthew and the Atlas, Nothing

“Tat nicht weh” bis “Hätt ich nicht gebraucht”: Käptn Peng & DTvD (schade, aber das kam bei mir – nicht nur akustisch – nicht so richtig an), Mammal Hands, Bilderbuch, Aldous Harding.

DSC06266web

Kate Tempest

Insgesamt habe ich schon mehr Konzerte in Haldern gesehen, aber der angesprochene Donnerstag hat da einen Strich durch die Rechnung gemacht, ebenso wie die erwähnte Prioritätensetzung. Und ehrlicherweise hatte ich dieses Jahr auch erst gar keine große Lust, zur Pop Bar zu laufen, da die meistens sowieso überlaufen ist. Sløtface hätte ich zum Beispiel eigentlich sehr gerne gesehen.

Im See war ich dieses Jahr auch nicht schwimmen – war mir schlicht zu kalt bei Temperaturen um die 20 Grad, schließlich kamen wir frisch aus dem Nizza-Urlaub. Dafür war es wieder mal wunderbar in unserer (dieses Jahr so kleinen wie lange nicht mehr) Campingrunde, es war alles angenehm ruhig und reibungslos, das Wetter war dann insgesamt doch besser als gedacht, das Publikum war erfreulich aufmerksam und wenig anstrengend, und überhaupt: Es war wieder ein herrliches Haldern-Wochenende.

 

*“früher“ gab es in Haldern übrigens auch nur eine Handvoll Dixiklos (gefühlt) und spärliche bis gar keine Duschmöglichkeiten. Manche Sachen werden eben doch mit der Zeit viel, viel besser.

Advertisements

Gehört, gesehen und gefühlt: Haldern Pop 2016

Ach Haldern. Was habe ich, was haben wir im Vorfeld nicht diskutiert, gegrübelt, gehadert. Immer teurere Karten, viele Wiederholungen im Line-Up, immer weniger bekannte Bands, dazu letztes Jahr ein erschreckendes Erlebnis mit der Security, und überhaupt. Ein bisschen war es so, als würden wir nach Gründen suchen, vielleicht mal eine Pause einzulegen. Ein bisschen Abstand zu gewinnen.

Und dann: War es (natürlich!) doch wieder ein zauberhaftes Wochenende. Trotz Dauerregens am Donnerstag. Selbstverständlich ist unsere wunderbare Reisegruppe zu einem Großteil für das großartige Erlebnis verantwortlich – mit euch wäre auch ein Campingwochenende in Bottrop-Boy ein Spitzenwochenende. Aber auch das Haldern Pop hat sich in diesem Jahr – zumindest für mich – wieder viel Mühe gegeben. Fast so, als wollte es mich vom Gegenteil der oben genannten Gedanken überzeugen.

tent

Auch wenn das Line-Up nominell in der Tat zu den subjektiv schwächsten in meiner Haldernzeit gehörte und ich mich sehr ausführlich informieren musste: Es gab dann doch wieder einige Highlights. Ganz vorne waren dabei Yak, die das Spiegelzelt, die Anwesenden und meinen Gehörgang ordentlich durchgepustet haben. What a show! Und erfreulicherweise funktioniert das auch auf Platte ganz hervorragend. Toll waren auch St. Paul & The Broken Bones – stimmungsvoll, unterhaltsam und auch musikalisch gut. Ebenfalls schön: Minor Victories. Wie waren wir uns beim Konzert noch einig: Mit Shoegaze-Gitarren kriegt man uns immer. So auch diesmal. Gefallen hat mir auch das Konzert von Michael Kiwanuka, auch wenn ich da ein-zweimal gedacht habe, dass der Funken noch ein bisschen mehr überspringen könnte. Aber schön war es allemal. Positiv überrascht haben mich außerdem Algiers – da hatte ich im Vorfeld nicht besonders aufmerksam reingehört und war sehr angetan. Außerdem klasse: Ben Caplan & The Casual Smokers und Die Nerven.

Neben der guten Musik stimmten aber in diesem Jahr auch die Rahmenbedingungen. Nettes Securitypersonal, flüssige Einlasskontrollen, problemloser Zugang zum Spiegeltent, die gute Idee mit den Schließfächern, nochmals verbesserte Sanitäranlagen, Ruhe auf dem Campingplatz (letzteres ist natürlich immer ein bisschen Glückssache). Erwähnte ich schon die weltbeste Campinggruppe? Egal, kann man nicht oft genug erwähnen. Haldern ist eben mehr als ein Festivalwochenende. Haldern ist ein Gefühl.

Es passieren einfach immer wieder so wunderbare Dinge mit diesen besonderen Leuten auf diesem besonderen Festival. Schwimmen im See mit dem Donut und anschließendem Delirium-Tremens-Bier-Lachflash. Fachkundige Gespräche über abgefahrenste südkoreanische Noisemusik von Jambinai im Biergarten vor dem Spiegeltent und die natürlich vollkommen ernst gemeinte Feststellung, dass wir nie jemand die Geomungo schöner haben spielen sehen (googlet das Instrument einfach…). Und und und…

Also, bis nächstes Jahr, Haldern? Gut möglich. Ich kann mir einen August ohne Haldern mittlerweile nur noch sehr schwer vorstellen, egal, was im Vorfeld so passiert.

(Kurioserweise habe ich in diesem Jahr so wenig fotografiert wie nie zuvor, daher gibt es auch nur ein Bild in diesem Beitrag. Ich glaube, es ist während des Auftritts von Drangsal entstanden.)

Song des Monats: August 2016

In diesem Monat steht die Rubrik ganz unter dem Eindruck des gerade zu Ende gegangenen Haldern Pop Festivals (dazu bestimmt an dieser Stelle später mehr). Einmal mehr war es sehr schön, und einmal mehr gab es einiges an neuer Musik zu entdecken, in die ich vor dem Festival maximal reingeschnuppert habe.

Neugierig auf mehr hat beim Schnuppern eindeutig Yak gemacht. Also husch husch rein ins Spiegeltent am Samstagabend, einmal durchrütteln und euphorisieren lassen, bitte! Ganz ganz großartig! Und auch auf dem im Anschluss direkt gekauften Album „Alas Salvation“ funktioniert das hervorragend! Kaufempfehlung! Und hier kann man einen ersten Eindruck bekommen, so halb zwischen Studio- und Livesound – Use Somebody von Yak: