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Gehört und gesehen: Way Back When Festival 2017, Dortmund

Hurra, endlich wieder Way Back When! Das für uns komfortabelste Festival überhaupt. Mit der U-Bahn zum Venue, im eigenen Bett ausschlafen, und dann ist auch noch zeitgleich das Pfefferpotthastfest. Besser geht’s doch gar nicht! Weiterer schöner Nebeneffekt: Man trifft auch jede Menge bekannte und ebenfalls musikbegeisterte Gesichter vor Ort.

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Sieht nicht besonders schön aus, schmeckt aber umso besser: Pfefferpotthast

Dieses Jahr fiel das domicil als Veranstaltungsort raus, stattdessen war das View neu dabei. Kleiner Kritikpunkt: Man kommt nur mit dem Fahrstuhl hin und wieder weg, der nun mal eine begrenzte Kapazität hat. Das ist eher suboptimal. Ansonsten waren die Konzerte dort aber sehr in Ordnung. Das FZW ist in dieser Hinsicht sowieso über jeden Zweifel erhaben. Die Festivalorganisation ist ebenfalls beständig gut. Einzig schade war für uns die zeitliche Überschneidung von The Amazons und Warbly Jets (wobei ich The Amazons ja kürzlich noch in Haldern gesehen habe).

Aber jetzt mal Butter bei die Fische und zum Wichtigsten: zu den Konzerten. Die kommen jetzt in „geschmacklicher Reihenfolge“:

Slowdive: Ich würde nicht so weit gehen und Slowdive als eine meiner Top-Lieblingsbands bezeichnen. Dennoch standen sie auf meiner Liste der Bands, die ich noch sehen will, ziemlich weit oben. Einfach weil ich schon so oft von den beeindruckenden Livequalitäten gehört und gelesen habe. Und natürlich auch, weil ich die Musik sehr mag, ist doch klar. Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht. Mit einer Mischung aus Begeisterung und Staunen stand ich in der ersten Reihe, quasi direkt unter Rachel Goswell’s Mikro, und nahm das mit allen Sinnen auf. Wow! Wirklich überragend. Nochmal wow!

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Slowdive

Gurr: Mitreißend! Die Platte hatte ich mir vor einigen Monaten gekauft und finde sie wirklich gut, aber dennoch war ich gespannt, wie das Ganze live wirken würde. Hinterher kann ich sagen: Das wirkt ganz großartig, ist noch ein, zwei Spuren lauter als auf Platte und scheint auch der Band viel Spaß zu machen. So viel lachende Gesichter auf der Bühne sieht man nicht oft – und davor waren es auch sehr viele. Der Extrabonus für mich: das Oasis-T-Shirt von Gitarristin und Sängerin Laura Lee. Das nächste Konzert ist schon so gut wie gebucht!

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Gurr

Portugal. The Man: Die aktuelle Single „Feel It Still“ ist einer meiner Ohrwürmer und Hits des Jahres. Davon abgesehen ging ich relativ „unvorbereitet“ in das Konzert (bei „Don’t Look Back In Anger“ als Zugabe konnte ich immerhin gut mitsingen…). Auch hier hatte ich viel Gutes über die Livequalität gehört und gelesen. Und es stimmte auch hier. Das war akustisch und auch optisch sehr beeindruckend. Und sehr viele Eindrücke auf einmal, aber es hat irrsinnig Spaß gemacht.

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Portugal. The Man

Richtig gut waren außerdem: Warbly Jets, die das View mit straightem, lauten Rock beschallten; Astronautalis, der es nach Portugal. The Man geschafft hat, das Euphorie- und Energielevel noch weiter hoch zu halten – alleine dafür Respekt; Fazerdaze, die schöne Indie-Gitarrenmusik machen, die ich mir immer anhören kann; und Jake Isaac, der mit seiner sympathischen Ausstrahlung schnell das ganze FZW im Griff hatte.

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Hatte den Laden im Griff: Jake Isaac

 

Gut gefallen haben mir auch J. Bernardt, Ilgen-Nur und Dan Croll (der leider das Pech hatte, dass während seines Sets im View immer mehr Leute abgewandert sind, um Roosevelt zu sehen). Ganz okay waren Client Liaison, die zwar musikalisch für mich nicht viel zu bieten hatten, dafür aber ne abgefahrene Show ablieferten, und Darjeeling, die wir aber zu Gunsten der Warbly Jets nach einigen Liedern wieder verließen.

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Leider nicht sehen konnte ich (und mit mir viele andere) denn Auftritt von Waxahatchee im FZW-Club. Da waren wir einfach zu spät dran und sind nicht mal in die Nähe der Tür gekommen.

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Sieger im Kostümwettbewerb: Client Liaison

Nicht warm werde ich live mit The Districts. Ich mag die Alben wirklich gerne, aber live holen sie mich einfach nicht ab. Ich finde die Posen des Sängers übertrieben und unglaubwürdig, und in meinen Augen/Ohren zerspielen sie die guten Songs zu oft. Sehr schade! Schade auch, dass ich mit Drangsal ein ähnliches Problem habe. Etwas abgeschwächt dadurch, dass mich die Musik auch nicht so 100% begeistert. Nach ein paar Songs haben wir uns also entschieden, stattdessen auf unseren Bauch zu hören und haben mit dem Olaf’s gleich mal die neue Gastronomie im FZW-Umfeld getestet. Und das ist sehr zu empfehlen – der Pulled Pork Burger war ein Gedicht (und wir waren mit dieser Idee auch nicht alleine). Eine Frage, die wir uns dabei aber  alle stellten: Warum gibt es auf dem Festivalgelände (also sinnigerweise am FZW) eigentlich keine Essensmöglichkeiten? Platz wäre doch da, und gut angenommen würde das mit Sicherheit! Es gibt also immer noch Raum für kleine Verbesserungen… Aber alles in allem war es wieder großartig! Ich freu mich auf jeden Fall sehr auf nächstes Jahr. Dann feiert das Festival 5-jähriges Jubiläum  (und wir mit ihm, als Besucher der ersten Stunde); die Tickets sind schon bestellt!

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Gehört und gesehen: Jen Cloher, Maschinchen Buntes, Witten

Wo ich Jen Cloher „aufgeschnappt“ habe, weiß ich gar nicht mehr genau. Ich glaube, es war auf dem Instagram-Channel von Courtney Barnett. Was realistisch erscheint, weil die beiden ein Paar sind. Und da ich deren Musik einfach großartig finde, hab ich gedacht: Hörste mal rein. Und siehe an: Da sind durchaus Parallelen zu erkennen, auch wenn man Cloher anhört, dass sie ein paar Jahre älter ist und ihre Musik (auf Platte) insgesamt ein wenig ruhiger ist. Vor allem aber ist sie sehr gut.

Und dann sehe ich vor ein paar Tagen durch Zufall: Jen Cloher spielt mit ihrer Band (inkl. Courtney Barnett an der Gitarre) in Witten. Witten! Nicht nur ich finde einen Tourplan witzig, der sich in etwa so liest: Paris, Berlin, Witten, Amsterdam… Auch die Veranstalter des Vereins Maschinchen Buntes, unter ihnen offenbar einige große Fans des Milk! Records Labels, haben daran ihren Spaß.

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Jen Cloher und Band

Ich beschließe also relativ spontan hinzufahren, sogar ausnahmsweise allein. Obendrein ist das Konzert sogar noch kostenlos (was mit dem Status als gemeinnütziger Verein zusammenängt). Gespannt stehe ich also in der zur Kulturlocation umgebauten ehemaligen Kneipe und warte. Bis auf ein paar Durchläufe bei Spotify bin ich ja quasi unbefangen.

Um es vorwegzunehmen: Es ist eines der besten Konzerte des Jahres (auch wenn da noch das eine oder andere kommt). Vom ersten Moment an bin ich begeistert: von der Band, von Clohers Texten, von der Musik, die wesentlich druckvoller daherkommt als auf dem Album. Das ich mir natürlich trotzdem gekauft habe – sicherheitshalber schon während der Pause.

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Symbolbild laute Gitarren 😉

Moment, Pause? Bei einem Rockkonzert? Jawohl. Und zwar, damit in dieser Pause der Hut für die KünstlerInnen rumgehen kann, bevor nach Konzertende alle schnell in die Nacht verschwinden. Eine super Idee! Cloher und ihre Band, bestehend aus besagter Courtney Barnett sowie Drummerin Jen Sholakis und Bassist Bones Sloane, finden das auch. Cloher ist überhaupt zum ersten Mal außerhalb von Australien auf Tour und ehrlich begeistert von der Resonanz. (Entgegen meiner ersten Befürchtung ist der Laden gut gefüllt, und der Hut war es hoffentlich auch) Es gibt Songs von der aktuellen Platte, ältere Songs, eine Coverversion der Go-Betweens (natürlich ebenfalls Australier), und während dessen laufend glückliche Gesichter vor und auch auf der Bühne.

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Um 22 Uhr ist dann endgültig Schluss, länger darf wohl dort auch nicht gespielt werden. Am Merch-Stand herrscht Hochbetrieb (gut, dass ich schon vorgesorgt habe), und man sieht viele zufriedene Gesichter und nickende Köpfe.  Das war ein wirklich lohnenswerter Ausflug nach Witten. Spontane Ideen sind eben oft gut.  Wie die Musik von Jen Cloher.

Gehört und gesehen: Haldern Pop 2017

„Ah, Haldern Pop – wer spielt denn da so? Kennt man da jemanden?“ Tja, gute Frage. Kommt halt darauf an, was und wen man so kennt. Die Frage wird jedenfalls häufig gestellt, wenn man erzählt, dass man nach Haldern fährt. „Man“ kennt tatsächlich meistens einige wenige Bands und Künstler – in diesem Jahr zum Beispiel Clueso oder AnnenMayKantereit. Die mich aber nicht interessieren, weshalb ich die in meiner Antwort auf die Frage öfter unbewusst gar nicht erwähnt habe. Von den weiteren Bands kennt „man“ dann eher weniger, auch wenn viele beim Haldern-Publikum durchaus gut bekannt sind und auch ich mich auf sie gefreut habe.

Es ist seit Jahren ein beliebtes Thema und Haldern-Fahrern (und erst recht im Forum der Website – wer sich mal über Luxusprobleme von Festivalgängern amüsieren möchte, ist da genau richtig!) – früher war mehr Lametta waren mehr „große“ Namen da, früher gab es mehr Indie, mehr Rock, mehr wasweißichnichtalles. Stimmt auch oft. Lässt sich aber auch nicht ändern. Die Gründe für die Veränderung des Festivals, des Bookings etc. lassen sich an vielen Stellen ausführlich nachlesen.* Worauf man sich aber immer verlassen kann: In Haldern hat man ein gutes Wochenende, und das Haldern-Team hat (immer noch) eine Nase für Künstler, die an der Schwelle zum Durchbruch stehen und für Künstler, die nicht nur ihr 0815-Festival-Set spielen. Viele Künstler kommen tatsächlich gerne nach Haldern.

Ich auch. Deswegen gehört das Festival seit 2005 zu den Fixpunkten meines Jahreskalenders. Und es ist schon lange mehr als ein Musikfestivalwochenende. Es ist ein Kurzurlaub mit Heimatgefühl. Da lasse ich auch mal ein Konzert am frühen Samstagnachmittag sausen, um noch ein bisschen mit der Campinggruppe zu plaudern, zu grillen, Karten oder Looping Louie zu spielen. Haldern ist eben auch: wohlfühlen und entspannen.

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Wellness-Programm „Festivalwochenende“

Viel Musik gibt es aber natürlich trotzdem immer. Obwohl die geplanten Konzertbesuche dieses Mal durch den Dauerregen am Donnerstag beschnitten wurden. Die angepeilten Acts auf der Hauptbühne (Get Well Soon, A Blaze Of Feather, Conor Oberst) habe ich daher nicht gesehen. Dafür Nothing. Also die Band, nicht nichts…

Am Freitag war dann aber auch endlich richtig Musik drin. Und zwar im Spiegeltent – noch so eine Haldern-Besonderheit, diese Bühne in einem wunderschönen Zelt. Ich war noch nie so lange am Stück dort drin wie an diesem Freitag, nämlich von ca. 16 Uhr bis ca. 23 Uhr. Gesehen und gehört habe ich Loyle Carner, Die Höchste Eisenbahn, The Amazons, Matthew and the Atlas, Mammal Hands und Aldous Harding. Eine kleine Weile Käptn Peng & die Tentakel von Delphi auf der Hauptbühne war zum Abschluss auch noch dabei.

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im Spiegeltent

Der Samstag dagegen war dann der Hauptbühne gewidmet. Und zwar mit Kate Tempest, Nick Waterhouse, Bear’s Den, The Afghan Whigs und ein paar Minuten Bilderbuch. Der letzte Act waren dann die Idles im Zelt. Bzw. haben wir den größten Teil davon auf einer Bank im Biergarten verfolgt.

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Bear’s Den

Das Konzertrating:

Highlights: Loyle Carner (meine Entdeckung des Wochenendes, und hatte mit „No CD“ (im Link) einen meiner Hits des Jahres dabei), Kate Tempest, Die Höchste Eisenbahn (immer wieder wunderbar), Idles (einfach großartig abgefahren!)

Sehr gut: The Amazons, Nick Waterhouse, Bear’s Den (vor allem wegen des „Haldern-Moments“)

Gut: The Afghan Whigs, Matthew and the Atlas, Nothing

“Tat nicht weh” bis “Hätt ich nicht gebraucht”: Käptn Peng & DTvD (schade, aber das kam bei mir – nicht nur akustisch – nicht so richtig an), Mammal Hands, Bilderbuch, Aldous Harding.

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Kate Tempest

Insgesamt habe ich schon mehr Konzerte in Haldern gesehen, aber der angesprochene Donnerstag hat da einen Strich durch die Rechnung gemacht, ebenso wie die erwähnte Prioritätensetzung. Und ehrlicherweise hatte ich dieses Jahr auch erst gar keine große Lust, zur Pop Bar zu laufen, da die meistens sowieso überlaufen ist. Sløtface hätte ich zum Beispiel eigentlich sehr gerne gesehen.

Im See war ich dieses Jahr auch nicht schwimmen – war mir schlicht zu kalt bei Temperaturen um die 20 Grad, schließlich kamen wir frisch aus dem Nizza-Urlaub. Dafür war es wieder mal wunderbar in unserer (dieses Jahr so kleinen wie lange nicht mehr) Campingrunde, es war alles angenehm ruhig und reibungslos, das Wetter war dann insgesamt doch besser als gedacht, das Publikum war erfreulich aufmerksam und wenig anstrengend, und überhaupt: Es war wieder ein herrliches Haldern-Wochenende.

 

*“früher“ gab es in Haldern übrigens auch nur eine Handvoll Dixiklos (gefühlt) und spärliche bis gar keine Duschmöglichkeiten. Manche Sachen werden eben doch mit der Zeit viel, viel besser.

Gehört und gesehen: The Divine Comedy, Mojo Club Hamburg

“And now we’re going to have a super party fun time!” Da muss Neil Hannon selbst lachen. Muss er an diesem Samstagabend im Mojo Club überhaupt ziemlich oft. Was er zum einen auf die Kombination aus Erkältungsarznei und Bier schiebt – da hätte man ihn doch von abhalten müssen, kokettiert er in Richtung seiner Band. Zum anderen aber auch deshalb, weil er einfach Spaß hat – mit sich, seinen Songs und dem euphorischen Publikum.

Denn schon vor der „offiziellen“ Ankündigung der „super party fun time“, irgendwann in der zweiten Hälfte des Konzerts, haben alle Beteiligten jede Menge Spaß. Auch bei den eher ernsten Songs. Wobei ernst ja auch ein bisschen relativ ist, wenn Neil Hannon in voller Napoleon-Verkleidung auf die Bühne kommt – und dann natürlich auch „Napoleon Complex“ singt. Da fällt es dann auch wirklich schwer, der eigentlich guten Bitte nachzukommen, doch heute mal auf Fotos zu verzichten. Hat nicht ganz geklappt, aber es wurden schon vergleichsweise wenige Kameras und Smartphones hochgehalten. Wie überhaupt das Publikum sehr gesittet und aufmerksam war, da habe ich in letzter Zeit schon deutlich schlimmeres erlebt.

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Nach wenigen Liedern befreit sich Hannon zumindest vom riesigen (und bestimmt auch mollig warmen) Hut – „one more song before the hat goes off“ –, ungefähr zur Hälfte verschwindet er dann für einen Kostümwechsel. Gegenüber der Uniform ist der elegante schwarze Anzug mit Sicherheit tausendfach bequemer. Und passt natürlich hervorragend zu „The Complete Banker“, dem ersten Song im neuen Outfit. Jetzt aber genug vom Äußerlichen – der Abend war schließlich auch musikalisch ein Hochgenuss. Hannon ist nicht nur ein toller Sänger mit großartiger Bühnenpräsenz, sondern hat auch eine hochklassige Band um sich versammelt. Zur Belohnung serviert er den Musikern zwischenzeitlich, ganz Gentleman, ein Gläschen Wein. Das gibt’s auch für Lisa O’Neill, die Support-Künstlerin, die für ein Duett noch einmal auf die Bühne kommt.* Es gibt einen Ausflug ins Publikum, kollektive Publikumsunterstützung bei (nicht nur, aber hauptsächlich) „National Express“ und immer wieder Begeisterungsrufe und -jauchzer, wenn ein weiterer „Hit“ angespielt wird. Davon haben The Divine Comedy viele, wenn auch vielleicht nicht im klassischen Charts-Sinn. Schon eher „At the Indie Disco“.

Und auch wenn ich – im Gegensatz zu ihr, die während und nach dem Konzert euphorisch strahlt – kein ausgewiesener Divine Comedy Experte bin, verfolge ich die Musik schon eine ganze Weile. Wirklich bewusst seit dem 2004er Album „Absent Friends“, dessen Titelsong leider nicht zur umfangreichen Playlist gehört. Man kann ja nicht alles haben. Und dennoch setzt die Band die Messlatte für die kommenden Konzerte ganz schön hoch an. Einfach weil dieses Konzert in seiner Gesamtheit so schön ist. Großes Konzertkino, einfach schön!

Ach ja: An, in und „auf“ der Elbphilharmonie waren wir übrigens an dem Tag auch. Also soweit man eben hineinkommt, ohne ein Konzert zu besuchen. Was nicht wahnsinnig weit ist, aber trotzdem lohnenswert. Und man hat natürlich einen tollen Blick auf Hamburg und vor allem den Hafen.

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*Sehr schade: Lisa O’Neill ist sehr sympathisch, witzig und singt schöne Songs – aber leider mag ich ihre Stimme so überhaupt nicht.

Gehört, gesehen und gefühlt: Haldern Pop 2016

Ach Haldern. Was habe ich, was haben wir im Vorfeld nicht diskutiert, gegrübelt, gehadert. Immer teurere Karten, viele Wiederholungen im Line-Up, immer weniger bekannte Bands, dazu letztes Jahr ein erschreckendes Erlebnis mit der Security, und überhaupt. Ein bisschen war es so, als würden wir nach Gründen suchen, vielleicht mal eine Pause einzulegen. Ein bisschen Abstand zu gewinnen.

Und dann: War es (natürlich!) doch wieder ein zauberhaftes Wochenende. Trotz Dauerregens am Donnerstag. Selbstverständlich ist unsere wunderbare Reisegruppe zu einem Großteil für das großartige Erlebnis verantwortlich – mit euch wäre auch ein Campingwochenende in Bottrop-Boy ein Spitzenwochenende. Aber auch das Haldern Pop hat sich in diesem Jahr – zumindest für mich – wieder viel Mühe gegeben. Fast so, als wollte es mich vom Gegenteil der oben genannten Gedanken überzeugen.

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Auch wenn das Line-Up nominell in der Tat zu den subjektiv schwächsten in meiner Haldernzeit gehörte und ich mich sehr ausführlich informieren musste: Es gab dann doch wieder einige Highlights. Ganz vorne waren dabei Yak, die das Spiegelzelt, die Anwesenden und meinen Gehörgang ordentlich durchgepustet haben. What a show! Und erfreulicherweise funktioniert das auch auf Platte ganz hervorragend. Toll waren auch St. Paul & The Broken Bones – stimmungsvoll, unterhaltsam und auch musikalisch gut. Ebenfalls schön: Minor Victories. Wie waren wir uns beim Konzert noch einig: Mit Shoegaze-Gitarren kriegt man uns immer. So auch diesmal. Gefallen hat mir auch das Konzert von Michael Kiwanuka, auch wenn ich da ein-zweimal gedacht habe, dass der Funken noch ein bisschen mehr überspringen könnte. Aber schön war es allemal. Positiv überrascht haben mich außerdem Algiers – da hatte ich im Vorfeld nicht besonders aufmerksam reingehört und war sehr angetan. Außerdem klasse: Ben Caplan & The Casual Smokers und Die Nerven.

Neben der guten Musik stimmten aber in diesem Jahr auch die Rahmenbedingungen. Nettes Securitypersonal, flüssige Einlasskontrollen, problemloser Zugang zum Spiegeltent, die gute Idee mit den Schließfächern, nochmals verbesserte Sanitäranlagen, Ruhe auf dem Campingplatz (letzteres ist natürlich immer ein bisschen Glückssache). Erwähnte ich schon die weltbeste Campinggruppe? Egal, kann man nicht oft genug erwähnen. Haldern ist eben mehr als ein Festivalwochenende. Haldern ist ein Gefühl.

Es passieren einfach immer wieder so wunderbare Dinge mit diesen besonderen Leuten auf diesem besonderen Festival. Schwimmen im See mit dem Donut und anschließendem Delirium-Tremens-Bier-Lachflash. Fachkundige Gespräche über abgefahrenste südkoreanische Noisemusik von Jambinai im Biergarten vor dem Spiegeltent und die natürlich vollkommen ernst gemeinte Feststellung, dass wir nie jemand die Geomungo schöner haben spielen sehen (googlet das Instrument einfach…). Und und und…

Also, bis nächstes Jahr, Haldern? Gut möglich. Ich kann mir einen August ohne Haldern mittlerweile nur noch sehr schwer vorstellen, egal, was im Vorfeld so passiert.

(Kurioserweise habe ich in diesem Jahr so wenig fotografiert wie nie zuvor, daher gibt es auch nur ein Bild in diesem Beitrag. Ich glaube, es ist während des Auftritts von Drangsal entstanden.)

Gehört und gesehen (und gefeiert): Who Killed Bruce Lee, FZW, Dortmund

Interessanter Bandname, dachte ich, als ich das Programm vom FZW durchsah; da guckste mal genauer hin. Siehe da, auch die Veranstaltungsbeschreibung war vielversprechend. Da hörste mal rein, dachte ich. Und aha, das klingt aber gut. Dann gehen wir da mal hin!

Und wie froh ich bin, dass ich mich trotz der enormen Verlockung, die das heimische Sofa an diesem Abend ausstrahlte, für den Gang ins FZW aufraffen konnte. Was für einen großartigen Konzertabend hätten wir sonst verpasst! Who Killed Bruce Lee kommen aus Beirut, klingen manchmal ein bisschen wie die Red Hot Chili Peppers, als sie noch cool und funky waren, manchmal wie Black Rebel Motorcycle Club, manchmal wie LCD Soundsystem und doch immer eigen. Ohne das Rock’nRoll-Rad neu zu erfinden ist das trotzdem unglaublich frisch und erfrischend. Was mit Sicherheit auch daran liegt, wieviel Bock die vier Musiker darauf haben. Das kommt nicht nur bei den Ansagen von Sänger Wassim zum Vorschein, sondern auch in jedem Stück und in der Interaktion untereinander und mit dem Publikum.

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Alles wird zu einem großen, gut gelaunten und groovenden Ganzen, in das sich auch ein eine exquisite Auswahl von Coverversionen und -schnipseln fügen. Die eigenen Songs sind sowieso über jeden Zweifel erhaben und werden vom Publikum begeistert aufgenommen, auch wenn – da lehne ich mich einfach mal aus dem Fenster – die wenigsten sie vorher ausführlich gekannt haben dürften. Was ja dann letztendlich nur ein weiterer Beweis für deren Qualität ist. Zu „Young Love“ und „Mastercraft“ schwingt sich Wassim nicht nur auf eine Bierkiste inmitten des Publikums, sondern erklimmt auch die Balustrade der kleinen Empore des FZW-Clubs. Spätestens jetzt tanzt, springt und jubelt jeder im Raum. Als die Band nach etwas mehr als 1,5 Stunden zur frenetisch geforderten zweiten Zugabe zurückkommt, geben sie zu, keinen Plan mehr zu haben, was sie spielen sollen. Und schließen den Abend dann mit einem fulminanten Cover von „North American Scum“ von LCD Soundsystem krachend ab.

Ihr Album haben Who Killed Bruce Lee in Berlin aufgenommen und fühlen sich nach eigener Aussage auch sonst ganz wohl in Deutschland. Passenderweise sind sie auch in den kommenden Monaten auf Bühnen im ganzen Land unterwegs (Termine auf der Website! Albumbestellmöglichkeit natürlich auch!) . Gute Songs, mitreißende Show, sympathische Band – das sollte man sich nicht entgehen lassen!

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Gehört und gesehen: The View, FZW, Dortmund

The View im FZW – die gibt’s noch? War zugegebenermaßen der erste Gedanke, als ich die Konzertankündigung gesehen habe. Der zweite war: Mann, die hatten ja damals ein echt tolles Debütalbum. Eine kurze Recherche später wusste ich: Die haben letztes Jahr sogar ein aktuelles Album rausgebracht. Das war, wie im Grunde alles nach dem zweiten Album, komplett an mir vorbeigegangen.

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Kein Grund, sich das Ganze nicht trotzdem mal live anzuschauen! Auch wenn mich die späteren Werke nicht sonderlich begeistert haben. Und was soll ich sagen: Es war ein erfreulich toller Abend! Das fing schon mit der äußerst sympathischen, allerdings durch Krankheit dezimierten Vorband The Stamp an. Aufgrund des Ausfalls des Sängers beschränkten sie sich auf eine Handvoll Songs; die aber waren klasse. Anschließend gab es feinste Musik von der Insel vom Band (u. a. gleich zwei Oasis-Songs), bevor The View die Bühne betraten. Und die Band knüpfte nahtlos an, spielte ein Set mit allen Hits (es gab einige „Ach ja, das ist ja auch von denen“-Momente) und brachte das Publikum zum Tanzen. Muss man ja auch erstmal schaffen an einem Mittwochabend im maximal halb gefüllten FZW-Club. Und wirkte dabei auch selbst so, als hätten sie Spaß an der Sache. Das ist ja auch schon immer ne gute Voraussetzung für so einen Abend.

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Es war vielleicht nicht das Konzert des Jahrzehnts, aber sehr unterhaltsam und kurzweilig war es allemal. Bei solchen Songs wie „Same Jeans“, „Skag Trendy“ oder „5 Rebeccas“ kein Wunder! Und „Wasted Little DJs“ natürlich! The View dürfen gerne wiederkommen! 🙂