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Riga: Die Neustadt

Wie so viele „alte“ Städte besitzt auch Riga eine Neustadt, für die sich wahrscheinlich zahllose Städte einen sprichwörtlichen Arm abschlagen würden, wenn sie so etwas als Altstadt besäßen. So rein von der Ästhetik her gesehen.

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In Rigas Neustadt dominiert der Jugendstil. Und da muss man auch kein großer Experte sein (zum Glück!), um sich das anzusehen und schön zu finden. Mit ein bisschen Wegweisung durch den Reiseführer kann man die schönsten Straßen und Häuser erlaufen und an den reich verzierten Fassaden hochschauen. Klingt vielleicht nicht besonders spannend, aber genau so etwas macht für mich eine Städtereise aus – Kopp hoch und einfach gucken. Der Weg durch die Neustadt, speziell durch die Elizabetes iela, war im Übrigen auch der erste Tipp der freundlichen Rezeptionistin im Hotel. Also quasi der „Umweg“ durch die Neustadt über den Kreuzfahrtschiffanleger in die Altstadt.

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Und so wandert man durch diese tollen Straßenzüge und betrachtet großartig gestaltete Häuser, zum Beispiel von Michail Eisenstein (dessen Sohn Sergej später maßgeblich das Filmgenre geprägt hat). Unbedingt sollte man dabei in der Alberta iela vorbeischauen. Und neben den prunkvollen Fassaden entdeckt man quasi nebenbei noch schöne kleine Läden, Cafés und Restaurants.

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Letzteres ist besonders von Vorteil, wenn man wie wir auch sein (übrigens durchaus empfehlenswertes) Quartier in der Neustadt bezogen hat – kurze Wege zu Speis und Trank. Bei vielen Lokalen sollte man allerdings nicht zu spät aufkreuzen, denn die Neustadt ist eher war für den Tagschwärmer. Abends standen wir vor einigen verschlossenen Türen, und in den geöffneten Restaurants war es entsprechend voll.

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Meistens geöffnet ist aber die Skybar im Albert Hotel. Da ist es zwar nicht ganz billig, aber dafür werden einem gleich zwei interessante Blicke geboten.

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Zum einen der wirklich schöne Blick über das abendlich beleuchtete Riga (im Sommer sicher noch viel bezaubernder), zum anderen der interessante Blick auf die (vermeintlich) Schönen und Reichen, sowohl in den Reihen der Einheimischen als auch der Touristen. Sehr spannend. Und leckere Cocktails mit dem köstlichen Rigas Melnais Balzams können sie dort auch mixen.

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So kann man einen Tag in der Neustadt sehr gut ausklingen lassen!

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Riga: die Altstadt

Teil 2 der Reiseberichterstattung über Riga – nach den „Outtakes“ arbeiten wir uns sozusagen von innen nach außen.

Die Altstadt von Riga ist sicher der Hauptmagnet für Touristen. Immerhin ist sie UNESCO-Weltkulturerbe. Und sie ist ja auch wirklich zauberhaft. Wenn man nicht ab und an mal nach unten schauen müsste (Kopfsteinpflaster!), könnte man den Blick eigentlich permanent nach oben richten und sich die zahllosen schönen, alten Häuser in den zum Teil sehr engen Gassen und Straßen ansehen.

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Und zu so vielen Häusern gibt es eine (mitunter kuriose) Geschichte. Wie zu dem Haus mit den beiden buckelnden Katzen auf dem Dach. Das hat seinerzeit ein reicher lettischer Händler gebaut, der nicht in die Gilde aufgenommen wurde. Auf das Dach montierte er zwei Katzen, die der gegenüber liegenden Gilde den Hintern zuwandten. Übersetzt: Wenn ich schon nicht mitmachen darf, sollt ihr mir den Buckel runterrutschen. Immerhin konnte die Gilde erreichen, dass er die Katzen anders ausrichten musste – die schöne Idee aber bleibt bestehen.

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Die Gilden selbst – vor allem die Kleine Gilde – sind natürlich ebenfalls Schmuckstücke. Wie auch das Schwarzhäupterhaus, das übrigens nach Originalvorbild komplett rekonstruiert wurde und vor dem eine Roland-Statue steht (nicht im Bild). Denn: Riga ist bzw. war eine Hansestadt. Viel kurioser ist, dass es auch eine Statue der Bremer Stadtmusikanten in der Altstadt gibt. Das hat allerdings eher damit zu tun, dass Bremen beim Bau der Stadt ein wenig Pate stand – immerhin gehörte Riga eine Zeit lang zum Erzbistum Bremen. Und bekanntlich hatte so etwas ja früher bedeutende Auswirkungen auf die Stadtgestaltung.

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Und so schlendert man durch hübsche Gassen, über schöne Plätze, vorbei am Dom, am Schwedentor oder am Pulverturm und freut sich an den vielen Häusern, Denkmälern und sonstigen Sehenswürdigkeiten. Erfreulich ist auch, dass es wenig „nervige“ Läden und/oder Gastronomie gibt, sondern alles einigermaßen dezent und stimmig in seine Umgebung eingebettet ist. Oder an den Rand der Altstadt verfrachtet wurde. Dort stehen aber nicht nur Einkaufszentren, beileibe nicht, sondern dort finden sich schöne angelegte Parkflächen, die eine Art Übergang von der Alt- zur Neutstadt bilden. Und dort findet man auch das lettische Freiheitsdenkmal, das eine lesenswerte Geschichte hat, sehr feine Anekdote inklusive.

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Lohnenswert, wenn auch für Rigaer Verhältnisse recht teuer, ist auch die Auffahrt auf den Turm der Petrikirche. Von dort oben kann man sich die Altstadt prima aus der Vogelperspektive ansehen – und immerhin wird man für sein Geld ja auch von einer auf dem Tablet spielenden Liftwoman per Fahrstuhl nach oben gebracht.

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Von dort oben sieht man auch die Daugava, an deren Ufer die Altstadt grenzt, leider aber durch eine mehrspurige Straße davon abgetrennt ist. Trotzdem lohnt sich der Weg hinüber (also in diesem Fall über die Straße – zum Weg über den Fluss ein anderes Mal mehr), denn dort wartet die Statue des Lielais Kristaps – und allein schon seine Geschichte sollte man sich nicht entgehen lassen. Die ist nämlich wirklich schön, wie ich finde.

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Ein weiterer Vorteil der Altstadt neben der ganzen Schönheit: Sie ist sehr kompakt, so dass man problemlos mehrmals kreuz und quer hindurchspazieren kann, ohne danach unter akuten Plattfüßen zu leiden. Trotz Kopfsteinpflaster. Und man kann in vielen schönen Cafes auch ganz wunderbar mal eine Pause einlegen. Ein entspannter Touristenmagnet – das lobe ich mir!

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(„Dank“ eines Defekts, der meinen PC rund 2,5 Wochen außer Gefecht gesetzt hat, und zahlreicher anderer Ablenkungen gab es, mit dem spontanen Ausbruch gestern, hier schon sehr lange nichts mehr zu lesen. So ist auch die Lücke in der Reiseberichterstattung leider ganz schön groß geworden. Ich hoffe, es geht in Zukunft wieder zügiger weiter.)

Riga: Kulinarisches, Künstlerisches und Kurioses

Vorab und eigentlich das wichtigste: Riga ist absolut eine Reise wert. Eine tolle und schöne, trotz ihres Hauptstadtstatus entspannte Stadt, die viel zu bieten hat.

Aber dazu später mehr. Heute geht es erstmal um „Begleiterscheinungen“. Wie war das Essen, was gab es zu trinken, kleine, aber feine Straßenkunst und erstaunliche und witzige Dinge, die man quasi nebenbei sieht.

Essen

Starten wir mit dem Essen. In Lettland gibt es ganz köstliches dunkles Roggenbrot mit Kümmel (das aber nicht immer so verkauft wird wie oben links… Das war auf dem großartigen Markt in den Kalnciema Kvartals). Das passt auch hervorragend zu Sauerkraut und Wurst, ebenfalls auf besagtem Markt gegessen. Genauso wie auch dieses köstliche Stück Torte von dort stammt. Und natürlich gibt es in Riga auch gute Burgerschmieden – zum Beispiel Burger Story.

Drinks

Auch in Lettland wird schmackhaftes Bier gebraut. Sehr beruhigend, kann man ja im Vorfeld nie wissen. 😉 Weniger empfehlenswert ist hingegen die Cola-Limo unten links im Bild. Da ist die Verpackung eindeutig besser als das Getränk. Ein Verkaufsschlager ist dagegen ist der Riga Black Balsam. Und dass sich damit auch leckere Cocktails mixen lassen, habe ich am eigenen Gaumen erfahren dürfen!

Streetart

So, jetzt aber zurück auf die Straße. Da findet man, wenn man genau hinsieht, das eine oder andere kleine Kunstwerk.

Outtakes

Und dann ist da auch noch die Erkenntnis, dass Lettisch nicht nur eine interessante Sprache ist, sondern deren Schreibweisen einen auch manchmal zum Schmunzeln bringen. Dass es in Riga kuriose Ladennamen gibt und interessante Kennzeichen. Im Albert Hotel hängt ein witziger Spiegel (wichtige Info: größentechnisch liege ich bei Schwarzenegger und Sharapova), in unserem Hotel eine Origami-Anleitung, die ich spontan nachbasteln könnte. Die Funky Army ist stilvoll unterwegs, und auch in Lettland gibt es Fans des Haldern Pop.

Mehr aus Riga gibt es demnächst an dieser Stelle. Bis dahin: Prozit!